Müssen wir für den Arbeitgeber öffentlich auftreten?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Datenschutz.

Die Weisungen müssen sich aber an dem orientieren, was vertraglich abgemacht ist.

Die Weisungen müssen sich aber an dem orientieren, was vertraglich abgemacht ist. Bild: Skitterphoto (Pexels)

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Wir sind Mitarbeiterinnen einer grossen Buchhandlung. Seit neustem drängt uns der Arbeitgeber dazu, in unserem Onlineshop Bewertungen zu Büchern abzugeben. Dazu müssten wir mit unserer privaten E-Mail-Adresse ein Konto eröffnen - mit der Mailadresse des Geschäfts sei dies technisch nicht möglich, heisst es. Zudem müssten wir mit Foto auf der Website auftreten. Falls wir nicht mit Bild erscheinen wollen, sollen wir einfach als Kundinnen, also als Privatpersonen, unsere Bewertung abgeben. Da wir alle nicht als Onlinemitarbeiterinnen angestellt sind, fragen wir uns, ob der Arbeitgeber dies verlangen darf.

Nein, das kann er nicht. Arbeitgebende haben zwar das Recht, Weisungen zu erteilen, wie die Arbeit auszuführen ist. Die Weisungen müssen sich aber an dem orientieren, was vertraglich abgemacht ist. Das ist hier offensichtlich nicht der Fall.

So kann Ihr Arbeitgeber nicht erwarten, dass Sie sich mit Ihrer privaten Mailadresse für seinen Onlineshop zur Verfügung stellen und dort mit Foto auftreten. Die Alternative, die er vorschlägt, also dass Sie auch als Privatperson Ihre Bewertungen über Bücher abgeben könnten, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Das würde ja bedeuten, dass Sie als «Fake-Kundin» auftreten müssten, sagt Arbeitsrechtsexperte Roger Rudolph. Sie würden vorgeben, etwas zu sein, was Sie nicht sind. Kurz: Was der Arbeitgeber von Ihnen verlangt, geht zu weit.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch ()

Erstellt: 03.09.2018, 00:09 Uhr

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