Kann der Arbeitgeber Minusstunden anordnen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Auftragsbaisse.

Eine Einbusse bei den Aufträgen gehört zum Betriebsrisiko. Dieses muss der Arbeitgeber tragen. <nobr>Foto: Kaboompics.com (Pexels)</nobr>

Eine Einbusse bei den Aufträgen gehört zum Betriebsrisiko. Dieses muss der Arbeitgeber tragen. Foto: Kaboompics.com (Pexels)

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Meine Frau arbeitet zu 60 Prozent als Aushilfe. Da die Firma in jüngster Zeit weniger Bestellungen erhält, werden die Mitarbeitenden zu Minusstunden verpflichtet. Ich dachte, Minusstunden dürften nur bei einer Betriebsstörung angeordnet werden, nicht aber bei einer schlechten Auftragslage. Sehe ich das richtig?

Es stimmt, dass Minusstunden bei einer Betriebsstörung angeordnet werden können. Sie können aber auch aus anderen Gründen anfallen, wie etwa bei einer Auftragsbaisse. Entscheidend ist, dass sie zulasten der Arbeitgeberin gehen, unabhängig davon, ob sie die Minusstunden verschuldet hat oder nicht.

Eine Einbusse bei den Aufträgen gehört zum Betriebsrisiko. Dieses muss der Arbeitgeber tragen. Schickt er seine Mitarbeitenden nach Hause, weil er ihnen keine Arbeit anbieten kann, schuldet er dennoch den vertraglich vereinbarten Lohn. Zudem müssen die Mitarbeitenden die ausgefallenen Stunden nicht nachholen.

Etwas anders ist es, wenn der Arbeitgeber sich bereits mit dem Arbeitsvertrag eine gewisse Flexibilität ausbedingt. Das wäre der Fall, wenn im Vertrag Ihrer Frau stünde, dass ihr Pensum durchschnittlich 60 Prozent beträgt. Dann müsste sie mit Schwankungen bei der Arbeitszeit rechnen und Minusstunden in Kauf nehmen, wenn diese aus betrieblichen Gründen – wie etwa einer schlechteren Auftragslage – notwendig sind.

Im Gegenzug könnte der Arbeitgeber erwarten, dass Ihre Frau die ausgefallenen Stunden nachholt, sobald sich der Geschäftsgang erholt. Auch in einem solchen Fall ändert sich nichts an der Pflicht des Arbeitgebers, selbst bei Minusstunden den vertraglich vereinbarten Lohn zu zahlen.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

Erstellt: 03.11.2019, 23:39 Uhr

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