Leser fragen

Lässt sich die 3. Säule verlängern?

Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht.

Eine Verlängerung der gebundenen Vorsorge ist nicht möglich: Teilnehmer eines Seminars der Pro Senectute zur Vorbereitung auf das Pensionsalter.

Eine Verlängerung der gebundenen Vorsorge ist nicht möglich: Teilnehmer eines Seminars der Pro Senectute zur Vorbereitung auf das Pensionsalter. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Arbeitsrecht
Gehören die Wochenenden auch zu den Ferien?

Ich arbeite als Pflegerin Teilzeit in einem kleinen privaten Heim. Wenn ich Ferien beziehe, muss ich entweder an den Wochenenden vor Ferienbeginn oder am Ferienende arbeiten. Gehören die Wochenenden denn nicht auch zu den Ferien?

Zumindest das Wochenende am Schluss zählt noch zu den Ferien. Gemäss Gesetz haben Arbeitnehmende auf wenigstens vier Wochen Ferien pro Jahr Anspruch. Der Gesetzestext spricht explizit von Wochen und nicht von Tagen. Gemeint sind damit Kalenderwochen. Eine Ferienwoche endet also erst mit dem Sonntag und nicht bereits mit dem Freitag. Somit kann Ihre Arbeitgeberin Sie nicht bereits am letzten Wochenende Ihrer Ferien wieder zur Arbeit einteilen. Das dürfte sie nur mit Ihrem Einverständnis tun.

Etwas anders sieht es bei Ferienbeginn aus. Da Sie als Pflegerin in einem Bereich tätig sind, in dem an allen 7 Wochentagen gearbeitet wird, endet die Arbeitswoche erst mit dem Sonntag. Ein Wochenenddienst vor Ferienbeginn ist somit also grundsätzlich zulässig.

Doch muss der Arbeitgeber bei der Ferienplanung die Wünsche seiner Angestellten berücksichtigen. Wenn Sie ihre wöchentlichen arbeitsfreien Tage vor den Ferien aufs Wochenende legen möchten, sei es, weil Sie eine Reise gebucht haben, die bereits am Wochenende beginnt, so kann der Arbeitgeber dies nicht einfach ohne Grund ver­weigern. Ein akzeptabler Grund, dies zu verweigern, wäre etwa ein vorübergehender Personalengpass.


Mietrecht
Muss ich für die erneute Reparatur aufkommen?

Im Jahr 2011 wurde in meiner Mietwohnung eine neue Küche eingebaut. Nur zwei Jahre später, im letzten Sommer, ging ein Scharnier des Kühlschranks kaputt. Bei der Reparatur erfuhr ich vom Monteur, dass einzelne Scharnierteile vom Lieferanten zugekauft worden seien und nicht den Qualitätsanforderungen entsprächen. Ich musste deshalb für Ersatz und Arbeit nicht aufkommen, sondern nur für den Arbeitsweg des Monteurs. Inzwischen ist auch das Scharnier des dazugehörigen Gefrierschranks defekt. Kann ich mich bei der Reparatur auf die gleiche Kostenregelung berufen wie beim letzten Mal?

Das ist gar nicht nötig, Sie müssen für die Reparaturkosten nicht aufkommen, auch nicht teilweise. Sie hätten auch schon beim letzten Mal nicht zahlen müssen. Als Mieterin geht nur der sogenannt kleine Unterhalt zu Ihren Lasten. Darunter fallen kleinere Reparaturen, für die kein besonderes Fachwissen und auch kein übermässiger Aufwand nötig ist. Das defekte Scharnier fällt nicht darunter, schliesslich hat der Lieferant selber den frühen Defekt verursacht. Und selbst wenn das Scharnier des Kühlschranks durch übliche Abnützung kaputtgegangen wäre, würde die Reparatur den Rahmen des kleinen Unterhalts sprengen.

Wichtig ist jedoch, dass Sie den Auftrag für die Reparatur des Scharniers nicht selber erteilen. Melden Sie den Defekt Ihrer Vermieterin und informieren Sie diese auch über die Vorgeschichte. Es ist dann Sache der Vermieterin, sich mit dem Küchenlieferanten zu einigen.


Vorsorge
Lässt sich die 3. Säule verlängern?

Meine Pensionierung erfolgt im Jahr 2018. Einen Teil meines Pensionskassengeldes möchte ich als Kapital beziehen. Meine gebundene 3. Säule, die ich in einer Versicherungspolice angelegt habe, läuft ebenfalls im Jahr meiner Pensionierung aus. In welchem Jahr werde ich für die Kapitalsteuern zur Kasse gebeten? Lohnt es sich, die Versicherungspolice zu verlängern, um Steuern zu sparen?

Eine Verlängerung der gebundenen Vorsorge ist rechtlich nicht möglich. Sie müssen die Leistung nämlich beziehen, wenn Sie die Erwerbstätigkeit aufgeben. Die Kapitalsteuern für Ihre 2. und Ihre 3. Säule fallen somit gleichzeitig an: im Jahr der Pensionierung. Da Ihre Versicherungspolice der Säule 3a zu einem bestimmten Zeitpunkt ausläuft, ist kein gestaffelter Bezug der Leistung möglich, mit dem sich die Steuerlast auf verschiedene Jahre verteilen liesse. Wollen Sie nicht zu viel Steuern aufs Mal bezahlen, bleibt Ihnen nur, den Kapitalbezug bei der 2. Säule, also der Pensionskasse, möglichst tief zu halten oder ganz darauf zu verzichten. Entscheiden Sie sich für die Rente, zahlen Sie ganz normal jährliche Steuern entsprechend der tatsächlich bezogenen Rentensumme.

Erstellt: 07.04.2014, 15:33 Uhr

Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen, die Sie uns wie folgt senden: per E-Mail an sozial&sicher@tages-anzeiger.ch oder auf dem Postweg an Tages-Anzeiger, Sozial & Sicher, ­Postfach, 8021 Zürich. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass wir anonyme Zuschriften nicht beantworten.

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