Darf die Versicherung ihre Leistungen einstellen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zur Unfallversicherung.

Grundsätzlich kommt die Unfallversicherung für die Folgen eines Unfalls auf: Hobbyfussballer an einem Grümpelturnier in Oberbüren SG. Foto: Samuel Trümpy (Keystone)

Grundsätzlich kommt die Unfallversicherung für die Folgen eines Unfalls auf: Hobbyfussballer an einem Grümpelturnier in Oberbüren SG. Foto: Samuel Trümpy (Keystone)

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Im Sommer 1998 hatte ich beim Fussballspielen einen Unfall. Dabei wurde eine Vene verletzt. Seither muss ich Kompressionsstrümpfe tragen und alle zwei bis drei Jahre zum Spezialisten zur Kontrolle. Bisher hat die Unfallversicherung meines Arbeitgebers die Kosten für die ärztlichen Kontrollen und die Kompressionsstrümpfe übernommen. Vor kurzem wurde ich pensioniert. Kurz darauf hat mir die Unfallversicherung mitgeteilt, sie werde nicht mehr weiter zahlen, weil keine namhafte Besserung des Leidens zu erwarten sei. Diese Mitteilung hat mich sehr überrascht, denn ich bin davon ausgegangen, die Unfallversicherung müsse zeitlich unbegrenzt für die Kosten von Unfallfolgen aufkommen. Darf sie mir die künftigen Leistungen verweigern?

Ja, das ist möglich. Der Grund liegt vor allem darin, dass Sie Ihre Erwerbstätigkeit aufgegeben haben.

Grundsätzlich kommt die Unfallversicherung für die Folgen eines Unfalls auf. Sie muss die Kosten für die Heilbehandlungen so lange übernehmen, wie dadurch eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Verbesserung des Gesundheitszustands meint in der Unfallversicherung jedoch vor allem die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit. Konkret: Die Unfallversicherung ­Ihres Arbeitgebers musste für die Kompressionsstrümpfe zahlen, weil diese nötig waren, um Ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern.

Jetzt aber, wo Sie pensioniert sind, steht eine Verbesserung Ihrer Erwerbsfähigkeit nicht mehr zur Diskussion. Folglich muss die Unfallversicherung für die Behandlung des bestehenden Leidens nicht mehr aufkommen.

Mit der Pensionierung ändert sich die Zuständigkeit

Das heisst nicht, dass Sie keinerlei Leistungen mehr zugute haben, aber die Zuständigkeit für die Kostenübernahme ändert. Künftig müssen Sie sich dafür an Ihre Krankenkasse wenden. Sie kommt für die weitere Behandlung Ihres Leidens auf, vorausgesetzt, diese ist medizinisch notwendig.

Der Wechsel der Zuständigkeit hat ­indes finanzielle Konsequenzen. Wie bei allen Behandlungen durch die Krankenkasse sind Sie verpflichtet, sich mit Franchise und Selbstbehalt an den Kosten ­zu beteiligen, welche die Behandlung Ihres Venenleidens verursacht. Beides gibt es bei der Unfallversicherung nicht. Somit bringt der Wechsel für Sie eine klare Schlechterstellung.

Sollte sich aber im Laufe der Zeit Ihr bestehendes Leiden verschlimmern und sich dies zumindest teilweise auf das seinerzeitige Unfallereignis zurückführen lassen, können Sie sich erneut an die Unfallversicherung wenden. Diese ist gesetzlich verpflichtet, für Spätfolgen und Rückfälle zu zahlen. Das gilt auch, wenn die gesundheitliche Verschlechterung erst im Pensionsalter auftritt.

Erstellt: 25.01.2016, 09:51 Uhr

Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, zum Konsumrecht, zum Sozialversicherungsrecht und zum Familienrecht. Senden Sie uns Ihre Fragen an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch

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