Darf ich mein Personaldossier einsehen?

Die Antwort auf die Leserfrage eines besorgten Arbeitnehmers.

Eine persönliche Einsichtnahme ins Personaldossier ist nur möglich, wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist: Blick auf eine Baustelle. Foto: Olivier Maire (Keystone)

Eine persönliche Einsichtnahme ins Personaldossier ist nur möglich, wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist: Blick auf eine Baustelle. Foto: Olivier Maire (Keystone)

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In meinem jetzigen Arbeitsverhältnis habe ich mich nie besonders wohlgefühlt. In jüngster Zeit hat sich nun mein Vorgesetzter ein paarmal kritisch zu meinen Leistungen geäussert. Das führte zu Spannungen, und ich fürchte, dass man mir demnächst kündigen wird. Gerne wüsste ich, ob ich das Recht habe, mein Personaldossier einzusehen, und ob ich mir von den Akten auch Kopien machen kann. Wäre dies allenfalls auch noch möglich, wenn man mir bereits gekündigt hat?

Ja. Gemäss Datenschutzgesetz hat jede Person das Recht zu erfahren, welche Daten über sie gespeichert sind. Das gilt explizit auch im Arbeitsverhältnis. Sollten Sie tatsächlich die Kündigung erhalten, könnten Sie auch dann noch Auskunft über die von Ihnen vorhandenen Daten verlangen.

Eine persönliche Einsichtnahme ins Personaldossier ist indes nur möglich, wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist. Üblich ist die schriftliche Auskunft. Das heisst, Sie müssten ein Gesuch um Auskunft stellen und bekämen dann Fotokopien von den schriftlichen Akten oder Ausdrucke, falls die Daten elektronisch gespeichert sind.

Der Arbeitgeber darf die Offenlegung der Daten einschränken.

Die Auskunft muss grundsätzlich innert 30 Tagen erteilt werden, und sie muss vollständig sein. Der Arbeitgeber darf die Offenlegung der Daten nur einschränken, wenn er ein überwiegendes Interesse an einer Geheimhaltung belegen oder wenn er sich auf ein Gesetz berufen kann, das dies zulässt. Dann müsste er den Grund der Beschränkung angeben.

Ist das Arbeitsverhältnis beendigt, darf der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin nur noch diejenigen Informationen über Mitarbeitende aufbewahren, die notwendig sind für das Ausstellen eines Arbeitszeugnisses. Da die Ansprüche von ehemaligen Arbeitnehmenden auf Korrektur, Ergänzung oder Begründung eines Arbeitszeugnisses erst nach zehn Jahren verjähren, kann auch der Arbeitgeber die notwendigen Materialien so lange aufbewahren. Verpflichtet dazu ist er allerdings nicht.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2018, 07:58 Uhr

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