Leser fragen

Müssen wir der Putzfrau nach einem Unfall den Lohn zahlen?

Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht.

Auch Reinigungspersonal, das im Stundenlohn bezahlt wird und in der Freizeit einen Unfall hatte, hat Anspruch auf eine Lohnfortzahlung.

Auch Reinigungspersonal, das im Stundenlohn bezahlt wird und in der Freizeit einen Unfall hatte, hat Anspruch auf eine Lohnfortzahlung. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Arbeitsrecht
Müssen wir der Putzfrau nach Unfall den Lohn zahlen?
Seit 6 Jahren beschäftigen wir privat eine Frau für allgemeine Reinigungsarbeiten. Sie kommt alle 14 Tage für 5 Stunden zu uns und ist im Stundenlohn bezahlt. Daneben geht sie noch weiteren ähnlichen Beschäftigungen nach. Im Februar hat sie einen Skiunfall erlitten und war in der Folge während 7 Wochen arbeitsunfähig, dadurch ist sie bei uns dreimal ausgefallen. Sind wir verpflichtet, ihr den Lohn für diese Zeit zu zahlen?

Ja. Wenn die Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist, hat Ihre Angestellte ein Anrecht, ihr Gehalt eine bestimmte Zeit lang weiter zu bekommen, und Sie müssen dafür aufkommen. Wie lange eine Putzfrau den Lohn nach Unfall erhält, ist in den jeweiligen kantonalen Normalarbeitsverträgen für hauswirtschaftliche Angestellte festgelegt. Sofern Sie nicht vertraglich abgemacht haben, diesen nicht anzuwenden. In diesem Fall würde die gesetzliche Regelung im OR gelten, was im Kanton Zürich jedoch aufs Gleiche herauskommt. Demnach hätte Ihre Putzfrau im 7. Dienstjahr während 13 Wochen den Lohn zugute, also auf jeden Fall für die ganze Zeit, in der sie gefehlt hat.

Nicht aufkommen müssen Sie, beziehungsweise Ihre Versicherung, für die Arztkosten. Der Unfall hat sich in der Freizeit ereignet, und wegen des geringen Pensums ist die Putzfrau bei Ihnen nur gegen Berufsunfälle versichert. Die Arzt- und Spitalkosten übernimmt deshalb die private Unfallversicherung der Arbeitnehmerin, sofern die Frau nicht bei einem ihrer andern Arbeitgeber auch gegen Freizeitunfälle versichert ist.


Sozialversicherungen
AHV-Beiträge auf Spesen: Ist das korrekt?
Im Nebenerwerb führe ich das Sekretariat der Geschäftsstelle eines kleinen Verbandes. Da mir die Organisation keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen kann, bekomme ich 200 Franken monatlich an den Mietzins für meine Wohnung. Von diesen 200 Franken wird mir aber nur die Hälfte als Spesen ausbezahlt, die andere Hälfte verrechnet mir der Verband als Lohnanteil. Das heisst, mir werden auf diesem Betrag Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Ich bin jedoch der Ansicht, es handle sich hier nicht um einen Lohnbestandteil.

Sie haben recht: Lohn ist Entgelt für geleistete Arbeit. Die 200 Franken bekommen Sie jedoch nicht für Ihre Tätigkeit, sondern als Entschädigung für die Unkosten, die Ihnen im Zusammenhang mit der Arbeit entstehen.

Nach Gesetz muss der Arbeitgeber seine Mitarbeitenden mit dem Material und den Geräten ausrüsten, welche diese zur Arbeit brauchen. Dazu gehört auch das Bereitstellen eines Arbeitsplatzes. Wenn aber, wie in Ihrem Fall, die Mitarbeiterin selber die Infrastruktur zur Verfügung stellt, ist sie dafür angemessen zu entschädigen. Die Höhe der Entschädigung können Arbeitgeber und Arbeitnehmerin selber aushandeln. Auf der Unkostenentschädigung sind keine AHV- und auch keine anderen Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Sie können daher von Ihrem Arbeitgeber verlangen, dass er die Abrechnungen entsprechend korrigiert und Ihnen die bereits abgezogenen Versicherungsbeiträge zurückerstattet.


Einlegerschutz
Ist mein Geld auf der Kantonalbank abgesichert?
Ich besitze zwei Konten bei der Zürcher Kantonalbank. Das eine ist ein Vorsorgekonto der Säule 3a mit einem Guthaben von 300 000 Franken. Weitere 200 000 Franken liegen auf einem gewöhnlichen Sparkonto. Nun bin ich verunsichert ob der diversen Schlagzeilen über die Bank und frage mich, ob im Ernstfall nur die üblichen 100 000 Franken gesichert wären oder ob es mehr ist?

Sie können beruhigt sein: Die ZKB verfügt über eine Staatsgarantie, und diese ist nicht infrage gestellt. Damit sind die Einlagen der Kunden umfassend gesichert. Ansonsten ist der Einlegerschutz jedoch begrenzt. Pro Person und Bank sind im Falle eines Konkurses bis zu 100 000 Franken gesichert. Vorsorgegelder werden jedoch separat behandelt. Wer also bei der gleichen Bank ein Vorsorge- und ein Sparkonto besitzt, profitiert in beiden Fällen vom Einlegerschutz über 100 000 Franken.

Um die Sicherheit zu erhöhen, kann man seine Ersparnisse auf verschiedene Einrichtungen verteilen. Das ist auch in der Vorsorge 3a möglich, die Zahl der 3a-Konti ist nämlich nicht begrenzt. Bereits bestehende 3a-Konti können zwar nicht mehr aufgeteilt werden. Man kann aber jederzeit ein neues Konto bei einer andern Bank eröffnen und darauf Einzahlungen tätigen.

Erstellt: 28.04.2014, 06:55 Uhr

Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen, die Sie uns wie folgt senden: per E-Mail an sozial&sicher@tages-anzeiger.ch oder auf dem Postweg an Tages-Anzeiger, Sozial & Sicher, ­Postfach, 8021 Zürich. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass wir anonyme Zuschriften nicht beantworten.

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