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Kann ich den Hochzeitstag nachträglich einziehen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeitsrecht.

Eine Firma könnte ihren Mitarbeitenden erlauben, nicht bezogene freie Tage für bestimmte Ereignisse nachträglich zu beanspruchen. Foto: Caio Resende (Pexels)
Eine Firma könnte ihren Mitarbeitenden erlauben, nicht bezogene freie Tage für bestimmte Ereignisse nachträglich zu beanspruchen. Foto: Caio Resende (Pexels)

Im letzten Jahr war ich schwanger. Wegen Komplikationen musste ich für längere Zeit ins Spital. Genau in diese Zeit hatten mein Mann und ich den Termin für unsere Hochzeit gesetzt. So fand die zivile Trauung schliesslich im Spital statt.

Da mein Betrieb für die eigene Hochzeit zwei bezahlte freie Tage gewährt, ging ich automatisch davon aus, dass ich diese nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubs nachholen könnte. Dann fragte ich bei unserer Personalabteilung nach, bekam zur Antwort aber bloss eine in Juristendeutsch verfasste E-Mail, von der ich nur die Hälfte verstand. Auf jeden Fall wollte man mir die freien Tage nicht nachträglich gewähren.

Ich habe es akzeptiert, frage mich aber noch immer, ob ich nicht Anrecht darauf gehabt hätte?

Nein, rechtlich gibt es diesen Anspruch nicht. Die Arbeitgeberin muss einem zwar freigeben für die eigene Hochzeit, weil man ja objektiv an der Arbeit verhindert ist. Es handelt sich aber um freie Zeit, die an das bestimmte Ereignis – konkret in diesem Fall: die Hochzeit – gebunden ist. Sei das Ereignis vorbei, bestehe kein Anspruch, nicht bezogene freie Tage nachzuholen, sagt der Zürcher Rechtsprofessor Roger Rudolph. Genauso wie man auch Feiertage nicht nachträglich beziehen kann, wenn diese auf einen Sonntag fallen.

Grosszügigere Lösungen sind selbstverständlich zulässig. So könnte eine Firma ihren Mitarbeitenden erlauben, nicht bezogene freie Tage für bestimmte Ereignisse nachträglich zu beanspruchen. Das müsste dann im Betriebsreglement klar so stehen, sodass man sich gegebenenfalls darauf berufen kann. Bei Ihrem Arbeitgeber gibt es diese Möglichkeit offenbar nicht.

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Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

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