So legalisieren Sie Schwarzgeld

Wer Steuern nicht bezahlt, riskiert je nach Vorgehensweise Bussen, einen Eintrag ins Strafregister und Nachsteuern. Letztere müssen auch Erben zahlen. Nur: Das alles muss nicht sein.

Vielseitig: Es gibt verschiedene Wege Einkünfte von den Steuerbehörden zu verbergen.

Vielseitig: Es gibt verschiedene Wege Einkünfte von den Steuerbehörden zu verbergen. Bild: Montage BZ

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Steuerbetrug und Steuerhinterziehung sind in der Schweiz vorderhand noch zwei verschiedene Delikte (siehe auch Box). Steuerhinterziehung bedeutet, dass jemand falsche, unvollständige oder gar keine Angaben über Einkommen und Vermögen macht. Strafbar machen sich dabei nicht nur diese Person selbst, sondern auch alle, die sie dazu anstiften oder dabei mithelfen. Zusätzlich wird zwischen versuchter und vollendeter Steuerhinterziehung unterschieden. Der Unterschied liegt darin, ob das Delikt vor oder nach der Veranlagung durch die Steuerbehörden entdeckt wird. Steuerbetrug begeht, wer für die Steuerhinterziehung gefälschte oder falsche Urkunden und Belege wie Lohnausweise oder Geschäftsbilanzen einreicht.

Unterschiedliche Strafen

Die Delikte werden unterschiedlich bestraft: Die Busse für Steuerhinterziehung ist in der Regel so hoch wie die hinterzogene Steuer, im Maximum beträgt sie das Dreifache davon – die Summe steigt im Wiederholungsfall oder je nach Höhe des hinterzogenen Betrags. Wer eine Steuerhinterziehung begangen hat und sich nachträglich reuig fühlt, kann sich selbst anzeigen, was sich mildernd auf die Strafe auswirkt. Die Verfolgung von Steuerhinterziehung ist Sache der Steuerbehörden.

Bei Steuerbetrug ist die Höchststrafe eine Busse von 30 000 Franken oder gar Gefängnis. Als eigentliches Delikt wird Steuerbetrug zudem nicht von den Steuer-, sondern von den Strafbehörden geahndet und hat – wenn man verurteilt wird – einen Eintrag im Strafregister zur Folge.

Auf Anfang 2010 hat der Bundesrat das Recht auf eine einmalige straflose Selbstanzeige sowie eine mildere Nachbesteuerung ehrlicher Erben in Kraft gesetzt. Zuvor mussten Steuerhinterzieher, die sich selber anzeigten, eine Busse von einem Fünftel der hinterzogenen Steuer bezahlen. Neu können natürliche Personen wie auch Unternehmen bei der ersten Selbstanzeige straflos ausgehen. Einzig die ordentliche Nachsteuer und der Verzugszins werden für die zurückliegenden zehn Jahre erhoben.

Nachsteuer nicht in jedem Fall

Wer nicht alle Steuern bezahlt hat, muss zudem mit einer Nachsteuer rechnen. Das ist eine Nachforderung nicht erhobener Steuern mitsamt Verzugszinsen. Eine Nachsteuer kann immer erhoben werden, wenn die Steuerverwaltung erst verspätet Kenntnis über steuerbare Einkünfte und Vermögen erhält. Wird die Steuererklärung hingegen korrekt ausgefüllt, und übersehen die Mitarbeiter der Steuerverwaltung bestimmte Einkünfte oder Vermögen, kann keine Nachsteuer erhoben werden. Das Recht, ein Nachsteuerverfahren einzuleiten, besteht bis zehn Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, für die eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder für die eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist. Die Einleitung des Nachsteuerverfahrens wird der steuerpflichtigen Person schriftlich mitgeteilt.

Erben: Höchstens drei Jahre

Ein Nachsteuerverfahren, das beim Tod der steuerpflichtigen Person noch nicht eingeleitet ist, wird gegenüber den Erben eingeleitet. Seit dem 1. Januar 2010 wird für Erben eine vereinfachte Nachbesteuerung angewendet. In diesem Fall kann die Nachsteuer inklusive Verzugszinsen für die letzten drei vor dem Todesjahr abgelaufenen Steuerperioden erhoben werden. Die Erben können nur dann von dieser vereinfachten Nachbesteuerung profitieren, wenn sie ihre Mitwirkungspflichten erfüllen – insbesondere bei der Errichtung eines vollständigen und genauen Nachlassinventars – und die Steuerbehörden noch keine Kenntnis von der Hinterziehung hatten.

Ausnahmen für Erben

Die Regeln der vereinfachten Nachbesteuerung für Erben werden aber nur angewendet, wenn Steuern der verstorbenen Person betroffen sind. Ist jedoch die zu wenig erhobene Steuer Folge einer mangelhaften Deklaration von Steuerfaktoren des überlebenden Ehegatten, so umfasst der Nachsteuerzeitraum zehn Steuerperioden. Hat der überlebende Ehegatte die sogenannte Steuerverkürzung durch unsorgfältiges oder vorsätzliches Handeln beziehungsweise Unterlassen (fehlende Deklaration) verursacht, wird er wegen Hinterziehung eigener Steuerfaktoren gebüsst. Will der überlebende Ehegatte die Möglichkeit einer erstmaligen straflosen Selbstanzeige nutzen, so muss er diese spätestens mit dem Steuerinventar einreichen. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn im Steuerinventar ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass der überlebende Ehegatte eigene Steuern nicht deklariert hat und diese konkret bezeichnet werden.

Erstellt: 02.07.2013, 11:39 Uhr

Hinterziehung und Betrug

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