Psychisches Leiden: Kann ich die Reise trotzdem buchen?

Krankheiten, die schon bei der Buchung bestehen, sind grundsätzlich nicht versichert. Aber es gibt Ausnahmen.

Die Vorfreude ist gross: Beratungsgespräch im Reisenbüro. Foto: Keystone

Die Vorfreude ist gross: Beratungsgespräch im Reisenbüro. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wegen einer psychischen Erkrankung bin ich schon länger in ärztlicher Behandlung. Abgesehen von einigen kurzen Episoden war mein Zustand stets stabil. So habe ich in den letzten Jahren auch mehrere Kurzurlaube verbracht, die allesamt problemlos verliefen. Nun würde ich bei einem Reisebüro gern eine grössere Ferienreise buchen, die für meine Verhältnisse sehr teuer ist. Ich frage mich daher, was passieren würde, falls ich die Reise wegen eines neuen Krankheitsanfalls kurzfristig absagen müsste. Würde meine Annullierungskosten-Versicherung einspringen? Und: Muss ich bei der Buchung etwas beachten?

Sie stellen eine wichtige Frage, der viele Reisende zu wenig Beachtung schenken. Krankheiten, die schon bei der Buchung bestehen, sind grundsätzlich nicht versichert. Bei chronischen Krankheiten wie Krebs, Epilepsie oder auch psychischen Leiden kommen die meisten Gesellschaften ihren Kunden aber entgegen. In den allgemeinen Bedingungen steht dann, dass der Versicherer zahlt, wenn die Reise wegen einer ärztlich ­attestierten, unvorhersehbaren Verschlimmerung oder eines Rückfalls annulliert werden muss. Für Sie heisst das: Sie sollten sich unmittelbar vor der Buchung von einem psychiatrischen Facharzt bestätigen lassen, dass Sie reisefähig sind. Das Attest sollte Bezug nehmen auf die Art der geplanten Reise (z. B. Flugreise, Badeferien, Trekkingtour).

Falls Sie die Reise wider Erwarten annullieren müssten, sollten Sie sich die Reiseunfähigkeit wiederum von einem Psychiater bestätigen lassen, und zwar vor der Absage. Rückwirkende Arztzeugnisse werden von den Versicherern in der Regel nicht akzeptiert. Auch ein Zeugnis des Hausarztes genügt meist nicht. Einige Versicherer verlangen in ihren Bedingungen zusätzlich ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis – nach dem Motto «Wer nicht reisen kann, kann auch nicht arbeiten». Wieder andere zahlen bei Absagen aus psychischen Gründen nur, wenn ein stationärer Aufenthalt oder mindestens eine ambulante Therapie erforderlich ist. Es führt deshalb kein Weg daran vorbei, das Kleingedruckte der Reiseversicherung im Voraus zu studieren und sich strikt daranzuhalten. Sonst muss die Versicherung im Schadenfall nicht zahlen. Allfällige Fragen zur Deckung sollten Sie nicht mit dem Arzt, sondern mit der Versicherung klären.

Mit Ihrem Problem sind Sie übrigens nicht allein. In seinem neusten Jahres­bericht schreibt der Ombudsmann der Privatversicherung von einer «starken Zunahme» von Reiseannullierungsfällen infolge psychischer Leiden.

Erstellt: 29.08.2016, 08:05 Uhr

Thomas Müller
beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht.
Senden Sie uns Ihre Fragen an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch

Artikel zum Thema

Bekommt man Taggelder auch im Ausland?

Recht & Konsum Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeitslosenversicherung. Mehr...

Bin ich dem Inkassobüro Rechenschaft schuldig?

Recht & Konsum Die Antwort auf eine Leserfrage zum Begleichen von Rechnungen. Mehr...

Spesenentschädigung reicht nicht: Kann ich mehr verlangen?

Recht & Konsum Die Antwort auf eine Leserfrage zum Rechtsanspruch bei Spesenabrechnungen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Warten auf den Papst: Ein Mann schaut aus seinem Papst-Kostüm hervor. Der echte Papst verweilt momentan in Bangkok und die Bevölkerung feiert seine Ankunft. (20. November 2019)
(Bild: Ann Wang) Mehr...