So stellt man die Putzfrau legal an

Auch Hausangestellte mit kleinen Pensen sind der AHV zu melden. Doch manch einer scheut den administrativen Aufwand – trotz erleichtertem Verfahren der AHV.

Nicht immer geht's bei der privaten Anstellung von Putzfrauen sauber zu und her. Foto: Holger Pooten

Nicht immer geht's bei der privaten Anstellung von Putzfrauen sauber zu und her. Foto: Holger Pooten

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Private Reinigungskräfte sind längst nicht mehr das Privileg der Reichen. Auch Normalverdiener leisten sich heute den Luxus einer eigenen Putzfrau. Das schafft Freiräume und erspart lästige Auseinandersetzungen über die Aufteilung der ungeliebten Arbeiten.

Den einen ist egal, wer ihre Fenster und ihr Badezimmer auf Hochglanz poliert, während sie ausser Haus sind; sie buchen die Reinigungskraft deshalb über eine Vermittlungsagentur. Andere ziehen es vor, selber zu wählen, wem sie ihre Privaträume anvertrauen. Damit machen sie sich zu Arbeitgebenden. Nicht jeder und jede nimmt es dabei mit den rechtlichen Bestimmungen so genau: Viele melden ihre Putzfrau nicht wie vorgeschrieben bei der AHV an. Sie scheuen den administrativen Aufwand oder geben vor, ihre Haushalthilfe wolle gar nicht versichert sein, weshalb sie ihr dafür einen besseren Lohn zahlten. Dabei verkennen sie, dass sie so ihre Putzfrau um den Versicherungsschutz bringen, der ihr bei Jobverlust oder Unfall zusteht. Zudem riskieren fehlbare Arbeitgeber ernsthafte Probleme mit den Sozialversicherungsbehörden, wenn sie auffliegen. Nebst saftigen Bussen drohen auch Strafanzeigen.

Um Privatpersonen dazu zu bringen, ihre Haushalthilfen korrekt anzumelden, bieten die AHV-Kassen seit einigen Jahren ein vereinfachtes Verfahren an. Dieses wird von einer stetig wachsenden Zahl von Arbeitgebern genutzt. Waren es im Jahr 2011 erst 24'000 Arbeitgeber, zählte man im Jahr 2015 bereits 54'000, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage mitteilt. Darunter befinden sich allerdings nicht nur Privatpersonen mit Hausangestellten, denn das vereinfachte Verfahren steht auch Kleinunternehmen zur Verfügung. Dennoch gehen die kantonalen Arbeitsämter davon aus, dass dank des vereinfachten AHV-Abrechnungsverfahrens die Schwarzarbeit in privaten Haushalten eher rückläufig sei.

Die Vorteile für Arbeitgeber

Damit ein Arbeitgeber vom vereinfachten Verfahren profitieren kann, darf seine Arbeitnehmerin oder sein Arbeitnehmer höchstens 21'150 Franken im Jahr verdienen. Höhere Löhne sind auch in der beruflichen Vorsorge zu versichern und kommen daher für das vereinfachte Verfahren nicht in Betracht. Wer mehrere Haushalthilfen beschäftigt, muss alle im vereinfachten Verfahren abrechnen.

Es genügt, das entsprechende Formular auszufüllen, um sich anzumelden. Dieses kann auf der Website der zuständigen kantonalen AHV-Ausgleichskasse heruntergeladen werden. Die Vorteile dieses Abrechnungsverfahrens sind:

Beiträge nur einmal pro Jahr: Die Sozialversicherungsbeiträge müssen der Ausgleichskasse nur einmal im Jahr abgeliefert werden. Beim ordentlichen Verfahren sind auch periodisch Akontobeiträge zu leisten.

Unfallversicherung: Wer für seine Putzfrau nicht bereits eine Unfallversicherung abgeschlossen hat, kann der Ausgleichskasse auf dem Anmeldeformular angeben, bei welchem Versicherer er seine Angestellte absichern möchte. Die Kasse leitet dies an den gewünschten Versicherer weiter. Gibt der Arbeitgeber keine Unfallversicherung an, wird er einer zugeteilt. Die Prämienrechnung stellt ihm der Versicherer direkt zu. Sie beläuft sich auf 100 Franken pro Jahr, damit sind Berufsunfälle bis zu einem Pensum von 8 Stunden pro Woche abgedeckt.

Steuern inbegriffen: Im vereinfachten Verfahren zieht der Arbeitgeber der Putzfrau auch die Steuern in der Höhe von 5 Prozent vom Lohn ab und liefert die Abzüge gleichzeitig mit den Sozialversicherungsbeiträgen der AHV-Kasse ab. Die Arbeitnehmerin profitiert damit von einem günstigeren Steuersatz als bei der regulären Besteuerung und muss ihren Lohn nicht mehr deklarieren. Für die Arbeitgeberin wiederum hat dies den Vorteil, dass sie keinen Lohnausweis für die Steuern ausstellen muss.

Auf der Website der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich www.svazurich.ch finden Arbeitgebende zudem einige nützliche Tools, so zum Beispiel ein elektronisches Formular für die monatliche Lohnabrechnung. Es ist auf die Vorgaben des vereinfachten Verfahrens ausgelegt, womit sich der Aufwand auf ein Minimum beschränkt. Es genügt, den Stundenansatz und die Zahl der geleisteten Stunden einzutragen, der Rest erledigt sich von selbst.

Solche Hilfsmittel sucht man bei den anderen kantonalen Ausgleichskassen vergebens. Oft findet man auf deren Websites auch nur schwer heraus, wie der AHV-Anmeldeprozess funktioniert. Damit unterlaufen die Behörden ihre eigenen Bemühungen, möglichst viele private Arbeitgeber dazu zu bringen, ihre Angestellten anzumelden. Vertreter einzelner Ausgleichskassen räumen ein, dass Optimierungsbedarf besteht, und geloben Besserung.

Schriftlicher Vertrag wichtig

Mit der Anmeldung der Putzfrau bei der AHV ist es für private Arbeitgeber nicht getan. Wie alle Arbeitnehmenden haben auch stundenweise beschäftigte Haushalthilfen einen Anspruch auf bezahlte Ferien. Und wenn die Putzfrau nicht arbeiten kann, weil sie krank ist, müssen Arbeitgebende ihr den Lohn trotzdem zahlen. Massgebend sind dabei die Vorgaben in den kantonalen Normalarbeitsverträgen (NAV) für Angestellte der Hauswirtschaft. Mit einem separaten schriftlichen Arbeitsvertrag kann man festlegen, dass für die Lohnfortzahlung die Bestimmungen des Obligationenrechts gelten. Dies ist vor allem jenen zu raten, die eine Haushalthilfe im Kanton Zürich beschäftigen. Tun sie das nicht und haben sie für ihre Putzfrau keine Krankentaggeldversicherung, riskieren sie, bei Krankheit den Lohn bis zu zwei Jahre entrichten zu müssen, auch wenn das Anstellungsverhältnis nur kurze Zeit gedauert hat.

Ein schriftlicher Vertrag lohnt sich grundsätzlich, weil er Klarheit über die getroffenen Vereinbarungen schafft und Streitigkeiten vermeidet. Zu beachten sind dabei auch die schweizweit geltenden Mindestlöhne, die der Bund festgelegt hat. Sie sind zwingend, kommen allerdings erst zum Zug, wenn eine Putzfrau im Schnitt mindestens fünf Stunden pro Woche arbeitet. Der minimale Bruttolohn für ungelerntes Hauspersonal liegt derzeit bei 18.55 Franken und bei 20.35 Franken für solche mit mindestens vierjähriger Berufserfahrung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.10.2016, 22:14 Uhr

Papierkram auslagern

Assistenten im Netz

Die Bequemlichkeit privater Arbeitgeber machen sich auch findige Unternehmen zunutze. Sie bieten massgeschneiderte Lösungen für die korrekte Anstellung einer privaten Haushalthilfe an. Jüngstes Produkt ist der Onlineassistent Fairboss.ch. Per Mausklick lässt sich damit etwa ein personalisierter Arbeitsvertrag für die Putzfrau erstellen. Auch das Ausfüllen des AHV-Anmeldeformulars erfolgt automatisch aufgrund der eingegebenen Personalien und Daten. Da die Formulare aller kantonalen AHV-Ausgleichskassen direkt über das Tool abgerufen werden können, können sich die Nutzerinnen die mühsame Suche auf den Websites ersparen. Die Basisleistungen von Fairboss.ch sind gratis. Wer den Onlineassistenten über längere Zeit nutzen will, etwa für das regelmässige Erstellen der Lohnabrechnung, zahlt pro Jahr 29 Franken.

Viel umfassender ist das Angebot von Quitt.ch, das bereits seit ein paar Jahren existiert. Die Plattform nimmt ihren Kundinnen und Kunden sämtliche administrative Arbeitgeberpflichten ab. Nebst der Anmeldung bei der AHV erledigt Quitt.ch auch das Abrechnen der Sozialversicherungsbeiträge, erstellt monatlich den Lohnausweis für die Putzfrau und überweist ihr das Geld. Dazu äufnen die Kundinnen laufend ihr Quitt-Prepaid-Konto. Die Komplettlösung hat ihren Preis: Zur Grundgebühr von 120 Franken kommen 5 Prozent vom Jahresbruttolohn der Haushalthilfe dazu. Im Preis enthalten ist indes auch die Prämie für die obligatorische Berufsunfallversicherung, für die der einzelnen Arbeitgeber im Normalfall allein 100 Franken zahlen müsste. Quitt.ch zählt nach eigenen Angaben heute gegen 5000 Kundinnen und Kunden. (afi)

Artikel zum Thema

Teilzeit arbeiten rächt sich im Alter

Recht & Konsum Frauen entscheiden sich oft schon in jungen Jahren, weniger zu arbeiten. An die Altersvorsorge denken dabei die wenigsten. Mehr...

Den Job wegen Aussehen oder Herkunft nicht erhalten?

Wer sich bewirbt, gibt viel von sich preis. So viel, dass Vorurteile dem Glück im Weg stehen? Eine Maschine könnte Abhilfe schaffen. Mehr...

Das grosse Mieter-Zittern beim Liegenschaftsverkauf

Bei dringendem Eigenbedarf muss sich der neue Besitzer nicht an die vertraglichen Fristen halten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Auf Abfall gebettet: Ein Arbeiter einer Wertstoffdeponie in Peschawar, Pakistan, ruht sich auf einem riesigen Berg Plastikmüll aus. (17. August 2017)
(Bild: Fayaz Aziz) Mehr...