Jetzt kommt die Altersvorsorge per Handy

Ein Vergleich zeigt: Ein 3a-Konto per App kann massiv Gebühren sparen. Nur: Was ist mit der Beratung?

Kunden können ihre Säule 3a heute vom Handy aus eröffnen und ihr Vermögen verwalten. Foto: Getty Images

Kunden können ihre Säule 3a heute vom Handy aus eröffnen und ihr Vermögen verwalten. Foto: Getty Images

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Es kommt Bewegung in den behäbigen Markt mit der privaten Altersvorsorge 3a: In einer Umfrage unter knapp einem Dutzend Anbietern von Säule-3a-Produkten bestätigen Banken und Versicherer, dass sie die Digitalisierung vorantreiben, um Kunden mehr Flexibilität zu ermöglichen. Manche haben auf diese Weise bereits die Kontoeröffnung vereinfacht oder bieten einen leicht zugänglichen Service mit Hilfestellungen zur Vermögensverwaltung. Einige Finanzinstitute verweisen hinter vorgehaltener Hand auch auf grössere Entwicklungsschritte, die erst in den kommenden Monaten bekannt gemacht werden sollen. Doch es sind nicht die grossen Player, die in der Digitalisierung die Nase vorn haben, stattdessen ist es ein junges Fintech-Start-up namens Viac, das den arrivierten Banken momentan zeigt, wohin die Reise geht.

Die Viac, die eng mit der WIR-Bank zusammenarbeitet, setzt konsequent auf eine «Mobile first»-Strategie. Der Kunde soll alles am Handy erledigen können. In einem Testlauf dauern Registrierung, Bestimmung des persönlichen Anlagetyps und der Strategie etwas mehr als sechs Minuten, nachdem die App installiert ist. Ein schriftlicher Antrag ist nicht nötig – Ausweis und Unterschrift werden gleich mit dem Handy erfasst. Das Handy hat zwar Priorität, aber Viac bietet längst auch eine Bedienung über den PC an.

Kunden sind näher dran

«Zuerst wurden wir belächelt», sagt der 31-jährige Daniel Peter, einer der drei Gründer der Viac. Andere Anbieter waren der Ansicht, dass sich Konsumenten nur einmal im Jahr für die Säule 3a interessieren, wenn im Dezember die Einzahlung erfolgt. Mit der App der Viac können Kunden hingegen nicht nur jederzeit beliebige Beträge einzahlen, sondern auch laufend verfolgen, wie sich ihr Vermögen entwickelt oder monatlich gebührenfrei die Anlagestrategie oder den Aktienanteil ändern. «Das führt dazu, dass Kunden sich intensiver mit ihrem Vermögen auseinandersetzen – dafür gibt es offensichtlich ein Bedürfnis, und das trägt wesentlich zu unserem Erfolg bei», sagt Daniel Peter.

Digitalisierung und zusätzliche Flexibilität reichten aber nicht aus, um Kunden zu überzeugen, wie Christian Mathis erläutert. Er zählt ebenfalls zu den Gründern und verweist auf die Gebühren der Viac: «Wir sind durchschnittlich 60 bis 70 Prozent günstiger als die Konkurrenz», sagt er. Tatsächlich schneidet die Viac in einem Gebührenvergleich von Moneyland.ch sehr gut ab. «Die Viac gibt kein Geld für den Vertrieb aus, der bei Banken bis zu zwei Dritteln aller Kosten ausmachen kann», lautet einer von mehreren Gründen, den Mathis für die günstigen Gebühren nennt.

Die Bedeutung der Gebühren ist nicht zu unterschätzen: Langfristig können sie den Vermögenszuwachs erheblich schmälern. Und die Gebühren bleiben in der Regel über mehrere Jahre stabil, während die Performance eines Säule-3a-Fonds kurzfristig stark ändern kann und so betrachtet weniger über die zukünftige Rendite aussagt.

Die Strategie scheint aufzugehen: Ende 2017 hat die Viac ihr Säule-3a-Produkt auf den Markt gebracht. Heute vertrauen ihr mehr als 12'000 Kunden Vorsorgegelder im Umfang von knapp 180 Millionen Franken an. Und dabei gibt die Viac nicht einmal Geld für Werbung aus.

Die konsequent digitale Ausrichtung hat aber auch einen Nachteil. Bei der Planung der Altersvorsorge gibt es komplexere Fragen, die manche Kunden gern in einem Beratungsgespräch erörtern. Die mit 3,5 Stellen besetzte Viac kann unmöglich ihren 12'000 Kunden eine persönliche Beratung anbieten. Das Viac-­Team betont aber, dass es im Normalfall Fragen von Kunden direkt per Chat, E-Mail oder Telefon beantworte.

Säule 3a mit Versicherung

Die Versicherung Generali hat bei einer Befragung festgestellt, dass drei Viertel ihrer Kunden vor der Vertragsunterzeichnung eine persönliche Beratung wünschen. Die Generali hat seit Ende 2018 eine digitale Säule 3a im Angebot. Auch hier ist ein digitaler Vertragsabschluss ohne Formularkrieg möglich. «Es reicht nicht mehr, wenn wir unseren Kunden einen starren Säule-3a-Fonds bieten, in den sie einmal jährlich einzahlen können – die Konsumenten wollen heute mehr Flexibilität», begründet Aline Brügger die Einführung der digitalen Säule 3a bei Generali. Sie ist dort verantwortlich für Produktmanagement Leben und Banken. Auch bei der Generali können Kontoinhaber wie beim E-Banking jederzeit beliebige Beträge in die Säule 3a einzahlen.

Eine App soll Kunden ohne grosses Finanzwissen darin unterstützen, innert weniger Minuten eine passende Anlagestrategie zu finden. Wie bei der Viac sind auch hier nachträgliche Änderungen der Strategie möglich. Der Vorteil der Generali gegenüber dem Start-up Viac: Sie kann eine persönliche Beratung anbieten. Digitalkunden, die diese beanspruchen, müssen dafür allerdings separat zahlen. Auch verlangt die Generali höhere Gebühren: Allein die Verwaltungskosten schlagen mit 0,75 Prozent zu Buche. Hinzu können Ausgaben für Courtagen kommen. Und schliesslich bezahlen Kunden bei der Generali auch noch eine Versicherungsprämie von jährlich 96 Franken. Dafür würde die Generali die Einzahlungen in die Säule 3a sicherstellen, wenn ein Kunde diese zum Beispiel infolge von Krankheit nicht mehr selbst finanzieren könnte. Die Regulierung schreibt vor, dass Versicherer solche Finanzprodukte mit einer Versicherung kombinieren müssen. Doch grundsätzlich ist es ratsam, Geldanlage und Versicherung zu trennen.

Erstellt: 01.07.2019, 18:01 Uhr

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Wie sicher ist die Säule 3a?

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Geld auf einem Säule-3a-Konto ist bis zu 100'000 Franken privilegiert gesichert. Das bedeutet, dass es im Fall eines Konkurses der Bank zur zweiten Konkursklasse gehört. Da der grösste Teil der Forderungen die 3. Konkursklasse betrifft, hat der Kunde recht gute Chancen, auch im schlimmstmöglichen Fall zu seinem Geld zu kommen. Auch Wertschriften sind in der Säule 3a gut gesichert. In der Regel zählen sie zum ausgesonderten Vermögen, das gar nicht in die Konkursmasse fällt, sondern den Eigentümern direkt zugeteilt wird.
Die Viac arbeitet mit der Terzo-Vorsorgestiftung der WIR-Bank zusammen, die wie andere
Säule-3a-Anbieter Guthaben bis 100'000 Franken je Kunde mit inländischen Sicherheiten im Umfang von 125 Prozent hinterlegt. (ki)

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