Neues Urteil

Erst wenn man aussteigen darf,
ist der Flieger angekommen

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Wann ist ein Flugzeug angekommen? Wenn es auf der Landebahn aufsetzt, wenn es die Parkposition erreicht oder wenn die Türen geöffnet werden? Mit dieser auf den ersten Blick merkwürdigen Frage hatte sich kürzlich der Europäische Gerichtshof zu befassen. Anlass war ein Flug der Lufthansa-Tochter Germanwings von Salzburg nach Köln/Bonn. Die Maschine hatte mit exakt 2 Stunden 58 Minuten Verspätung auf der Landebahn aufgesetzt. Nach weiteren fünf Minuten, also 3 Stunden 3 Minuten nach der planmässigen Ankunftszeit, erreichte das Flugzeug die Parkposition und die Türen wurden geöffnet.

Ein österreichischer Passagier forderte daraufhin von der Billigfluglinie eine Entschädigung von 250 Euro. Das ist der Betrag, den Reisende auf Kurzstreckenflügen bis 1500 Kilometer bei Verspätungen ab drei Stunden zugut haben. So hatte der Europäische Gerichtshof bereits früher entschieden (siehe Haupttext). Germanwings stellte sich jedoch auf den Standpunkt, die Drei-Stunden-Grenze sei nicht erreicht, deshalb schulde sie ihrem Kunden nichts.

Damit drang die Fluggesellschaft aber nicht durch. Massgebend ist laut Gericht der Zeitpunkt, in dem mindestens eine Flugzeugtür geöffnet wird und die Passagiere die Maschine verlassen dürfen. Erst dann fallen die Einschränkungen weg, denen Reisende während eines Fluges ausgesetzt sind, und sie können sich wieder in gewohnter Weise betätigen, begründeten die Richter ihren Entscheid (C-452/13). (thm)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2014, 17:36 Uhr

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