Wann sich eine Versicherung für Ihr Haustier lohnt

Chemotherapie und Akupunktur gehören heute beim Tierarzt zum Alltag. Besitzer lassen sich gegen teure OPs versichern. Das lohnt sich aber nicht immer.

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Chemotherapie, Bestrahlung, Physio, Akkupunktur, Homöopathie, Hüftoperationen sind heute in der tiermedizinischen Versorgung Alltag. Tierhalter organisieren heute für ihre Vierbeiner oft eine hochwertige medizinische Versorgung, wenn diese krank werden oder verunfallen. Doch die hat ihren Preis. Eine aufwendige Hüftoperation auf beiden Seiten kann bei einem Hund 6000 Franken kosten. Nach einem schweren Autounfall beläuft sich die Rechnung für eine Katzenpatientin oft auf 1500 bis 2000 Franken.

Mit der Nachfrage nach anspruchsvollen tierärztlichen Behandlungen steigt auch der Bedarf an entsprechenden Versicherungen. Christian Jetzer, Vertriebsleiter bei der Tierversichererin Epona, bestätigt ein starkes Wachstum – allerdings immer noch auf tiefem Niveau. Von den 1,5 Millionen Katzen und 600'000 Hunden in der Schweiz sind rund 3 Prozent gegen Krankheit und Unfall versichert. In anderen Ländern wie Grossbritannien oder Schweden – in denen allerdings auch die tierärztliche Versorgung anders organisiert ist – liegt der Anteil bei 60 bis 70 Prozent. Jetzer erlebt mitunter, dass Haustierbesitzer fälschlicherweise davon ausgehen, dass in ihrer Haftpflichtversicherung auch der Tierarzt enthalten ist. Doch die Haftpflicht deckt nur Schäden, die das eigene Haustier verursacht.

Was zu beachten ist

Tierhalter sollten sich zuerst im Klaren darüber sein, was sie genau versichern wollen, und dann die Vertragsbestimmungen von Versicherungsprodukten prüfen. Denn es gibt grosse Unterschiede. So kann es sein, dass Haustierbesitzer für jedes Ereignis einen Selbstbehalt entrichten müssen, während bei anderen nur ein Selbstbehalt pro Jahr fällig wird. Öfters gibt es eine Altersbegrenzung – so können Hunde manchmal nur bis zum Alter von vier Jahren in eine Versicherung aufgenommen werden und Katzen bis sechs. Wer diesen Zeitpunkt verpasst, erhält zum Beispiel bei der Mobiliar keinen Versicherungsschutz mehr. Bei der Epona ist hingegen auch in höherem Alter noch eine Aufnahme möglich – dies aber nur mit einem tierärztlichen Zeugnis.

Wichtig sind auch Leistungen, die ausgeschlossen werden: Zum Beispiel wird die Behandlung von Erbkrankheiten von einzelnen Versicherern nicht übernommen – so kann es bei einer Hunderasse mit häufigen Hüftproblemen etwa unangenehme Überraschungen geben. Und schliesslich steigen bei manchen Anbietern die Prämien mit dem Alter der Tiere, wie Benjamin Manz vom Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch feststellt. Moneyland.ch bietet auf seiner Internet-Plattform neben einem Angebotsvergleich auch einen Rechner an, mit dem sich Ausgaben für Gesundheitsversorgung und Versicherung eines Haustiers simulieren lassen.

Tierversicherungen finanzieren nicht unbeschränkt medizinische Leistungen. Der Halter entscheidet also, bis zu welchem Umfang er eine Deckung wünscht. Die Betragshöhe hat einen Einfluss auf die Prämie: Bei einer eher tiefen Deckung von jährlich 1000 Franken zahlen Tierfreunde deutlich weniger für die Versicherung als bei einer Deckung bis 50'000 Franken.

«Eine Versicherung für Haustiere lohnt sich nicht in jedem Fall», sagt Benjamin Manz. Fallen keine ausserordentlichen Kosten an, könnte man sich das Geld für die Versicherungsprämien sparen. Wenn eine Versicherung für jede Krankheit oder jeden Unfall separat einen absoluten Selbstbehalt von beispielsweise 200 Franken verrechnet, so ist das gemäss Manz oft ein Nachteil. Kundenfreundlicher sind nach seiner Einschätzung Versicherungen, die den absoluten Selbstbehalt nur einmal pro Jahr verlangen.

Anbieter, die den Selbstbehalt pro Ereignis anstatt pro Jahr einfordern, entlasten die Tierhalter aber immerhin bei der Kostenbeteiligung: Die Überwälzung von beispielsweise zehn Prozent der medizinischen Behandlung fällt weg. Diese Produkte helfen Tierhaltern also vor allem, sich gegen ausserordentliche Ereignisse finanziell abzusichern.

Schutz für den Worst Case

«Wer für den schlimmstmöglichen Fall vorsorgen will, ist mit einer Versicherung grundsätzlich gut beraten», sagt Manz. Mit dem schlimmstmöglichen Fall ist ein mehrtägiger Aufenthalt in einer Tierklinik gemeint, wo moderne Technologien wie Computer- oder Magnetresonanz-Tomografie eingesetzt werden. Laut Franck Forterre, Leiter der Kleintierklinik der Universität Bern, kostet ein grösserer Eingriff in der Regel rund 3000 Franken. Als Beispiele nennt er komplizierte Frakturen nach Unfällen oder schwere neurologische Leiden. «In seltenen Fällen kann der Betrag bis auf 10'000 Franken steigen.» Längerfristig ins Geld gehen kann beispielsweise auch ein Nierenleiden, das eine regelmässige Behandlung nötig macht.

Die Versicherer verfolgen mit Produkten für Haustiere unterschiedliche Strategien. Bei der Mobiliar lässt sich die Kranken- und Unfallversicherung für Haustiere als Bestandteil einer Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung oder auch separat abschliessen. «Es ist ein Nischenprodukt», sagt Produktmanager Stephan Günther. Er sieht darin auch einen Anreiz für Kunden mit Haustieren, ihre Haushaltversicherung bei der Mobiliar abzuschliessen. Hingegen bei der Epona ist die Tierversicherung das Kerngeschäft.

Jetzer ist schliesslich der Hinweis wichtig, dass es mit der Versicherung allein nicht getan ist: «Auch ein niedlicher kleiner Hund wird alt, dick und gebrechlich – wer ein Haustier kauft, muss bis an dessen Lebensende Verantwortung übernehmen.» Das ist auch eine Geldfrage. Rommy Los vom Zürcher Tierschutz warnt davor, Haustiere anzuschaffen, wenn die Mittel knapp sind: «Zur medizinischen Versorgung kommen weitere Kosten für Futter, Hundeschule, Billette im öffentlichen Verkehr und anderes mehr hinzu.» Wer schon Mühe hat, die medizinische Versorgung oder zumindest eine angemessene Versicherung zu bezahlen, hat mit den weiteren Kosten noch mehr Probleme.

Erstellt: 11.02.2019, 09:08 Uhr

Operation für 7000 Franken

Für Istvan Stucky ist es vor allem eine emotionale Frage, ob jemand für sein Haustier eine Versicherung abschliesst oder nicht. Er ist geschiedener Familienvater und hat ein beschränktes Haushaltsbudget. «Dank Versicherung kann ich meinen beiden Hunden eine kostspielige Behandlung ermöglichen, falls eine solche nötig ist.» Ihm gehe es nicht darum, dass seine Haustiere um jeden Preis am Leben erhalten werden: «Eine teure medizinische Versorgung halte ich nur für sinnvoll, wenn ein Hund wieder gesund wird und in bisher gewohnter Weise weiterleben kann.»
Vor rund drei Monaten zahlte sich die Versicherung für Stucky aus. Seinem Hund Toni ging es auf einmal schlecht. Der Vierbeiner hatte Mühe zu gehen und ass weniger. Der Tierarzt im Wallis war sich bei der Ursache nicht sicher und wies Toni in die Kleintierklinik der Universität Bern ein. Per Computertomografie stellten Fachleute dort fest, dass über die Lunge ein Fremdkörper eingedrungen war, ins Becken gewandert und dort eine schwere Entzündung ausgelöst hatte. Mit einer Operation entfernten Ärzte den Fremdkörper. Die Behandlungskosten betrugen nahezu 7000 Franken. (ki)

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