Sergio Marchionne ist tot

Der abgetretene Fiat-Chef starb 66-jährig nach einer Operation in Zürich. Offenbar litt Marchionne an einem Weichteil-Tumor.

Sergio Marchionne: Der Spitzenmanager im Pulli ist gestorben. Video: Tamedia

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Sergio Marchionne ist tot. Das teilte Fiat am Mittwoch mit. Präsident John Elkann sagte laut Mitteilung: «Leider ist das, was wir befürchtet haben, eingetreten. Sergio Marchionne, ein Mann und Freund, ist fort.»

Der 66-Jährige musste die Führung des italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat Chrysler Ende letzte Woche aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Nach einer Schulteroperation sei es zu unerwarteten Komplikationen gekommen, die sich in den vergangenen Stunden erheblich verschlechtert hätten, hatte Fiat am Samstag verlauten lassen. Der 66-Jährige könne seine Arbeit als Präsident und Vorstandschef der Tochter Ferrari nicht wieder aufnehmen, hiess es.

Bösartiger Weichteil-Tumor

Gemäss gut unterrichteten Quellen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet hatte Marchionne einen Weichteil-Tumor in der Schulterregion. Wegen dieses bösartigen Tumors, in der Fachsprache Sarkom genannt, habe sich Marchionne bereits vor Monaten operieren lassen müssen. Jene Operation sei gut verlaufen. Später wuchs der Tumor wieder nach, offenbar sehr schnell. Über die genaue Todesursache ist nichts bekannt.

Marchionne lag als Patient im Universitätsspital Zürich. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Dutzende Journalisten – vorab aus Italien – weilten aber seit dem Wochenende vor dem Universitätsspital.

Marchionnes wichtiges Vermächtnis

Marchionne galt als Visionär, aber auch als harter Verhandlungspartner für Gewerkschaften und in der Formel 1. Mit markigen Sprüchen machte er sich weltweit einen Namen. Sein Tod wird von vielen Menschen in Italien als das Ende einer Ära gesehen.

Der Italiener mit kanadischem Pass war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Turiner Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Zehn Jahre später fädelte Marchionne die Übernahme des ebenfalls schwer angeschlagenen US-Rivalen Chrysler ein.

Seit der Fusion beider Autobauer im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent - und damit so stark wie bei keinem anderen Unternehmen der Branche. Als wichtiges Vermächtnis Marchionnes gilt auch die Konzentration auf Nischenmarken. Zum Ende seiner Karriere bei FCA hatte der Manager sein letztes grosses Ziel erreicht und die Schuldenfreiheit des Unternehmens für Ende Juni verkündet.

Marchionne wollte sich eigentlich 2019 von dem Posten bei Fiat verabschieden. Rückzugspläne bei Ferrari waren hingegen nicht bekannt.

Auch Ferrari wieder in die Spur gebracht

An der Spitze von Fiat steht nun der Chef der US-Geländewagen-Tochter Jeep, Mike Manley. Neuer Ferrari-Chef wurde Louis Camilleri, der zuvor unter anderem leitende Positionen beim Tabakmulti Philip Morris innehatte.

Als Ferrari-Präsident galt Marchionne in der Formel 1 als kompromissloser Manager, der den Rennstall allerdings wieder in die Spur brachte. Das Team von Pilot Sebastian Vettel hatte er öffentlich mehrmals deutlich kritisiert.

Starke Verbindung zur Schweiz

Dass er nun seine gesundheitlichen Beschwerden ausgerechnet in der Schweiz behandeln liess, war kein Zufall. Viel verband Marchionne mit dem Land. Vor seiner Zeit bei Fiat-Chrysler war der im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie nach Toronto ausgewanderte Spitzenmanager nämlich in verschiedenen Positionen bei hiesigen Unternehmen tätig.

Bereits 1997 übernahm er die Leitung der damaligen Alusuisse. Marchionne war in der Schweiz erst ein völlig unbeschriebenes Blatt. Doch nach der Zusammenlegung von Alusuisse und Alcan wurde er Chef des abgespaltenen Chemie- und Pharmaunternehmens Lonza mit Sitz in Basel. Und kurz nach der Jahrtausendwende führte sein Berufsweg ihn nach Genf zum Warenprüfkonzern SGS, den er sanierte.

Und auch damals zeigten sich schon Marchionnes Qualitäten, die ihn Jahre später bei Fiat zum Grosserfolg bringen sollten. So stach er durch die Rigorosität seines Auftretens hervor. Er überraschte mit ehrgeizigen Zielen, von denen er sich laut der «Bilanz» jedoch felsenfest überzeugt zeigte. Und er versetzte sein Umfeld durch das Tempo, mit dem er die von ihm geleiteten Unternehmen umkrempelte, in Staunen.

Turin, Romandie und Schindellegi

Auch nach seiner Zeit als CEO blieb er SGS als Verwaltungsratspräsident erhalten. Zutiefst erschüttert zeigte sich der Verwaltungsrat des Konzerns denn auch, als Marchionne aufgrund seines Gesundheitszustandes plötzlich aus dem Amt ausscheiden musste.

Nicht nur beruflich, auch privat verband Marchionne daher viel mit der Schweiz. Seine Frau und Kinder wohnen nach wie vor in der Romandie. Er lebte grösstenteils in Turin, offizieller Wohnsitz blieb aber Schindellegi im Kanton Schwyz. (TA/sda)

Erstellt: 25.07.2018, 12:29 Uhr

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