Private Vorsorge: Ältere und Männer tun es am ehesten

Beim Wissensstand über die 2. Säule gebe es grosse Lücken, sagt eine neue Studie.

Im Alter abgesichert: Männer führen den Entscheidungsprozess für die private Altersvorsorge eher zu Ende.

Im Alter abgesichert: Männer führen den Entscheidungsprozess für die private Altersvorsorge eher zu Ende. Bild: Franka Bruns/Keystone

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Landauf landab senken Pensionskassen ihre Leistungen für künftige Rentnerinnen und Rentner. Kommt dazu, dass die Sparguthaben der Versicherten wegen der anhaltend tiefen Zinsen auf dem Kapitalmarkt weniger schnell anwachsen als in früheren Jahren. Vor diesem Hintergrund gewinnt das private Vorsorgesparen zusehends an Bedeutung.

Auf den ersten Blick sieht es damit recht gut aus. Ein grosser Teil der erwachsenen Schweizer Bevölkerung verfügt über eine 3. Säule. Bereits bei den unter 30-Jährigen sind es über 50 Prozent, bei den Älteren steigt der Anteil auf über 80 Prozent an. Diese Zahlen vermitteln jedoch einen falschen Eindruck, denn längst nicht alle, die über eine private Vorsorge verfügten, sparten damit auch genug Geld an, um sich zusammen mit AHV und Pensionskassenrente im Alter den gewünschten Lebensstandard leisten zu können. Zu diesem Schluss kommt eine unlängst publizierte Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Im Auftrag des Zürcher Bankenverbandes untersuchten die Forscherinnen und Forscher das Entscheidungsverhalten in der privaten Altersvorsorge.

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Dazu führten sie eine repräsentative Umfrage unter 1004 Personen in der Deutschschweiz durch. Laut der Studie brechen 41,5 Prozent den Entscheidungsprozess für das private Alterssparen vorzeitig ab. Das heisst, sie sparen gar nicht oder zu wenig an.

Zu diesen gehören laut Studie vor allem jüngere Personen und Frauen: Sie setzen sich am wenigsten gerne mit Finanzthemen auseinander und beschäftigen sich entsprechend wenig mit ihrer Vorsorge. Eine zweite Gruppe gibt das Geld lieber aus, als es fürs Alter anzusparen. Darunter befinden sich sowohl Ältere wie Jüngere. Unter denjenigen, die den Entscheidungsprozess für die private Altersvorsorge zu Ende führen, sei der Männeranteil am grössten.

Zu wenig Geld für 3. Säule

Kaum überraschend ist der Befund der Studie, wonach die Motivation, sich mit Vorsorgethemen auseinanderzusetzen mit dem Alter zunimmt. Ein deutlicher Motivationsanstieg sei ab dem 55. Altersjahr zu erkennen: «Das Thema Altersvorsorge wird aktueller und die Pensionierung naht.»

Wer für die private Altersvorsorge anspart, tut dies hauptsächlich aus Gründen der Steuerersparnis (33 Prozent) oder weil er befürchtet, die 1. und 2. Säule würden allein nicht ausreichen (29 Prozent). Von denen, die gar keine 3. Säule hatten, sagten über 50 Prozent, ihnen fehle das Geld dafür. Nur ein verhältnismässig kleiner Teil verzichtet aufs private Vorsorgesparen, weil die Pensionierung noch zu weit weg ist.

Infografik: Warum haben Sie keine private Altersvorsorge? Grafik vergrössern

Die Forscherinnen und Forscher der ZHAW erkundigten sich auch nach dem Wissen über das schweizerische Vorsorgesystem. Dabei gaben die meisten Befragten (71 Prozent) die eigene Pensionskasse als wichtigste Informationsquelle an. Doch bei der 2. Säule stellten sie eine grosse Wissenslücke fest. So habe nur knapp die Hälfte korrekt angeben können, dass die berufliche Vorsorge auf dem Kapitaldeckungsverfahren beruhe. Auffallend sei, dass die Älteren kaum besser Bescheid wüssten als die Jüngeren. «Vielmehr bleibt der Wissensstand ab 30 Jahren relativ konstant», heisst es in der Untersuchung.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass ein grösseres Wissen auch das Interesse an der privaten Vorsorge steigern könnte. Es genüge indes nicht, die Information allein den Anbietern von Produkten der 3. Säule zu überlassen. So schlägt die Studie vor, dass vermehrt staatliche Stellen in Zusammenarbeit mit Arbeitgebern und Pensionskassen die Aufgabe übernehmen sollten, den Wissensstand der Bevölkerung effizient zu verbessern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2016, 10:43 Uhr

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