Muss das Hotel für Stiche von Bettwanzen bezahlen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Reisen.

Bettwanzen verursachen juckende Stiche. Foto: John-Reynolds (iStock)

Bettwanzen verursachen juckende Stiche. Foto: John-Reynolds (iStock)

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In meinen einwöchigen Ferien auf Kreta erlebte ich eine unangenehme Überraschung. Schon am zweiten Tag bemerkte ich am Rücken etwa ein Dutzend roter Stiche, die stark juckten. Zuerst dachte ich an Mücken oder Flöhe. Ein anderer Hotelgast, ein Apotheker, meinte aber, dass Bettwanzen am Werk gewesen seien. Als ich an der Réception reklamierte, wurde ich abgewimmelt: In den Zimmern gebe es keine Bettwanzen oder andere Parasiten. Dennoch verstärkte sich der Juckreiz in den folgenden Tagen, und bei der Abreise hatte ich auch Stiche an Armen und Beinen. Nach der Rückkehr bestätigte mein Hausarzt, dass es sich um Wanzenbisse handelte. Deshalb verlangte ich vom Reiseveranstalter, bei dem ich das Arrangement gebucht hatte, eine Entschädigung. Er lehnte aber ab mit der Begründung, ihm seien keine ähnlichen Vorkommnisse aus diesem Hotel bekannt, und das Hotel lege grössten Wert auf Hygiene. Auch gehörten Insektenstiche zum allgemeinen Lebensrisiko, für das niemand verantwortlich gemacht werden könne. Schliesslich, so der Veranstalter, hätte ich am falschen Ort reklamiert: an der Réception statt bei der Reiseleitung. Was ist von diesen Argumenten zu halten?

Nicht viel, ausser vom letzten. Aber der Reihe nach: Bei Ungeziefer im Hotelzimmer haben Reisende gemäss der «Frankfurter Tabelle», an der sich auch Schweizer Reiseveranstalter orientieren, eine Preisreduktion zwischen 10 und 50 Prozent zugut. Gerichtsurteile zu solchen Fällen sind hierzulande keine bekannt. Als Kunde müssen Sie beweisen, dass Sie die Bettwanzenstiche im Hotel aufgelesen und den Mangel so bald wie möglich gerügt haben. Allerdings genügt es nicht, nur beim Hotel zu reklamieren. Laut Pauschalreisegesetz hätten Sie Ihre Beanstandung auch bei der Reiseleitung vor Ort anbringen müssen. Das hat einen einfachen Grund: Nur wenn der Veranstalter vom Mangel erfährt, hat er die Chance, Abhilfe zu schaffen.

Indem Sie es unterlassen haben, die Reiseleitung zu informieren, haben Sie Ihre Schadenminderungspflicht verletzt. Das heisst jetzt aber nicht, dass Sie deswegen leer ausgehen. Sie haben einfach nur Anspruch auf die Preisminderung, die Ihnen zustünde, wenn Sie rechtzeitig die Reiseleitung informiert hätten. Diese wäre dann wohl dafür besorgt gewesen, dass Sie spätestens nach einer weiteren Nacht das Zimmer wechseln können. Somit haben Sie aus meiner Sicht eine Preisreduktion für eine bis zwei Nächte zugut. Daran ändert nichts, dass das Hotel grossen Wert auf Hygiene legt und keine weiteren Fälle bekannt sind. Bettwanzen haben ohnehin wenig mit mangelnder Hygiene zu tun – sie werden von Hotelgästen im Koffer eingeschleppt.


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Erstellt: 12.03.2017, 17:46 Uhr

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