Sind Taschenkontrollen im Betrieb erlaubt?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeit.

Für Taschenkontrollen braucht es eine entsprechende Grundlage im Arbeitsvertrag oder in einem Betriebsreglement. Foto: iStock

Für Taschenkontrollen braucht es eine entsprechende Grundlage im Arbeitsvertrag oder in einem Betriebsreglement. Foto: iStock Bild: Gaetan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ich bin in einer Kosmetikfirma tätig. Um zu verhindern, dass Produkte entwendet werden, führt die Arbeitgeberin in unregelmässigen Abständen eine Taschenkontrolle unter allen Mitarbeitenden durch. Im Betriebsreglement steht nichts von solchen Kontrollen. Sind sie trotzdem zulässig?

Unter Umständen, ja. Arbeitgebende haben ein berechtigtes Interesse, ihr Eigentum zu schützen. Dazu dürfen sie angemessene Massnahmen ergreifen, wozu auch Taschenkontrollen gehören, um Diebstähle zu verhindern.

Weil es sich dabei aber um einen Eingriff in die Privatsphäre handelt, müssen die Mitarbeitenden wissen, dass es solche Kontrollen gibt. Es braucht deshalb eine entsprechende Grundlage im Arbeitsvertrag oder in einem Betriebsreglement. Auch müssen die Kontrollen verhältnismässig sein. Eine tägliche Kontrolle sämtlicher Mitarbeitenden wäre dies nicht. Wichtig ist zudem, dass nicht bloss einzelne Angestellte kontrolliert werden, sondern alle gleichmässig.

Sind die Kontrollen weder vertraglich noch in einem Reglement festgehalten, so wären sie nur zulässig, wenn es konkrete Verdachtsmomente gegen bestimmte Personen gibt oder wenn es im Unternehmen tatsächlich zu Diebstählen gekommen ist. Arbeitsrechtsexperten weisen auch darauf hin, dass die Arbeitgeberin keinen Zwang ausüben darf, falls sich jemand gegen eine Kontrolle wehrt. Eine Weigerung könnte dann allerdings für die betroffene Person vertragsrechtliche Folgen haben.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

Erstellt: 26.06.2019, 09:27 Uhr

Artikel zum Thema

Sozialhilfe abgelehnt, weil Eltern ein Haus besitzen

Der 26-jährige Sohn braucht finanzielle Unterstützung. Müssen die Eltern dafür aufkommen? So wird gerechnet. Mehr...

Nur Grossverdiener müssen Angehörige unterstützen

Gemeinden dürfen Verwandte nur belangen, wenn diese über 10'000 Franken im Monat verdienen. Eine TA-Umfrage zeigt jedoch: Die Kantonshauptstädte halten sich nicht daran. Mehr...

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...