Sind Kryptowährungen «der grösste Betrug aller Zeiten»?

Jordan Belforts skandalreiches Leben bot die Vorlage für den Film «Wolf of Wall Street». Nun warnt er davor, Geld in digitale Währungen zu stecken. Die Projekte sind oft aus der Schweiz.

Leonardo DiCaprio als «Wolf of Wall Street»: Das Leben von Jordan Belfort lieferte den Stoff für den Film.

Leonardo DiCaprio als «Wolf of Wall Street»: Das Leben von Jordan Belfort lieferte den Stoff für den Film. Bild: AP Paramount Pictures MARY CYBULSKI/Keystone

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Jordan Belfort weiss, wie man Geld mit unsauberen Geschäften verdient. Der US-Bürger sass wegen Wertpapierbetrug und Geldwäscherei 22 Monate in Haft. Nun warnt er vor den nächsten grossen Masche: neue digitale Währungen. Es handle sich um «den grössten Betrug aller Zeiten», sagt Belfort der «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig). Die Sache könne in einem grossen Knall enden, warnt der Wolf of Wall Street.

Jordan Belfort ist der echte «Wolf of Wall Street». Bild: Reuters.

Dabei geht es ihm gar nicht direkt um die Digitalwährung Bitcoin, die immer neue Höchststände erklimmt, sondern um die zahlreichen anderen neuen Projekte rund um das Thema Kryptowährungen, die in jüngster Zeit entstanden sind. In diesem Jahr haben weltweit 202 sogenannte Initial Coin Offerings stattgefunden. Damit sind Projekte gemeint, die mit Kryptowährungen zu tun haben und mehrheitlich mittels der Währung Bitcoin finanziert wurden.

3 Milliarden wurden 2017 investiert

Alle Neulancierungen kommen laut dem Webportal Coinschedule insgesamt auf ein Marktvolumen von mehr als 3 Milliarden Dollar. 85 Prozent der Promotoren hätten wohl keine schlechten Absichten, aber wenn nur schon 5 bis 10 Prozent einen Betrug abziehen wollen, sei es ein Desaster, so Belfort gegenüber der FT. Die Techniken der Krypto-Jungfirmen erinnern ihn an seine Zeit an der Wallstreet, als man mit unsauberen Methoden den Wert der eigenen Anteile möglichst hochtreiben wollte und sie verkaufte, bevor der Markt zusammenbrach.

Einige der am höchsten bewerteten neuen Projekte rund um die Kryptowährungen kommen aus der Schweiz. Denn das Land hat sich zu einem gefragten Standort für Jungfirmen rund um neue Finanztechnologien entwickelt. So haben etwa die neuen Digitalwährungsprojekte Tezos, Bancor oder Status einen Bezug zur Schweiz. Die drei Vorhaben zählen laut dem Portal Coinschedule zu den erfolgreichsten Neulancierungen des Jahres. Tezos gelang es dabei, am meisten Geld bei Investoren einzusammeln. Rund 230 Millionen Franken wurden in die neue Währung investiert, die 2018 starten soll.

Streit um Schweizer Vorzeigeprojekt

Doch wenige Wochen nach der erfolgreichen Sammelaktion ist bereits ein heftiger Streit zwischen den Gründern ausgebrochen. So sitzt zwar die Firma, die hinter Tezos steht, in den USA, doch die für die Lancierung aufgesetzte Stiftung befindet sich in Zug. Das US-Ehepaar Arthur and Kathleen Breitman leitet die Firma und versucht nun die Kontrolle über die Schweizer Stiftung zu erlangen. Diese wird vom in der Schweiz tätigen kanadischen Unternehmer Johann Gevers präsidiert. Die Breitmans und Gevers werfen sich nun gegenseitig vor, es auf das Geld abgesehen zu haben und das Tezos-Projekt zu behindern. Wie die Auseinandersetzung endet, ist offen.

Die vielen neuen Schweizer Projekte aus dem Umfeld der Kryptowährungen haben auch die hiesigen Behörden auf den Plan gerufen. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat jüngst bekannt gegeben, dass sie sich die neuen digitalen Währungen aus der Schweiz genauer ansehen will. Welche Währungen die Behörde überprüft, gibt sie nicht bekannt.

Die Finma warnt aber davor, dass es grosse Unsicherheiten gebe, ob alle Projekte erfolgreich abgeschlossen werden können. Zudem sei es möglich, dass einzelne Projekte in betrügerischer Absicht lanciert worden seien. Die Finma gibt nicht bekannt, bis wann sie ihre Abklärungen abgeschlossen hat.

Erster Schein-Coin in der Schweiz geschlossen

Bereits sind Trittbrettfahrer unterwegs, die sich als innovative Digitalwährungen ausgeben, aber keine sind. Die Finma hat bereits einer scheinbaren Kryptofirma den Stecker gezogen. Vor einigen Wochen hat sie den E-Coin des Vereins Quid Pro Quo aus dem Verkehr genommen. Es habe sich offenbar gar nicht um eine echte Kryptowährung gehandelt, auch hätten die Initianten die Währung nur mit einem geringen Anteil an Sachwerten hinterlegt. Einige hundert Nutzer des E-Coin sollen rund 4 Millionen Franken einbezahlt haben.

Es gibt bislang noch kaum Vorschriften, wie solche Kapitalbeschaffungen verlaufen sollen. Doch die Finma ist nicht der einzige Regulator, der sich dem Boom rund um die neuen Kryptowährungen annimmt. Die chinesische Zentralbank hat kürzlich die Kapitalbeschaffung über Kryptowährungen verboten. Die britische Bankenaufsicht hat die Krypto-Investoren davor gewarnt, dass ihre Anteile ihren Wert verlieren könnten.

Jordan Belfort sagt, dass derzeit jeder und auch noch seine Grossmutter auf den Krypto-Zug aufspringen wolle. «Ich glaube nicht, dass die Idee der Kryptowährungen falsch ist», so Belfort gegenüber der FT. Es würden aber Menschen auf das Thema aufspringen, welche die Idee korrumpieren würden. Er selbst rate von Anlagen mit Kryptowährungen ab.

Erstellt: 23.10.2017, 15:14 Uhr

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