Sanktionen gegen Russland würden die Schweiz hart treffen

Der Schweizer Finanzplatz und die Rohstoffbranche sind eng mit Russland verbandelt.

Russische Kunden vor dem Schaufenster eines Juweliers in St. Moritz. Bild: Arno Balzarini

Russische Kunden vor dem Schaufenster eines Juweliers in St. Moritz. Bild: Arno Balzarini

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80 Prozent des russischen Rohölhandels werden in der Schweiz abgewickelt. Nur schon diese Zahl zeigt die Bedeutung unseres Landes für Russlands Wirtschaft. Die ökonomische Verflechtung zwischen den beiden Staaten lässt sich nicht so sehr aus der Handelsbilanz ablesen, sondern aus der grossen russischen Präsenz in der Schweiz. Der TA hat die 22 wichtigsten Oligarchen identifiziert, die entweder ihren Wohnsitz hier oder eine enge geschäftliche Beziehung zur Schweiz haben. Zwei von ihnen gerieten in die Schlagzeilen, weil ihre Namen auf den Sanktionslisten der EU und der USA auftauchen: Gennadi Timtschenko und Andrei Klischas.

Diese Verflechtung bildet ein erhebliches Klumpenrisiko für die Schweiz. Zwar gibt es momentan keine Hinweise, dass die derzeitigen Sanktionen gegen Moskau negative Konsequenzen für die Schweiz hätten. Aber wenn der Konflikt in der Ukraine eskalieren sollte und EU und die USA ihre Sanktionen verschärfen würden, würde sich das erheblich auf die hiesige Wirtschaft auswirken.

Betroffen wären in erster Linie die Schweiz als Zentrum der internationalen Vermögensverwaltung, das eng mit dem russischen Geldadel verbandelt ist, und der Schweizer Rohstoffhandelsplatz. Wie eine Auswertung der CRIF Teledata im Auftrag des TA zeigt, sind 2070 russische Staatsbürger Verwaltungsrat, Geschäftsführer, Inhaber oder Prokurist in Gesellschaften mit Sitz in der Schweiz. In etwa 1800 Firmen gibt es russisches Kader. Ein Grossteil dieser Unternehmen ist in den Branchen Finanzdienstleistungen sowie Rohstoffe und in den mit ihnen teilweise verbundenen Zweigen Grosshandel und Unternehmensberatung tätig.

Elite in der Schweiz gut vertreten

«Russland ist nicht EU-Mitglied, deshalb dürfen in erster Linie Spezialisten in der Schweiz arbeiten», sagt Regula Spalinger, die osteuropäische Unternehmen berät. Ausserdem könnten sich Firmengründer mit genügend Kapital relativ problemlos hier niederlassen. Zieht man von den 2070 Kaderleuten die 600 Russen mit Wohnort Russland ab, ist das immer noch eine beachtliche Zahl. Denn in der Schweiz lebten Ende Februar knapp 13'000 Russen und Russinnen, was 0,16 Prozent der Schweizer Bevölkerung entspricht. Damit arbeitet ein sehr hoher Anteil der in der Schweiz lebenden Russen in Führungsgremien, teilweise sogar in den höchsten. Laut Bundesamt für Statistik verfügen zwei Drittel der in der Schweiz lebenden Russinnen und Russen über einen akademischen Abschluss. Die vielen Kaderpositionen und die gute Ausbildung lassen darauf schliessen, dass die russische Elite in der Schweiz gut vertreten ist.

Erstellt: 28.03.2014, 00:11 Uhr

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