Muss unsere Tochter ihren Arbeitsplatz räumen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Kündigung.

Schikanöse Weisungen müssen nicht befolgt werden, die Angestellten dürfen sie verweigern.

Schikanöse Weisungen müssen nicht befolgt werden, die Angestellten dürfen sie verweigern. Bild: Startup Stock Photos (Pexels)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Unsere Tochter hat ihre Stelle auf Ende November gekündigt. Nach Abzug der Ferien und Überstunden hat sie bereits am 12. November ihren letzten Arbeitstag. Nun hat ihr der Chef vor ein paar Tagen eine Schachtel hingestellt und sie aufgefordert, ihr Material einzuräumen. Für die verbleibende Zeit wollte man ihr erst ein fensterloses Büro zuweisen, wogegen sie sich gewehrt hat. Daraufhin wurde sie aufgefordert, sich selber einen freien Platz zu suchen. Wir fragen uns, ob ein solches Vorgehen zulässig ist und unsere Tochter die Anordnung befolgen muss.

Grundsätzlich müssen Arbeitnehmende die Weisungen von Vorgesetzten befolgen. Vorausgesetzt, diese haben einen sachlichen Grund. Auch ein angeordneter Arbeitsplatzwechsel kurz vor Austritt aus dem Betrieb kann begründet sein. Etwa wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin die Stelle bereits angetreten hat und einen Platz benötigt.

So wie Sie die Sache schildern, scheint es aber keinen sachlichen Grund für den angeordneten Arbeitsplatzwechsel zu geben. Zudem weist das Vorgehen des Chefs Ihrer Tochter schikanöse Züge auf. Schikanöse Weisungen müssen nicht befolgt werden, die Angestellten dürfen sie verweigern. Denn schikanöse Weisungen sind persönlichkeitsverletzend. Der Arbeitgeber aber ist verpflichtet, die Persönlichkeit seiner Mitarbeitenden zu schützen.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

Erstellt: 31.10.2018, 20:24 Uhr

Artikel zum Thema

So verwandeln Sie Ihren Arbeitsplatz in einen Vita-Parcours

Der Rücken schmerzt vom vielen Rumsitzen? Zehn leichte Tricks für mehr Bewegung und Wohlbefinden im Büro. Mehr...

Schweizer Firmen fürchten sich vor Sexismusfällen

SonntagsZeitung Die #MeToo-Bewegung löst auch bei Unternehmen Aktivismus aus. Liegt ein Flirt am Arbeitsplatz noch drin? Und was tun, wenn ein Fall von sexueller Belästigung ans Licht kommt? Mehr...

Schweizer sind latent auf Jobsuche

Mehr als jeder Vierte schaut sich regelmässig Stellenangebote an, obwohl er einen festen Arbeitsplatz hat. Die Gründe. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Beruf + Berufung «Es braucht ein neues Rollenverständnis»

Von Kopf bis Fuss Wenn Sehnsucht zur Sucht wird

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...