Smartphone-Bank N26 nimmt jetzt auch Schweizer Kunden auf

Das Berliner Start-up hat bereits 3,5 Millionen Kunden und lockt Grenzgänger und Expats mit Gratis-Eurokonten. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Der Wiener Valentin Stalf ist Mitgründer und Chef von N26. Nach vier Jahren im Geschäft führt er das wertvollste deutsche Finanz-Start-up. <nobr>Foto: Wolfgang Kumm (Keystone)</nobr>

Der Wiener Valentin Stalf ist Mitgründer und Chef von N26. Nach vier Jahren im Geschäft führt er das wertvollste deutsche Finanz-Start-up. Foto: Wolfgang Kumm (Keystone)

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Eins muss man den Managern der deutschen Smartphone-Bank N26 lassen: An Ambitionen mangelt es ihnen nicht. «Wir werden die führende globale Retailbank bauen, die mehr als 100 Millionen Kunden haben wird», sagt Georg Hauer, der für N26 für die Region Deutschland, Österreich und die Schweiz verantwortlich ist.

3,5 Millionen Kunden in 25 Ländern hat die Onlinebank schon, in die unter anderem der deutsche Versicherungsriese Allianz und der bekannte Silicon-Valley-Investor Peter Thiel involviert sind. Nun will N26 Kunden in der Schweiz gewinnen, seit Dienstag, 18 Uhr nimmt die Bank auch Schweizer Kunden auf.

Start mit einer Nischenstrategie

Zunächst legt das Berliner Start-up mit einer Nischenstrategie los: Schweizer Kunden können nur ein Eurokonto eröffnen. Die Startofferte umfasst zwei Pakete – ein Standardkonto für Privatpersonen inklusive einer Gratisdebitkarte sowie ein Standardbusinesskonto für Freiberufler. «Auf Kartenzahlungen mit der Debitkarte fallen keine Fremdwährungsgebühren an», sagt N26-Manager Hauer. In der Eurozone können Kunden zudem fünfmal pro Monat gebührenfrei Geld abheben – aber nicht in der Schweiz.

Mit ähnlichen Angeboten buhlen auch andere sogenannte Neobanken um Kunden, etwa die britische Revolut, die Bank-Cler-Tochter Zak oder Neon, an der Tamedia beteiligt ist. Und die Credit Suisse will mit dem eigenen Geschäftsbereich «Direct Banking» die jungen Kunden den neuen Playern nicht kampflos überlassen.

«Ohne ganz klares Alleinstellungsmerkmal, einen sogenannten Unique Selling Point, wird es N26 eher schwer haben, in der Schweiz Fuss zu fassen», meint Benjamin Manz, Geschäftsführer des Vergleichsportals Moneyland. Für einen vertieften Preisvergleich fehlten noch Daten, aber N26 komme vergleichsweise spät in die Schweiz. «Revolut hat bereits eine grosse Bekanntheit unter Early Adopters», sagt Manz, «auch Schweizer Neobanken rüsten langsam, aber sicher auf.»

Schweizer müssen Geld erst tauschen

N26 agiert mit seiner deutschen Banklizenz in der Schweiz. Wer sein Konto bei N26 aufladen will, muss seine Franken zunächst in Euro tauschen. Hierfür verweist die Bank auf den Partner Transferwise, der günstige Devisenwechsel anbietet.

Die britische Revolut arbeitet hier mit der Credit Suisse zusammen: Kunden können Geld auf ein Schweizer Sammelkonto bei der Credit Suisse überweisen, von dem dann die Gelder zu Revolut gehen. Wichtig ist, den Betreff bei der Überweisung auf das CS-Konto korrekt anzugeben, sonst muss das Geld mühsam im Sammelkonto der richtigen Person zugeordnet werden. Revolut bietet ebenfalls Gratisdebitkarten an, hierbei können Karteninhaber weltweit bis zu 200 Franken gebührenfrei beziehen.

Die neuen Anbieter wie N26 sind vor allem für Zahlungen im Ausland interessant, denn dort verzichten sie auf Fremdwährungsgebühren, während laut Moneyland die UBS 1,67 Prozent oder Raiffeisen 1,49 Prozent Gebühren bei Käufen in der Eurozone mit der Debitkarte verlangt.

Kundendienst via App – und auf Deutsch

Im Vergleich zu anderen Neonbanken aus dem Ausland sieht Moneyland-Experte Manz bei N26 den Vorteil, dass die Berliner Bank ihren Kundendienst auf Deutsch anbietet. Laut N26 ist dieser sieben Tage die Woche von 7 bis 23 Uhr erreichbar, der primäre Zugangskanal ist der Chat, nicht das Telefon.

N26-Manager Hauer erklärt dies damit, dass auf diese Weise die eindeutige Kundenauthentifizierung gewährleistet sei. «Kunden können sich zurückrufen lassen, das erfolgt dann innerhalb weniger Stunden», so der Bankmanager. Für Menschen, die lieber sofort jemand am Telefon haben möchten, dürfte das zu langsam sein. Wichtige Funktionen wie die Kartensperre lassen sich aber sofort via App erledigen.

Einfallstor Videochat

Gerade in Sachen Erreichbarkeit hatte das Berliner Start-up vergangenen Herbst negative Schlagzeilen gemacht. Denn Betrüger hatten ahnungslose Nutzer dazu gebracht, über den Videochat bei N26 ein Konto zu eröffnen. Angeblich sollten die Nutzer das System nur testen, die Konti sollten sofort geschlossen werden. Was nie geschah. Stattdessen wurden über die Konti Gelder aus betrügerischen Onlineshops gewaschen.

Als die Betrugsopfer dies bemerkten, hatten sie oft tagelang versucht, N26 zu erreichen. Daraufhin hatte die deutsche Finanzaufsicht Bafin öffentlich die Smartphone-Bank gerügt und bessere Kontrollen angemahnt. «Damals hatten wir 200 Mitarbeiter im Kundenservice, jetzt sind es rund 700, bis Ende des Jahres wollen wir auf 800 bis 1000 aufstocken», entgegnet N26-Manager Hauer. Auch Wettbewerber Revolut machte vor kurzem Schlagzeilen damit, dass Betrüger Konten plünderten.

Credit Suisse will reagieren, UBS gibt sich gelassen

Bei der Gegenattacke setzt die Credit Suisse daher unter anderem auf bessere Erreichbarkeit. So soll das Callcenter für Beratungen auch samstags offen sein und wochentags länger als 20 Uhr. Inwieweit die neue Sparte Direct Banking auch ihre Preise senken wird für Einsteigerprodukte wie einfache Zahlungsverkehrskonti, dazu machte die Bank keine Angaben.

Die UBS sieht keine Notwendigkeit, auf die neuen Player zu reagieren. «Wir sind längst auch eine Smartphone-Bank und wachsen besonders stark gerade bei jungen Menschen», teilt sie mit.

Da die neuen Player aus dem Ausland noch keine Konten in Schweizer Franken anbieten, dürfte sich der Konkurrenzdruck für UBS, Raiffeisen und die Kantonalbanken in Grenzen halten. Aber N26 plant, vermutlich schon im kommenden Jahr in Partnerschaft mit einer Schweizer Bank auch Konten in Franken anzubieten, wie aus dem Umfeld von N26 zu erfahren ist. Gespräche mit potenziellen Partnerbanken laufen demnach bereits.

Erstellt: 03.09.2019, 18:03 Uhr

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