Welchen Lohn schulden wir der kranken Putzfrau?

Die Antwort auf eine Leserfrage zur Lohnfortzahlung bei Krankheit.

Wer krank ist und deswegen nicht arbeiten kann, hat seinen Lohn trotzdem zugute. Foto: Keystone

Wer krank ist und deswegen nicht arbeiten kann, hat seinen Lohn trotzdem zugute. Foto: Keystone Bild: Rolex de la Pena/Keystone

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Seit elf Jahren haben wir in unserem Privathaushalt eine Putzhilfe. Sie ist im Stundenlohn angestellt, wir rechnen mit der Ausgleichskasse jährlich die Steuern und Sozialversicherungsleistungen ab. Auch eine Unfallversicherung haben wir abgeschlossen. Nun muss sich unsere Angestellte operieren lassen und fällt danach für mehrere Wochen aus. Sie erwartet in dieser Zeit keinen Lohn von uns; sie sei ja bloss im Stundenlohn tätig, sagt sie. Wir gehen aber davon aus, dass wir sie weiterhin bezahlen müssen. Welches sind die Regeln für Personal im Stundenlohn?

Es gibt keine speziellen Regeln für Personal im Stundenlohn. Auch das Arbeitspensum, Teilzeit oder Vollzeit, spielt keine Rolle. Für alle Arbeitnehmenden gilt der Grundsatz: Wer krank ist und deswegen nicht arbeiten kann, hat seinen Lohn trotzdem zugute. Für hauswirtschaftliches Personal gibt es in manchen Kantonen, so auch in Zürich und Bern, separate Regelungen: die kantonalen Normalarbeitsverträge (NAV). Diese sind auch anwendbar für Hausangestellte, die nur ein paar Stunden pro Monat beschäftigt sind. Sowohl der Zürcher wie der Berner NAV verlangen, dass private Arbeitgeber für ihre Haushalthilfen eine Taggeldversicherung abschliessen, welche den Lohn bei Krankheit maximal zwei Jahre zahlt.

Wer weder separaten Vertrag noch Taggeldversicherung abschliesst, riskiert, den Lohn bis zu zwei Jahren berappen zu müssen.

Es ist möglich, von diesen Vorschriften abzuweichen, indem man mit seiner Haushaltangestellten separat einen schriftlichen Vertrag abschliesst. Darin kann man festlegen, dass anstelle des NAV das Arbeitsrecht (OR) gilt. So ist bei Krankheit der Lohn nur für eine beschränkte Zeit geschuldet. Es gibt dazu regional unterschiedliche Lohnfortzahlungsskalen.

Wer keinen separaten Vertrag mit seiner Putzhilfe hat und auch keine Taggeldversicherung abschliesst, riskiert, im Extremfall seiner Angestellten bei Krankheit den Lohn bis zu zwei Jahren aus der eigenen Tasche berappen zu müssen – genau so lange, wie die Versicherung zahlen würde, und wesentlich länger, als es das Arbeitsrecht verlangt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.05.2018, 14:55 Uhr

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