Wie kann ich meine Kinder für den Notfall absichern?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Auswandern.

Ausschlaggebend ist das Kindeswohl: Schlafender Junge in einem Gepäckwagen am Flughafen Paris-Orly. Foto: Michel Euler (AP)

Ausschlaggebend ist das Kindeswohl: Schlafender Junge in einem Gepäckwagen am Flughafen Paris-Orly. Foto: Michel Euler (AP)

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Mein Mann und ich werden nächstes Jahr von der Schweiz nach Peru auswandern, in das Heimatland meines Mannes. Wir haben einen einjährigen Sohn und erwarten im Januar unser zweites Kind. Nun mache ich mir Gedanken, was passieren würde, wenn uns Eltern in Peru etwas zustösst. In diesem Fall möchte ich, dass die Kinder zurück in die Schweiz zu meiner Mutter kommen. In Peru sehe ich keine geeignete Person, welche die Erziehung der Kinder übernehmen könnte. Ich bin Schweizerin, mein Mann und die Kinder werden Doppelbürger sein. Können Sie mir sagen, wie ich vorgehen muss, damit meine Kinder rechtlich abgesichert sind?

Ihre Bedenken sind verständlich, möchten Sie Ihren Kindern doch möglichst gute Zukunftschancen bieten, und diese sehen Sie eher hier, in Ihrer Heimat.

Ihre Kinder sind aber noch sehr klein, wenn Sie auswandern. Sie werden in Peru aufwachsen und die Schweiz höchstens von Besuchen kennen. In der Fachwelt ist international anerkannt, die Kinder in schwierigen Situationen möglichst in ihrem gewohnten Umfeld zu belassen, weil ihnen dies Geborgenheit und Sicherheit gibt. Das gilt insbesondere beim Verlust der Eltern, ihren nächsten Bezugspersonen.

Der gewöhnliche Aufenthaltsort eines Kindes spielt deshalb auch im internationalen Haager Kindesschutzübereinkommen eine wichtige Rolle: Er ist der zentrale Anknüpfungspunkt, wenn es um Entscheide geht zum Schutz von Kindern und über deren Aufenthaltsort.

Der gewöhnliche Aufenthaltsort ist der zentrale Anknüpfungspunkt.

Peru hat das Haager Abkommen nicht ratifiziert, könnte aber entsprechende Regeln aufgestellt haben. Zur Beantwortung Ihrer Frage sind Kenntnisse des peruanischen Rechts unumgänglich. Genauere Auskünfte erhalten Sie beim Internationalen Sozialdienst in Zürich oder auf dem schweizerischen Konsulat in Peru.

Unabhängig von der konkreten Rechtslage sollten Sie mit allen Beteiligten offen über Ihre Wünsche für einen solchen Notfall sprechen und diese schriftlich festhalten. Wichtig ist auch, dass Ihr Mann eine solche Absichtserklärung mitunterzeichnet. Das Dokument könnte man auch notariell beglaubigen lassen und bei der für Sie zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) deponieren. Solche Dokumente sollten von Zeit zu Zeit aktualisiert werden.

Derartige Abmachungen sind jedoch für die Behörden nicht verbindlich. Sie würden in einem Verfahren aber eine wichtige Rolle spielen, je zeitnaher und begründeter sie sind und je jünger das Kind ist. Ausschlaggebend für den allenfalls zu treffenden Entscheid sind aber das Kindeswohl und die Wünsche und Äusserungen der Kinder selber.

Erstellt: 30.11.2015, 12:00 Uhr

Ann Schwarz beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, zum Konsumrecht, zum Sozialversicherungsrecht und zum Familienrecht. Senden Sie uns Ihre Fragen an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch

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