Gilt das Arbeitsrecht auch bei Freiwilligenarbeit?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Versicherungsschutz bei Vereinsarbeit.

Der Verein haftet nur, wenn sie während eines Freiwilligeneinsatzes zu Schaden kommen. (Foto: Shutterstock)

Der Verein haftet nur, wenn sie während eines Freiwilligeneinsatzes zu Schaden kommen. (Foto: Shutterstock)

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Seit ein paar Jahren leiste ich mit viel Freude in einem gemeinnützigen Verein sporadisch freiwillige Einsätze. Es gibt einen schriftlichen Vertrag, in dem die Tätigkeit und die Dauer geregelt sind. Bei Vertragsabschluss hat man mir damals gesagt, ich sei gegen Unfälle und Haftpflichtansprüche versichert. Aber müsste der Verein tatsächlich für die Kosten in so einem Fall aufkommen? Auch würde es mich interessieren, ob die arbeitsrechtlichen Bestimmungen auch für meine freiwillige Tätigkeit gelten.

Nein, das Arbeitsrecht ist nicht anwendbar. Zwischen der Freiwilligenarbeit und dem arbeitsvertraglichen Verhältnis gibt es zwar viele Ähnlichkeiten, aber einen zentralen Unterschied: den Lohn. Die Lohnzahlungspflicht des Arbeitgebers ist ein wesentliches Merkmal des Arbeitsvertrags. Wer ohne Lohn arbeitet, kann deshalb nicht Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer sein.

Tatsächlich ist die Freiwilligentätigkeit nicht separat geregelt. Sie kann nach Ansicht von Rechtsexperten dem Auftragsrecht zugeordnet werden. Demnach sind Sie Beauftragter des gemeinnützigen Vereins.

«Freiwillige» unterstehen auch nicht den obligatorischen Sozialversicherungen. Denn mangels Lohn benötigen sie keinen Schutz vor Lohnausfall, wenn sie nicht einsatzfähig sind. Der Unfallschutz ist aber gewährleistet. Entweder über die Unfallversicherung des Arbeitgebers, die auch Freizeitunfälle abdeckt, oder, bei ausschliesslich ehrenamtlich Tätigen, über die Unfallversicherung via Krankenkasse. Dass der Verein Sie zusätzlich gegen Unfälle absichert, tut er ohne Pflicht. Allerdings haftet er, wenn Sie aufgrund eines Freiwilligeneinsatzes zu Schaden kommen.

Verträge über Freiwilligenarbeit sind jederzeit fristlos kündbar. Erfolgt die Kündigung jedoch zur Unzeit, haftet die kündigende Partei, wenn die andere Partei dadurch einen Schaden erleidet.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 10.12.2017, 20:33 Uhr

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