So vermeiden Frauen die Teilzeitfalle

Wer sein Pensum reduziert, muss fürs Alter vorsorgen – sonst reisst das tiefere Einkommen Löcher in die Pension.

Wer längere Zeit weniger als 50 Prozent arbeitet, muss im Alter vielleicht mit dem Existenzminimum auskommen: Frauen an einem Meeting. Foto: Getty Images

Wer längere Zeit weniger als 50 Prozent arbeitet, muss im Alter vielleicht mit dem Existenzminimum auskommen: Frauen an einem Meeting. Foto: Getty Images

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Solange alles rund läuft, macht man sich wenig Gedanken über seine Vorsorge. Das ist bei vielen Frauen der Fall – zumindest bis sie ihr Pensum reduzieren müssen, weil sie zum Beispiel Kinder bekommen. Oft sind auch Krankheiten, Trennungen oder ein Todesfall der Grund, warum sie sich mit dem Thema beschäftigen. Vor allem wer im Konkubinat lebt, ist häufig «blauäugig». Das zeigen die Erfahrungen aus der Praxis.

Fakt ist: Wer Teilzeit arbeitet, zahlt weniger in die Vorsorge ein. Problematisch wird es, wenn Frauen längere Zeit in einem Arbeitspensum von weniger als 50 Prozent arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit ist dann gross, dass sie im Alter von ihrem Partner finanziell abhängig sind oder mit dem Existenzminimum auskommen müssen. Mit einer Scheidung erhöht sich dieses Risiko. Dieses Fazit zieht eine Studie der Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten und der Universität Lausanne.

Beitragslücken vermeiden

Wer weniger verdient, muss mit grossen Lücken in der Pensionskasse rechnen. Dazu ein Beispiel: Eine 35-jährige Frau mit einem Jahreseinkommen von 100'000 Franken reduziert ihr Arbeitspensum von 100 auf 40 Prozent, weil sie Mutter wird. Bis zur ordentlichen Pensionierung stockt sie das Pensum schrittweise auf – zuerst auf 60, dann auf 80 Prozent. Die Folgen sind einschneidend: Hätte die Frau bis 64 immer Vollzeit gearbeitet, hätte sie in ihrer Pensionskasse 441'707 Franken angespart. Mit dem reduzierten Pensum sind es aber lediglich 258'107 Franken Das sind 42 Prozent oder 183'600 Franken weniger.

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Wer Teilzeit arbeitet oder das Pensum reduzieren möchte, sollte sorgfältig prüfen, was das für die finanzielle Absicherung bedeutet. Bei der AHV ist zum Beispiel die Beitragsdauer für die Berechnung der Rente zentral. Die Maximalrente von 2370 Franken im Monat bekommt, wer im Schnitt ein Jahreseinkommen von mindestens 85'320 Franken erzielt und keine Beitragslücken hat. Frauen, die Teilzeit arbeiten, schaffen das kaum. Oft erhalten sie das Minimum von 1185 Franken.

Darum ist es wichtig, dass sie Beitragslücken vermeiden, denn für jedes fehlende Beitragsjahr wird die Rente anteilsmässig gekürzt. Auch wer nicht arbeitstätig ist, muss sogenannte Beiträge für Nichterwerbstätige bezahlen. Für Verheiratete entfällt die Beitragspflicht, sofern der Ehepartner im Sinne der AHV berufstätig ist und Beiträge in der Höhe von mindestens 964 Franken pro Jahr entrichtet (doppelter Mindestbeitrag).

Bei einer unverheirateten Lebenspartnerin ist der Ausgleich der AHV-Beiträge durch den berufstätigen Konkubinatspartner aber nicht vorgesehen. Im Falle einer Trennung werden die AHV-Beiträge auch nicht hälftig geteilt – es gibt kein Splitting wie bei Eheleuten. Deswegen sind Konkubinatspartner deutlich schlechter gestellt, wenn sie Teilzeit oder gar nicht arbeiten. Dass Teilzeitarbeitende teils massiv weniger Leistungen aus der Pensionskasse erhalten als Vollzeitangestellte, ist insbesondere auch auf den sogenannten Koordinationsabzug zurückzuführen. Eine Frau, die Teilzeit arbeitet, muss mindestens 21'330 Franken im Jahr verdienen, damit der Arbeitgeber sie in die Pensionskasse aufnimmt und Beiträge zahlt.

Ist der Arbeitgeber teilzeitfreundlich?

Für die Höhe der Beiträge ist der Koordinationsabzug von derzeit 24'885 Franken entscheidend. Dieser Betrag wird vom Einkommen abgezogen, um den versicherten Lohn zu ermitteln. Wer also 40'000 Franken verdient, ist mit 15'115 Franken versichert (Einkommen von 40'000 Franken minus 24'885 Franken Koordinationsabzug). Nach diesem Lohn richten sich die Beiträge sowie Alters-, Kinder-, Hinterbliebenen- und Invalidenrenten. Ein grosser Vorteil ist es darum, wenn die Pensionskasse des Arbeitgebers auch tiefere Löhne versichert oder Rücksicht nimmt, indem sie den Koordinationsabzug dem Beschäftigungsgrad anpasst. Wer dann mit einem Pensum von 60 Prozent rund 40'000 Franken verdient, kommt somit auf einen versicherten Lohn von 25'069 Franken – statt wie in unserem Beispiel auf 15'115 Franken

Wer eine neue Teilzeitstelle sucht, sollte prüfen, ob das Vorsorgereglement des neuen Arbeitgebers teilzeitfreundlich ist – zum Beispiel indem es den Koordinationsabzug proportional dem Beschäftigungsgrad anpasst. Es kann sich auch lohnen, mit dem Arbeitgeber über die Möglichkeiten eines reduzierten Koordinationsabzugs zu sprechen. Einige Arbeitgeber können das ablehnen, weil sie höhere Beiträge zahlen müssen – andere sind aber kulant und kommen Teilzeitarbeitenden entgegen.

PK-Einkäufe lohnen sich auch für Wenigverdienende

Nicht zuletzt sollte man alle Möglichkeiten nutzen, um freiwillig in die Pensionskasse einzuzahlen. Immer wieder ist zu hören, dass solche PK-Einkäufe nur etwas für Besserverdienende seien, weil sie grössere Summen überweisen könnten. Doch PK-Einkäufe können sich auch unter Umständen mit kleineren Beträgen lohnen. Auch wenn eine PK teilzeitfreundliche Regelungen zulässt, bleibt die Vorsorge für viele Teilzeitarbeitende ungenügend. Oft bleibt nur die dritte Säule, um Lücken zu schliessen. In die Säule 3a kann einzahlen, wer ein AHV-pflichtiges Einkommen erzielt. Teilzeitarbeitende mit PK-Anschluss können höchstens 6826 Franken überweisen. Ohne Pensionskasse sind es 20 Prozent des Einkommens, höchstens aber 34'128 Franken

Einzahlungen in die Säule 3a bringen in der Regel auch finanzielle Vorteile, denn sie lassen sich vom steuerbaren Einkommen abziehen. Verpasste Jahre können nicht nachgeholt werden. Darum wünschen sich viele eine Flexibilisierung: Wer in einem bestimmten Jahr nicht in die private Selbstvorsorge einzahlen kann, sollte dies später nachholen dürfen – wie bei einem Einkauf in die Pensionskasse. Gerade Frauen, die einen Erwerbsunterbruch haben, würden davon sehr profitieren.

Romina Mutter ist Leiterin Vorsorgeplanung beim VZ Vermögenszentrum.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 26.09.2019, 16:02 Uhr

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