Schweizer Banken geben den Widerstand gegen Apple auf

Die Credit Suisse führt Apple Pay ein. Kunden können ab Ende April den Dienst nutzen. Keine gute Nachricht für Twint, die Schweizer Bezahllösung.

Der US-Konzern drängt mit Macht ins Geschäft mit Bezahllösungen. Foto: Getty Images

Der US-Konzern drängt mit Macht ins Geschäft mit Bezahllösungen. Foto: Getty Images

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Lange haben sich die Banken gegen die Eindringlinge gewehrt. Nun wird kooperiert. Ende April können Kunden der Credit Suisse ihre Kreditkarten für den Bezahlservice Apple Pay nutzen, kündigte die Grossbank an. Kartenherausgeberin ist dabei das Gemeinschaftsunternehmen Swisscard, das der Credit Suisse und American Express gehört.

«Mit der Erweiterung des Angebots kommen wir dem Bedürfnis unserer Kunden nach, mehr Flexibilität bei Zahlungen im Onlinebereich und mit mobilen Geräten zu haben – auch im Ausland», erklärt Anke Bridge Haux, Leiterin Digitalisierung und Produkte der Grossbank. Bereits Anfang der Woche hatte CS angekündigt, auch Samsung Pay den Kreditkartenkunden zur Verfügung zu stellen.

Ein Fall für die Wettbewerbshüter

Lange hatten die Schweizer Banken versucht, Apple Pay aus der Schweiz herauszuhalten. Der Streit erreichte seinen Höhepunkt im vergangenen November, als die Wettbewerbskommission (Weko) Razzien bei UBS, Credit Suisse und Postfinance durchführte. Die Weko geht dem Verdacht nach, dass sich die Banken abgesprochen hätten, ihre Kreditkarten nicht für Apple Pay freizuschalten. Damit sollte die eigene Mobilbezahlung Twint geschützt werden, so die Vermutung.

Als Apple Pay im Juli 2016 in der Schweiz startete, konnte der Service zunächst mit keiner Karte einer grossen Schweizer Bank genutzt werden. Laut Branchenexperten konnten sich die Banken das leisten, denn kaum ein Kunde würde seine Bank wechseln, um Apple Pay nutzen zu können.

Apple blockiert Schnittstelle

Als Reaktion auf den Start der ausländischen Bezahl-Apps schlossen sich die grossen Banken der Schweiz zusammen und starteten Anfang 2017 ihre Bezahllösung Twint. Diese wiederum wird von Apple ausgebremst. Denn Apple verweigert Twint den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle der iPhones. NFC steht für Near Field Communication und ermöglicht es, durch einfaches Hinhalten des Handys an ein Bezahlterminal eine Zahlung auszulösen.

Twint-Nutzer müssen daher im Geschäft mühsam einen QR-Code abfotografieren oder sich mit Bluetooth mit dem Bezahlterminal verbinden. Wegen der Behinderung von Twint reichte daher der Schweizer Konsumentenschutz Klage bei der Weko gegen Apple ein.

Fällt nun Credit Suisse der eigenen Bezahllösung Twint in den Rücken, weil die Grossbank auch Apple Pay einführt? «Wir stehen weiterhin zu Twint», erklärte eine Sprecherin. Aber Twint sei eine rein nationale Lösung, daher würden Kunden auch wünschen, Apple Pay nutzen zu können, um im Ausland bezahlen zu können. So gesehen, seien die Zahlungslösungen von Apple und Samsung Ergänzungen zu Twint.

Twint zeigt sich entspannt

Angst hat Twint keine, dass Apple und Samsung Pay dereinst die Schweizer Lösung vom Markt drängen könnte. «Wir freuen uns über jeden, der das mobile Bezahlen in der Schweiz voranbringt», sagt ein Twint-Sprecher. Twint habe mittlerweile 1,3 Millionen registrierte Kunden, davon seien 500’000 häufige Nutzer der Bezahl-App.

UBS verhandelt offenbar noch mit Apple: «Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden neben UBS Twint bereits heute verschiedene mobile Zahlungslösungen an wie Swatch Pay, Fitbit Pay und Garmin Pay. Zudem arbeiten wir daran, unser Angebot im laufenden Jahr zu erweitern», erklärte die Grossbank.

Postfinance arbeitet an neuer App

Bei Postfinance gibt es derzeit keine Pläne, auf Apple Pay umzusteigen: «Wir haben mit Twint eine eigene Payment- und Shopping-App lanciert. Wir konzentrieren uns vor allem auf deren Weiterentwicklung», erklärte ein Sprecher auf die Frage, ob Postfinance ebenfalls Apple Pay einführen wolle.

Stattdessen arbeite Postfinance daran, die eigenen Kredit- und Debitkarten zu digitalisieren. Ab Herbst 2019 soll dann über eine eigene App für Android-Smartphones das mobile Bezahlen möglich sein.

Immer mehr Apps

Das Angebot an mobilen Bezahllösungen wird also immer grösser: Dabei hat sich das Bezahlen mit Handy noch nicht durchgesetzt. So sieht auch Twint das grösste Problem nicht in den amerikanischen Konkurrenten, sondern in der Schweizer Bevölkerung.

Denn diese bezahlt noch immer in 70 Prozent der Fälle mit Bargeld. 20 Prozent der Zahlungen wird mit den Debitkarten erledigt. Der Rest mit Kreditkarten oder eben mit Lösungen wie Twint. Laut einer Studie der Hochschule Luzern haben mobile Bezahlungen derzeit nur einen Marktanteil von 0,5 Prozent an den Bezahltransaktionen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 18.04.2019, 13:32 Uhr

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