Bei der Passkontrolle können Kinder zum Problem werden

Reist eine Familie ohne den Vater in die Ferien, sollte die Mutter belegen können, dass dieser damit einverstanden ist.

Das Flugzeug steht bereit, Frau und Kind auch. Doch der fehlende Papa kann zum Verhängnis werden. Foto: Ryan J. Lane (Getty Images)

Das Flugzeug steht bereit, Frau und Kind auch. Doch der fehlende Papa kann zum Verhängnis werden. Foto: Ryan J. Lane (Getty Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Tickets sind gebucht, die Ferienkoffer gepackt und die Kinder hocherfreut, ans Meer zu fliegen. Nur der Vater kann leider nicht mitkommen, weil er beruflich verhindert ist. Das trübt die Vorfreude etwas. Nie hätte Nadine Bartholet (Name geändert) aber gedacht, dass ihr dies am Flughafen zum Verhängnis werden könnte. Bis die Polizeibeamtin an der Grenzkontrolle fragt: «Haben Sie ein Dokument dabei, mit dem Sie der Vater zur Ausreise mit den Kindern ermächtigt?»

Nadine Bartholet ist perplex. Warum sollte sie mit ihren eigenen Kindern nicht ausreisen dürfen? Es gehe darum, Kindesentführungen zu vermeiden, erklärt die Polizeibeamtin. «Dann rufen Sie doch den Vater an, der kann Sie beruhigen», entgegnet die Mutter. Doch laut der Kontrolleurin taugt ein solches Telefonat nicht als Beweis. Stattdessen befragt sie selber die Kinder. Und zwei weitere Beamte stossen hinzu. Derweil wird die Mutter immer nervöser. Sie fürchtet, den Flug zu verpassen.

Nadine Bartholet ist kein Einzelfall. Wer alleine mit Kindern reist, muss mit einer solchen Befragung rechnen. Vor allem, wenn der eigene Nachname nicht mit jenem der Kinder übereinstimmt, was aufgrund des modernen Namensrechts öfter der Fall ist.

Die wenigsten wissen davon

Auch in den kommenden Sommerferien wird es wieder zu solch unangenehmen Situationen kommen, wie sie Nadine Bartholet erlebt hat. Die Kantonspolizei Zürich, die für die Grenzkontrolle am Flughafen in Kloten zuständig ist, empfiehlt für solche Fälle das Mitführen einer Vollmacht des anderen Elternteils. Darin ermächtigt dieser seine Partnerin oder seinen Partner, alleine mit den gemeinsamen Kindern ins Ausland zu verreisen.

Bloss: Von dieser Empfehlung der Polizei wissen die wenigsten Reisenden. So kommt es am Flughafen immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen. Das Recht ist dabei auf der Seite der Passkontrolleure. Steht doch im Schengener Grenzabkommen, das die Schweiz unterzeichnet hat: «Bei begleiteten Minderjährigen überprüft der Grenzschutzbeamte, ob die Begleitperson gegenüber dem Minderjährigen sorgeberechtigt ist.» So will man verhindern, dass Kinder ins Ausland entführt werden.

Die Beamten haben dabei einen grossen Ermessensspielraum. Sie würden auf ihre Erfahrung abstellen und je nach Gesamteindruck eine Überprüfung vornehmen, sagt Carmen Surber, Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich. Bei dieser Einschätzung berücksichtigen die Grenzkontrolleure auch die Destination der Passagiere sowie das Verhalten der Kinder und der begleitenden Person. Nicht alle, die allein mit ihren Kindern verreisen, werden also nach einer Vollmacht gefragt. Aber es kann jeden und jede treffen.

Das Gesetz verpflichtet freilich niemanden, eine Ermächtigung des zurückbleibenden Elternteils bei sich zu haben. Es gibt dafür auch kein Formular oder bestimmte Formvorschriften. Aber man kann sich mit einem solchen Papier eine Menge Ärger ersparen.

Die Zürcher Kantonspolizei rät, die «Einverständniserklärung» für jede Reise neu abzufassen und zu unterschreiben. Zusätzlich solle man eine Passkopie des zu Hause bleibenden Sorgeberechtigten mitnehmen. Auch empfehle sich, in der Erklärung dessen Telefonnummer aufzuführen. Weitere hilfreiche Informationen sind gemäss Kantonspolizei: das Datum der Reise, die Reisedauer und der Reisegrund.

Notfalls Ausreise verweigern

Noch wichtiger ist ein solches Schreiben, wenn man mit einem befreundeten Nachbarskind oder einem Patenkind verreist. Wer eine entsprechende Vollmacht vorweisen kann, dürfte bei der Passkontrolle keine grösseren Probleme haben. Wer davon nichts weiss oder das Papier vergisst, muss damit rechnen, dass er im schlimmsten Fall wegen der Abklärungen den Flug verpasst. Bei begründetem Verdacht kann die Ausreise der Kinder gar ganz verweigert werden. «In den meisten Fällen ist dies kein Problem, aber es kann eines werden», erläutert Carmen Surber von der Zürcher Kantonspolizei.

Nadine Bartholet hat es am Ende doch noch auf den Flug gereicht. Warum, weiss sie nicht genau. Vielleicht, weil sie Verständnis für die Abklärungen zeigte. Vielleicht, weil sie darauf drängte, den Flieger noch zu erwischen. Reicht es einmal nicht mehr, müssen die Betroffenen die Folgen selbst tragen. Es liege «in der Verantwortung des Passagiers, für die korrekte und vollständige Reisedokumentation Sorge zu tragen», heisst es bei der Airline Swiss. Auch seien die Reisenden selbst dafür verantwortlich, dass sie für allfällige Befragungen genügend Zeit einberechnen, argumentieren die Fluggesellschaften.

Bei Flügen nach Südafrika überprüft die Swiss von sich aus das Vorhandensein der notwendigen Dokumente – beim Baggage-Drop-off oder am Abflug-Gate. Denn für Reisen mit Kindern nach Südafrika gelten besonders strenge Vorschriften (siehe Box). Wer dagegen mit dem Zug oder dem Auto in ein Nachbarland fährt, hat weniger zu befürchten. Denn systematische Grenzkontrollen finden nur an den Schengen-Aussengrenzen statt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2018, 18:17 Uhr

Heikle Destinationen

Einige Länder sind besonders vorsichtig, wenn es um Reisen von Minderjährigen geht. Am strengsten ist dabei Südafrika. Dort müssen Kinder für die Ein- und Ausreise nebst dem Reisepass auch ihre «ungekürzte» Geburtsurkunde dabeihaben. Will heissen: Die Urkunde muss Informationen zu beiden Elternteilen zum Zeitpunkt der Eintragung enthalten.

Das Dokument muss selbst dann vorgewiesen werden, wenn beide Eltern das Kind begleiten. Reist nur ein Elternteil mit, braucht es zusätzlich eine eidesstattliche Erklärung des zurückbleibenden Sorgeberechtigten. Diese Erklärung darf zum Zeitpunkt der Reise nicht mehr als drei Monate alt sein. Und alle nicht auf Englisch verfassten Dokumente müssen durch eine beglaubigte Übersetzung durch die zuständigen Behörden ergänzt werden.

Noch umfassender sind die Vorschriften, wenn kein Elternteil mitfliegt. Wer mit Kindern nach Johannesburg reist, sollte sich daher zuvor bei der südafrikanischen Botschaft erkundigen, welche Anforderungen im konkreten Fall gelten. Die Airlines sind von Südafrika angehalten, die vorgeschriebenen Dokumente zu überprüfen. Sind diese nicht komplett, lassen sie die Passagiere gar nicht erst ins Flugzeug einsteigen.

Verschärfte Vorschriften gelten auch bei Reisen nach Brasilien, Bolivien und Costa Rica, sofern die Minderjährigen Bürger dieser Länder sind (auch wenn sie Doppelbürger sind). Vor solchen Reisen empfiehlt es sich ebenfalls, die jeweilige Botschaft oder das Konsulat zu kontaktieren.

Weitere Informationen finden Interessierte in den Reisehinweisen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten auf dessen Website. (is.)

Artikel zum Thema

Flughafen Kloten macht das Ausreisen einfacher

Automatisierte Passkontrolle bei der Ausreise und zusätzliche Grenzkontrollschalter: Was sich für Flugpassagiere in Zürich ändert. Mehr...

Automatische Passkontrolle in Kloten – so funktionierts

Video Eine neues System mit Gesichtserkennung soll uns am Flughafen den kritischen Blick des Grenzwächters ersparen. Im Video zeigt Tagesanzeiger.ch/Newsnet, wie das geht. Mehr...

Der Flughafen Zürich setzt ab Herbst auf Gesichtserkennung

Automatische Gates bei der Passkontrolle: In Kloten werden Passagiere neu gescannt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Umstrittene Tradition: Der spanische Matador Ruben Pinar duelliert sich am San Fermin Festival in Pamplona mit einem Stier. (14. Juli 2018)
(Bild: Susana Vera ) Mehr...