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Sechs Knackpunkte für den neuen UBS-Boss

Nach der Ära Ermotti braucht die Grossbank neue Impulse: Wo Ralph Hamers ansetzen muss – das dürfte übers Sparen und die frustrierten Topmanager hinausgehen.

Jetzt heisst es anpacken: Ralph Hamers (r.) mit Axel Weber (m.) und Sergio Ermotti an der Pressekonferenz der UBS vom Donnerstagmorgen. Foto: ARND WIEGMANN/Reuters
Jetzt heisst es anpacken: Ralph Hamers (r.) mit Axel Weber (m.) und Sergio Ermotti an der Pressekonferenz der UBS vom Donnerstagmorgen. Foto: ARND WIEGMANN/Reuters

Der designierte UBS-Chef Ralph Hamers (zur News) erbt von Sergio Ermotti keinen Krisenfall. Ermotti hat die grösste Schweizer Bank umgebaut, auf die Vermögensverwaltung ausgerichtet und die Investmentbank zurückgefahren. Die UBS steht viel sicherer da als vor der Finanzkrise. 2007 bewegte sie mit einem Eigenkapital von rund 36 Milliarden Franken eine Bilanzsumme von 2200 Milliarden Franken, heute hat sie ein Eigenkapital von 54 Milliarden bei einer Bilanzsumme von knapp 1000 Milliarden Franken.

Trotzdem, es gab Zeiten, da konnte Ermotti machen, was er wollte, der Applaus war ihm sicher. In den letzten beiden Jahren war das anders. Die Aktien der UBS sanken immer weiter, heute sind sie an der Börse weniger wert, als sie laut Bilanz sein müssten. Das ist ein Misstrauensvotum der Aktionäre gegen die Führung. In Sachen Börsenbewertung hat Hamers bei der ING allerdings auch keine Bäume ausgerissen. Die ING ist an der Börse nur 70 Prozent ihrer Bilanz wert, bei der UBS sind es immerhin 87 Prozent.

Das sind die sechs wichtigsten Punkte, die Hamers lösen muss, wenn er das ändern will:

Die Bank muss sparen, um rentabler zu werden

Die UBS spricht viel über Wachstum. Doch die Zahlen zeigen etwas anderes. Letztlich waren die letzten drei Monate 2019 nur ein weiteres glanzloses Quartal. Dass der ausgewiesene Gewinn 17 Prozent über den Erwartungen lag, lag daran, dass im Vorfeld die Erwartungen sehr tief geschraubt wurden. Die meisten Finanzkennzahlen waren schlecht, insbesondere die Rendite auf das Eigenkapital, die nur knapp 6 Prozent (Gesamtjahr 7,9 Prozent) betrug, mit Abstand die niedrigste der vergleichbaren Banken.

Morgan Stanley (MS), die einen ähnlichen Geschäftsmix hat wie die UBS, lieferte 13 Prozent. Ausschlaggebend dafür sind neben den zu niedrigen Erträgen die zu hohen Kosten. Die dafür verwendete Kennzahl, die Cost-Income-Ratio, ist mit 83 Prozent viel zu hoch und erst noch steigend. Hamers wird ein Sparprogramm lancieren müssen.

Die Vermögensverwaltung braucht neue Impulse

Die UBS ist der weltweit grösste Vermögensverwalter, sie ist der grösste im Geschäft mit den Superreichen und der führende Vermögensverwalter im boomenden Asien, was sie eigentlich in eine hervorragende Wettbewerbsposition bringt. Doch trotz anhaltendem Wachstum der verwalteten Vermögen im Bereich Global Wealth Management (GWM) – die Vermögenswerte erreichten 2019 erstmals 2,5 Billionen Franken und wuchsen im vierten Quartal um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ist die Vermögensverwaltung die grösste Enttäuschung der UBS. Es fehlt ein spürbares Gewinnwachstum in ihrer Kerndisziplin.

Die Vermögensverwaltung erzielte im vierten Quartal trotz boomenden Börsen ein Umsatzwachstum von nur einem Prozent, und der Umsatz ging im Geschäftsjahr 2019 um 3 Prozent zurück. Der Gewinn vor Steuern sank im vierten Quartal um 10 Prozent und stieg im ganzen letzten Jahr nur um Prozent, das ist viel weniger als bei vergleichbaren Unternehmen. Iqbal Khan, der seit letztem Herbst die Sparte führt, war bisher mit seinem Privatkrieg gegen Tidjane Thiam beschäftigt. Einen Turnaround oder wenigstens einen überzeugenden Plan dafür hat er bisher nicht hingelegt.

Die UBS muss lernen, mit Negativzinsen zu leben

Ein weiterer negativer Punkt ist, dass die UBS deutlich stärker auf Zinssenkungen der Notenbanken reagiert als die Konkurrenz. Während der Gewinn vor Steuer bei Morgan Stanley um 6 Prozent zurückgeht, wenn das Zinsniveau um ein Prozent sinkt, sind es bei der UBS 8 Prozent, bei der CS hingegen nur 4 Prozent.

Ermotti versuchte öffentlich Druck auf die Nationalbank zu machen, die Negativzinsen abzuschaffen und so seiner Bank wieder zu einem gewinnbringenden Wachstum zu verhelfen. Er argumentierte damit, dass Negativzinsen ein Risiko für die Volkswirtschaft darstellten. Damit hat er zwar wohl recht, nur bleiben der Nationalbank keine besseren Alternativen, das sagte vor einem Jahr sogar UBS-Präsident Axel Weber in einem Interview mit dieser Zeitung. Aus Sicht der Aktionäre sind darum die Negativzinsen vor allem ein Risiko für die UBS. Sie sehen bisher keinen Plan, wie sich das ändern soll. Darum stimmten sie mit den Füssen ab und verkauften die Aktien. Hamers wird zeigen müssen, wie das geht.

Zwei grosse Rechtsfälle müssen gelöst werden

Auch wenn es mehr als 10 Jahre her ist, dass die UBS das Bankgeheimnis aufgeben musste und die Finanzkrise sie an den Rand des Abgrunds brachte, sind die Rechtsrisiken nach wie vor brandgefährlich. Vor allem wenn man bedenkt, dass die dafür vorgesehenen Rückstellungen lediglich 2,7 Milliarden Franken betragen. Allein die letztes Jahr in Frankreich verhängte Busse beläuft sich auf über 5 Milliarden Franken.

Nun hofft Ermotti zwar, dass er im Sommer beim Berufungsprozess mindestens ein deutlich milderes Urteil oder gar einen Freispruch erreicht, aber sicher ist das keineswegs. Namentlich der Stimmrechtsberater ISS wies zudem im Vorfeld der letzten Generalversammlung auf eine weitere Klage hin, die die US-Regierung eingereicht hat. Demnach war die UBS in der Finanzkrise nicht nur Opfer, sondern auch Täterin.

Gemäss der Klageschrift haben UBS-Mitarbeiter den Kunden verbriefte Hypotheken in der Höhe von 41 Milliarden Dollar angedreht, obwohl sie wussten, dass sie nichts wert waren. Ob die UBS diesen Rechtsfall gewinnt, ist fraglich. Die Folgen könnten drastisch sein: Die Konkurrenz zahlte in ähnlichen Fällen Milliarden. Darum haben die Aktionäre der UBS-Führung an der letzten Generalversammlung die Decharge verweigert, ein eindeutiges Misstrauensvotum.

Frustriertes Topmanagement. Ist Khan bald wieder weg?

Ermotti verfügte anfänglich über ein stabiles Management, in den letzten Jahren kam es aber immer wieder zu grösseren Wechseln und Rochaden, die eigentlich niemand verstanden hat (lesen Sie hier die Analyse: Der Personalcoup, der Fragen auslöst).

Namentlich dass im Februar 2018 die beiden zuvor getrennten Sparten Wealth Management und Wealth Management Americas zu einer Geschäftseinheit zusammengelegt wurden, konnte ausserhalb der UBS niemand erklären. Geführt wurde das fusionierte Geschäft zunächst von Martin Blessing und Tom Naratil. Letzten Herbst wurde Blessing in die Wüste geschickt und von Iqbal Khan abgelöst. Er und Sabine Keller-Busse waren Favoriten im Kampf um die Nachfolge Ermottis.

Erst schien es eine ausgemachte Sache, dass Khan Ermotti beerben will. Doch sein schier endloser Kampf mit Thiam im sogenannten Spygate hat Khan zumindest vorläufig aus dem Rennen geworfen. In letzter Zeit hatte daher eher die deutsch-schweizerische Doppelbürgerin die Nase vorn. Keller-Busse ist derzeit Chief Operating Officer (COO) und Präsidentin der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Damit führt sie die zentralen Bereiche der Bank mit über 30'000 Angestellten. Nun, da die Würfel gefallen sind, muss Hamers damit rechnen, dass einer oder beide bald einmal weg sind.

Wer wird neuer Verwaltungsratspräsident? Wird Ermotti bald Hamers’ Chef?

Sergio Ermottis Tage als CEO sind zwar nun gezählt, aber es werden ihm seit längerer Zeit Ambitionen als Nachfolger Axel Webers als Präsident der UBS nachgesagt. Weber wird 2022 abtreten. Wenn Ermotti Ende Oktober als CEO abtritt, dann hat er Zeit für eine sogenannte Cool-Off-Periode. Mitte 2022 könnte er dann Weber ablösen.

In den heutigen Pressemitteilungen steht davon zwar noch nichts, aber gemäss gut informierten Quellen ist das hinter den Kulissen ein Thema. Hamers könnte also schon bald damit konfrontiert sein, dass Ermotti nicht nur sein Vorgänger, sondern auch sein neuer Chef sein wird. Keine leichte Konstellation für jemanden, der von aussen kommt und seinen neuen Arbeitgeber erst einmal kennen lernen muss.

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