Setzt ein deutscher Bank-Gigant UBS und CS unter Druck?

Zwei deutsche Finanzriesen prüfen den Zusammenschluss. Was das für die Schweizer Grossbanken bedeutet.

Aus zwei Grossen soll hier ein noch Grösserer werden: Deutschlands Finanzhauptstadt Frankfurt ist auch Sitz von Commerzbank und Deutsche Bank.

Aus zwei Grossen soll hier ein noch Grösserer werden: Deutschlands Finanzhauptstadt Frankfurt ist auch Sitz von Commerzbank und Deutsche Bank. Bild: Reuters

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Man reibt sich die Augen: Nach der Finanzkrise galt «too big to fail» als Kernproblem, also, dass eine Bank so gross ist, dass es eine Volkswirtschaft billiger kommt, sie mit Steuergeld zu retten, als das Institut in Konkurs gehen zu lassen. Heute sind immer noch Zweifel erlaubt, ob eine Grossbank ohne Verwerfungen wirklich abgewickelt werden kann. Aber trotzdem ist Grösse auf einmal wieder «in».

US-Banken sind allen enteilt

Der Grund liegt darin, dass Europa von den USA und China beim Banking abgehängt wird. Die USA haben ihren Banken nach der Krise mit Steuergeldern die Problemkredite abgenommen und die Institute zwangsrekapitalisiert. Gestützt auf einen grossen, einheitlich regulierten Heimatmarkt, trumpfen J.P. Morgan & Co. seit Jahren wieder auf und sind in Sachen Profitabilität der Konkurrenz, vor allem jener aus Europa, enteilt. Und in China ist der Staat überall am Drücker und pusht die heimischen Banken, lästige Konkurrenz auf dem Heimatmarkt wird gar nicht erst zugelassen.

Das Problem ist real. Die Frage ist daher, ob der mögliche Zusammenschluss aus Deutscher Bank und Commerzbank die immer wieder herbeigeschriebene Bankenkonsolidierung in Europa einläutet. Die Antwort lautet Nein. Und Schuld daran ist die Politik.

Flickenteppich Europa

Statt in Deutschland eine Art Industriepolitik zu betreiben, wäre Finanzminister Olaf Scholz gut beraten, sich in Brüssel endlich für eine wirklich einheitliche Bankenregulierung einzusetzen. Sicher, die EZB beaufsichtigt zwar mittlerweile die grössten Institute, es wurden EU-weite Regeln zur Abwicklung beschlossen. Aber bei der Umsetzung der EU-Bankenregulierung haben die Mitgliedsstaaten nach wie vor zu viel Gestaltungsspielraum, sodass von einem einheitlich regulierten Markt immer noch nicht die Rede sein kann. Die USA haben einen einheitlichen Kapitalmarkt. Die Europäer nicht.

Die Folge: Bei einer grenzüberschreitenden Fusion lassen sich keine Synergien heben. Solange es nicht möglich ist, das Bankgeschäft in Deutschland, Frankreich und Italien mit einer einzigen IT-Plattform zu fahren, so lange ist es nicht sinnvoll, grenzüberschreitende Fusionen zu wagen. Was bleibt, sind nationale Bereinigungen, wie sie jetzt in Deutschland versucht werden.

Merger UBS und Credit Suisse?

Gibt der Anlauf zum Mega-Merger in Deutschland denn nun den Impuls, dass auch CS und UBS zusammenrücken sollten? Hier lautet die Antwort: auf gar keinen Fall.

Der Grund ist einfach: UBS und Credit Suisse mögen ihre Probleme haben, etwa beim Wachstum oder auf der Kostenseite. Beide Banken machen aber Milliardengewinne und sind im Grossen und Ganzen gesund. Das kann man weder von der Deutschen Bank noch von der Commerzbank behaupten.

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Zwei Dinge machen den Unterschied: Mit der internationalen Vermögensverwaltung haben CS und UBS ein Geschäftsmodell, in dem sie auch im Vergleich mit den US-Riesen wettbewerbsfähig und weltweit führend sind.

Geschäftsmodell verzweifelt gesucht

Das ist das Hauptproblem der Deutschen Bank: Sie hat kein funktionierendes, neues Geschäftsmodell. Und klammert sich weiter an jenes, das die Bank fast in den Abgrund gerissen hat, das Investmentbanking. Doch hier kann sie im Vergleich mit den US-Riesen einfach nicht mehr mithalten. Die Commerzbank wiederum versucht, sich nach der schmerzhaften und teuren Integration der Dresdner Bank als Bank für den Mittelstand neu zu erfinden.

Dort Frankfurter Skyline, hier beschaulicher Paradeplatz: Die Schweizer Grossbanken sind anders aufgestellt als ihre deutschen Branchen-Konkurrenten.

Zweiter Unterschied zwischen den deutschen und den heimischen Grossbanken: UBS und Credit Suisse haben im Heimatmarkt eine starke Basis. Deutsche Bank und Commerzbank spielen dagegen im deutschen Privatkundenmarkt nur eine Statistenrolle. 70 Prozent Marktanteil vereinen die staatlichen Sparkassen und die Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken auf sich. Den deutschen Privatbanken ist es nie gelungen, im sogenannten Retailmarkt wirklich gross zu werden. Daher übernahm die Deutsche Bank bereits die Postbank, an der Integration laboriert die Bank aber heute noch herum.

Chance für die Schweiz

Ein Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Commerzbank würde beide Institute auf Jahre hin lähmen. Für UBS und Credit Suisse wäre das sogar eine gute Nachricht, denn beide Häuser könnten versuchen, Topleute abzuwerben und in ausgewählten Geschäftsfeldern der «Deutschen Commerzbank» Kunden abzujagen. Ein Game-Changer wäre das für die Schweizer Institute allerdings nicht.

Der grosse Sparhammer fällt in Deutschland im deutschen Geschäftsstellennetz an. Von den 140'000 Jobs könnten so um die 30'000 wegfallen, schätzen Analysten. Es ist aber schlicht unseriös, von diesem Sonderfall auf drohende Job-Kürzungen bei den Schweizer Grossbanken hochzurechnen. Wie gezeigt, befinden sich diese in einer vollkommen anderen Ausgangslage.

Sind Grossbanken nötig?

Und in dem Moment, in dem die Deutsche Bank und die Commerzbank offiziell Gespräche über eine mögliche Fusion aufgenommen haben, verschickt die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) eine Denkschrift mit dem Titel: «Braucht die Schweiz grosse Banken?».

Die wenig überraschende Antwort lautet: ja. Und die Argumente ähneln jenen, welche der deutsche Finanzminister Olaf Scholz hervorbringt, um Geburtshilfe beim Mega-Merger zu leisten: Deutschland als führende Industrienation brauche eine starke Bank, um die heimische Industrie international zu begleiten, heisst es.

Ohne heimische Grossbanken «hängt der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten für grössere Firmen gänzlich vom Ausland ab», warnt auch die Denkschrift der Bankiervereinigung. Sie redet aber nicht einer Megafusion von UBS und Credit Suisse das Wort. Die Banker-Lobby wiederholt ihr Mantra, das nötige Wachstum von UBS und Credit Suisse nicht durch neue Regulierung zu bremsen.

Wo Grösse auf einmal wieder «hip» ist, scheint dies kein schlechter Zeitpunkt für eine Lobby-Aktion zu sein.

Erstellt: 18.03.2019, 14:37 Uhr

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