Kreuzfahrt stornieren: 2500 Franken

Die Schiffsreisen sind so beliebt, dass Reisende schon Monate im Voraus buchen müssen. Will man die Kreuzfahrt absagen, kann das teuer werden.

Trotz Boom und frühen Buchungen: Vorzeitiges Aussteigen aus einer Kreuzfahrt ist nicht gratis. Foto: iStock

Trotz Boom und frühen Buchungen: Vorzeitiges Aussteigen aus einer Kreuzfahrt ist nicht gratis. Foto: iStock

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Kreuzfahrten sind seit Jahren der grosse Renner in der Reisebranche. Kaum ein Reiseveranstalter, der sie nicht im Angebot hat. Der Run scheint auf manchen Routen so gross zu sein, dass Reisende weit im Voraus buchen müssen, um sich das gewünschte Angebot zu sichern. So auch Su­sanne V.: Sie hat im November 2017 für sich und ihren Mann beim Reiseveranstalter TUI zwei Kreuzfahrten gebucht, wobei die eine erst im nächsten September stattfindet. Dafür haben die Eheleute tief in die Tasche gegriffen: Die siebentägige Mittelmeerreise in einer Suite kostet sie inklusive Flug rund 9200 Franken.

Inzwischen ist dem Ehepaar aber die Vorfreude gründlich abhandengekommen. Grund seien die Erfahrungen, die sie auf der ersten Schiffsreise gemacht ­hätten, sagt Susanne V. Den permanenten Rummel, den sie dabei erlebt hätten, wollten sie und ihr Mann sich nicht noch einmal antun. Also beschlossen sie im vergangenen Februar, die Buchung für die bevorstehende zweite Kreuzfahrt rückgängig zu machen.

2500 Franken fürs Absagen

Weil es bis zur Reise noch mehr als sieben Monate dauerte, ging Susanne V. davon aus, dass TUI das begehrte Kreuzfahrtarrangement in dieser Zeit problemlos weiterverkaufen könnte und sie deshalb nur Bearbeitungsgebühren zahlen müssten.

Doch weit gefehlt. TUI verwies auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Demnach schulden Reisende, die eine Kreuzfahrt annullieren, nebst einer Bearbeitungsgebühr auch Stornokosten. Bei Schiffsreisen mit TUI Cruises sind es mindestens 25 Prozent des Arrangementpreises. So viel zahlen Reisende, selbst wenn sie eine Kreuzfahrt lange im Voraus oder sogar schon kurz nach der Buchung rückgängig machen. Das Ehepaar V. müsste somit inklusive Bearbeitungsgebühr rund 2500 Franken hinblättern.

TUI Cruises zeigte zwar Entgegenkommen: Man könne versuchen, die Reise erneut zu verkaufen. Weil dies aber nicht immer gelinge, müssten Susanne V. und ihr Mann damit rechnen, auf den vollen Stornokosten sitzen zu bleiben. Die kann das Ehepaar auch nicht auf die Annullationsversicherung abwälzen. Versicherungen zahlen nur, wenn Reisende aus unverschuldeten und von ihnen nicht beeinflussbaren Gründen stornieren.

Ähnlich wie bei Flügen

Dass bei Schiffsreisen selbst dann Stornokosten zu zahlen sind, wenn Kunden lange vorher absagen, sei nicht aussergewöhnlich, sagt Reiseombudsmann Franco Muff. «Diese Praxis ist verbreitet.» Bei Kreuzfahrten handle es sich zwar um Pauschalreisen, doch seien die Annullationsbedingungen schärfer als bei den üblichen Pauschalreisen. Bei Letzteren sind Absagen bis wenige Wochen davor ausser den Bearbeitungsgebühren kostenlos.

Egal wie teuer die Kreuzfahrt ist: Absagen kostet immer. Foto: Getty

Die Konditionen würden von den Schifffahrtsunternehmen festgelegt – in diesem Fall von TUI Cruises, so Muff weiter. «Es ist ähnlich wie bei den Airlines: Da sind Stornokosten ebenfalls verbreitet. Oft bekommen Flugpassagiere gar nichts zurück, unabhängig davon, wie früh sie ihre Buchung annullieren.»

Doch während bei Flügen allfällige Annullierungskosten vom Tarif abhängig sind, gilt dies bei Schiffsreisen nicht. Egal wie teuer die Kreuzfahrt ist: Absagen kostet immer. Das zeigt ein Blick in die AGB einzelner Reedereien.

  • MSC: Die Kreuzfahrtgesellschaft MSC verlangt fürs Stornieren mindestens 20 Prozent des Arrangementpreises. Bei World Cruises sind es im Minimum 15 Prozent.
  • Costa: Für Buchungen bei der Reederei Costa müssen Reisende im Minimum 10 Prozent des Verkaufspreises zahlen, wenn sie annullieren.
  • Hurtigruten: Beim Unter­nehmen Hurtigruten, das auf Postschiffreisen in Norwegen spezialisiert ist, sind es ebenfalls 10 Prozent. Für Kreuzfahrten ab dem nächsten Frühjahr kostet eine Absage jedoch mindestens 20 Prozent .
  • Mittelthurgau: Vergleichsweise günstig sind frühe Storni beim Flussschiffe-Reeder Mittelthurgau. Da schulden Kundinnen 5 Prozent des Rechnungstotals.

Die Kosten sind bei allen ­Reedereien umso höher, je näher die Annullation beim Reisebeginn erfolgt.

Dass Kunden weniger zahlten, wenn das Arrangement erneut verkauft werden könne, so wie TUI dies im Fall von Susanne V. offeriert habe, sei nicht üblich, sagt Bianca Schmidt, Sprecherin von TUI Suisse. Die Stornopauschalen seien fix. Selbst wenn es gelinge, eine stornierte Kabine wieder zu verkaufen, «müssen wir dies in der Regel zu einem niedrigeren Preis tun», erklärt Dominik Gebhard vom Kreuzfahrtunternehmen MSC. Hinzu komme der Aufwand für die Suche nach neuen Passagieren und für die Umbuchung der Kabine.

Laut Gesetz können Reisende jedoch ihre Buchung an Ersatzpersonen abtreten, sofern diese das Arrangement unverändert übernehmen. Dann fallen lediglich die Bearbeitungsgebühren für den administrativen Zusatzaufwand an.

Wichtig zu wissen ist, dass die Annullationsbedingungen der Schifffahrtsunternehmen auch gelten, wenn man eine Kreuzfahrt über ein Reisebüro bucht. Die Reiseveranstalter träten in diesem Fall nur als Vermittler auf und gäben die Vorgaben der Reedereien an ihre Kunden weiter, sagt Ombudsmann Franco Muff. Die AGB der Reiseveranstalter weisen auch explizit darauf hin.

Risiko Frühbuchung

Angesichts der momentan verbreiteten Praxis, Kreuzfahrten lange im Voraus zu buchen, müssen sich Reisende ihrer Sache schon sehr sicher sein, wenn sie unliebsame und bisweilen hohe Kosten für eine allfällige Absage verhindern wollen.

Susanne V. und ihr Mann haben schliesslich verzichtet, ihre Mittelmeerreise zu stornieren. Das Risiko, dass ihre Kabine nicht zum gleichen Preis weiterverkauft werde und sie dann die vollen 2500 Franken fürs Annullieren berappen müssten, sei ­ihnen zu gross gewesen.

Erstellt: 14.04.2019, 20:21 Uhr

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