Was passiert, wenn Sie die AHV nicht einzahlen

Achtung bei längeren Reisen ins Ausland. Das kann Sie Rente kosten.

Reisefreudige können nach ihrer Rückkehr in die Schweiz die AHV-Beiträge nachzahlen. Foto: Andrew Watson (Getty Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Planen Sie, Ihr Studium an einer ausländischen Universität fortzusetzen? Haben Sie vor, längere Zeit auf Reisen zu gehen oder für Ihre berufliche Karriere ein paar Jahre im Ausland zu verbringen? Vergessen Sie die AHV nicht! Wer aus der Schweiz wegzieht, ist in der Regel nicht mehr der hiesigen Altersvorsorge unterstellt. Das kann zu Beitragslücken führen, welche die Rente schmälern. Für jedes Jahr, in dem man keine Beiträge in die AHV einzahlt, wird die Rente um rund 2,3 Prozent gekürzt. Ein paar fehlende Beitragsjahre bewirken bereits empfindliche Einbussen.

Von den 76'000 Schweizerinnen und Schweizern, die im Jahr 2015 erstmals eine AHV-Rente bezogen haben, konnten rund 12 Prozent keine vollständige Beitragszeit nachweisen. Beitragslücken hängen nach Angaben des Bundesamts für Sozialversicherungen meist mit Auslandaufenthalten zusammen. Dabei ist es in vielen Fällen möglich, sich der AHV auch aus dem Ausland anzuschliessen. Doch müssen Interessentinnen und Interessenten sich selber rechtzeitig kundig machen. Die AHV-Behörden informieren niemanden von sich aus; sie haben auch keine Kenntnis, ob sich jemand ins Ausland abmeldet.

Dessen sind sich viele nicht bewusst. Oft komme es nur deshalb zu Beitragslücken, weil im Ausland lebende Bürgerinnen und Bürger zu spät realisierten, dass sie die Versicherung hätten fortführen können, heisst es bei der Auslandschweizer-Organisation (ASO). So verpassten sie die vorgeschriebenen Anmeldefristen. Das lasse sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren.

Wer kann denn im Ausland in der AHV bleiben, was sind die Bedingungen, was ist zu tun? Nachfolgend die wichtigsten Regeln. Sie gelten nicht nur für Schweizer Staatsangehörige, sondern auch für EU-Bürgerinnen und -Bürger.

  • Studierende und Weltenbummlerinnen:
    Wer sich für eine kürzere Zeit zu Studien- und Reisezwecken ins Ausland begibt, bleibt der AHV unterstellt. Der Grund ist, dass Studentinnen und Globetrotter in der Regel im Ausland keinen neuen Wohnsitz begründen. Ihr zivilrechtlicher Wohnsitz befindet sich daher weiterhin in der Schweiz, auch wenn sie sich hier abmelden und ein paar Jahre im Ausland bleiben. Damit keine Beitragslücken entstehen, müssen sie sich spätestens nach ihrer Rückkehr bei der AHV melden und die ausgefallenen Beiträge nachzahlen.

    Studentinnen und Studenten, die für einen längeren Studienaufenthalt ins Ausland ziehen und ihren Schweizer Wohnsitz aufgeben, können die AHV freiwillig bis zum 30. Geburtstag weiterführen. Wer davon profitieren will, muss innerhalb von sechs Monaten ab Studienbeginn im Ausland ein Gesuch an die AHV stellen.

  • Entsandte eines Schweizer Arbeitgebers: Arbeitnehmende, die von einem Schweizer Arbeitgeber ins Ausland entsandt werden, bleiben ebenfalls in der AHV. Sie brauchen auch nichts zu unternehmen. Mit Entsendung ist gemeint, dass man für eine beschränkte Zeit – maximal sechs Jahre – in einem Staat tätig ist, mit dem die Schweiz ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. Dazu gehören nebst den EU- und Efta-Mitgliedern eine Reihe anderer Länder. Die jeweils aktuelle Liste ist beim Bundesamt für Sozialversicherungen zu erfahren.

    Wer nach Ablauf der Entsendung beim Schweizer Arbeitgeber angestellt bleibt, kann fakultativ in der AHV verbleiben. Dazu braucht es aber das Einverständnis des Schweizer Arbeitgebers, weil dieser sich ebenfalls weiterhin an den AHV-Beiträgen beteiligen muss.

  • Übrige Erwerbstätige mit Schweizer Arbeitgeber: Alle anderen Arbeitnehmenden, die im Ausland bei einem Schweizer Unternehmen angestellt sind, ohne aber entsandt zu sein, können ebenfalls fakultativ die AHV weiterführen. Der Arbeitgeber muss zustimmen. Eine weitere Bedingung ist, dass man vor der Ausreise mindestens fünf Jahre hintereinander in der AHV versichert gewesen ist. Für den Verbleib in der Versicherung muss man innerhalb von sechs Monaten ein Gesuch an die AHV stellen.

  • Auslandschweizer in einem EU- oder Efta-Staat: Arbeitnehmende ohne Schweizer Arbeitgeber, die in einem EU- oder Efta-Mitgliedsstaat leben, unterstehen dem Sozialversicherungssystem des Wohnsitzlandes. Sie können sich nicht bei der AHV versichern. Es ist auch nicht möglich, nach der Rückkehr in die Schweiz die entstandenen Lücken zu füllen. Das gilt auch für Personen, die nicht berufstätig sind.

  • Alle übrigen Ausgewanderten, mit oder ohne Job: Wer irgendwo sonst im Ausland lebt, erwerbstätig oder nicht, dem steht die freiwillige AHV offen. Voraussetzung ist wiederum, dass man zuvor fünf Jahre der AHV angehört hat. Sobald man die Schweiz verlässt, hat man ein Jahr Zeit, die Beitrittserklärung bei der Schweizerischen Ausgleichskasse in Genf einzureichen.

    Die freiwillige Versicherung geht aber für erwerbstätige Auslandschweizer ins Geld: Weil der Arbeitgeberanteil entfällt, zahlen sie selber höhere Beiträge. Sie müssen 9,8 Prozent von ihrem im Ausland erzielten Lohn abliefern. Wer nicht arbeitet, wird aufgrund des Vermögens und allfälligen Renteneinkommens eingestuft, zahlt aber in jedem Fall den Mindestbeitrag von 914 Franken pro Jahr. Die freiwillige AHV setzt zudem eine strenge Zahlungsdisziplin voraus. Die Beiträge sind pünktlich zu entrichten, sonst wird man aus der Versicherung ausgeschlossen.

  • Ehegatten und eingetragene Partnerinnen: Nicht erwerbstätige Ehegatten sind in der Schweiz über ihre/n Partner/innen mitversichert, wenn diese/r genug verdient. Dieser Automatismus gilt bei einem Wegzug ins Ausland nicht. Jede Person muss sich selber bei der AHV anmelden. Beiträge zahlen Ehegatten indes auch im Ausland keine, solange der berufstätige Partner wenigstens den doppelten Mindestbeitrag abliefert.

Lücken schliessen

Beitragslücken lassen sich unter gewissen Umständen nachträglich schliessen. Zum Beispiel mit sogenannten Jugendjahren. Das sind Beiträge, die jemand vor dem 21. Altersjahr in die AHV einbezahlt hat. Diese werden für die reguläre Rentenberechnung nicht berücksichtigt, können aber zum Auffüllen von Lücken angerechnet werden. Mit der Reform der Altersvorsorge 2020 wird es künftig auch möglich sein, Lücken aufzufüllen, indem man über das Rentenalter hinaus arbeitet.

Für Beitragslücken, die in der Schweiz entstanden sind, gibt es ausserdem die Möglichkeit der Nachzahlung. Das setzt aber voraus, dass man die Lücken rechtzeitig realisiert. Fehlende AHV-Beiträge sind maximal fünf Jahre nachzahlbar. Ein Risiko für fehlende Beitragsjahre in der Schweiz haben etwa Personen, die viele kurze Arbeitseinsätze bei verschiedenen Arbeitgebern haben und nicht immer genug verdienen, um den jährlichen Mindestbeitrag zu entrichten.

Es kommt auch immer wieder vor, dass Arbeitgeber die AHV-Beiträge ihrer Angestellten nicht an die Ausgleichskasse überweisen. Dann müssen die betroffenen Arbeitnehmenden belegen, dass sie in der fraglichen Zeit gearbeitet haben und ihnen die Beiträge vom Lohn abgezogen worden sind. Gelingt dieser Beweis, werden ihnen auch die Einkommen gutgeschrieben.

Erstellt: 03.04.2017, 09:45 Uhr

Artikel zum Thema

Rente: Beitragslücken gehen bös ins Geld

Geldblog Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse verbessern die Vorsorgesituation und sparen Steuern. Zum Blog

Alter schützt nicht vor Rentenkürzung

Recht & Konsum Die Unfallversicherung streicht einem Versicherten wenige Jahre vor der Pensionierung die Rente. Rechtlich ist es zulässig. Mehr...

Teilzeit arbeiten rächt sich im Alter

Recht & Konsum Frauen entscheiden sich oft schon in jungen Jahren, weniger zu arbeiten. An die Altersvorsorge denken dabei die wenigsten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Mit dem Zug durch Europa

Statt Flugscham lockte das Abenteuer. Wie eine Familie beschloss, mit dem Zug an die Strände Nordspanien zu fahren.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...