Diese Vergleichsportale lohnen sich am meisten

Krankenkasse, Handy, Autoversicherung, Hypothek: Mit welchen Onlinediensten Sie Geld und Nerven sparen.

Wer online Preise und Dienstleistungen vergleicht, sollte auch den richtigen Vergleichsdienst wählen. Bild: Delmaine Donson (iStockphoto)

Wer online Preise und Dienstleistungen vergleicht, sollte auch den richtigen Vergleichsdienst wählen. Bild: Delmaine Donson (iStockphoto)

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Es wäre untertrieben, Comparis als eines der führenden Schweizer Vergleichsportale zu be­zeichnen. Der Branchenleader lässt die Konkurrenz mit einem geschätzten Marktanteil von ­ungefähr ­90 Prozent weit hinter sich. Die Internetseite zählt mit bis zu 80 Millionen Besuchen im Jahr zu den bestgenutzten der Schweiz. Die Konkurrenz kommt nur auf einen Bruchteil davon. Doch trotz überragender Grösse und Bekanntheit bietet Com­paris längst nicht in allen Bereichen den besten Service, wie ein ­Vergleich der Vergleichsdienste zeigt.

Krankenkassen

Schon lange bekannt ist Comparis als Orientierungshilfe bei den Krankenversicherungs-Prämien. Die Angaben einer fiktiven Musterfamilie lassen sich dort im System leicht erfassen. Die Resultate werden anschliessend als Rangliste in einer Auswahl angezeigt – die günstigste Kasse ­zuerst. Standardmässig sehen Interessierte jedoch nur diejenigen Kassen, mit denen Comparis einen Vertrag hat und die für die ­Vermittlung von Kunden eine Gebühr erhält.

Es ist zwar möglich, die Ansicht in zwei Schritten umzustellen, doch etliche Besucher kommen vermutlich gar nicht auf die Idee, dass sie von der «Standard-» in die «Vollansicht» wechseln müssten. Im verwendeten Beispiel hätte eine Familie das günstigste ­Angebot nicht ­gefunden, wenn sie bei der Standardansicht ­geblieben wäre.

Ebenfalls verschiedene Ansichten erhält der Nutzer beim vor allem in der Westschweiz gut genutzten Vergleichsdienst ­Bonus und bei Anivo. Der letztgenannte ist ein Versicherungsbroker, der auf seiner Website ­offen weiterführende Beratung anbietet.

Andere Vergleichsportale wie Moneyland, Verivox, Dschungelkompass und Swupp listen stets alle Angebote auf, die auch auf der staatlichen Plattform Priminfo erscheinen. Doch auch hier gibt es einen entscheidenden Unterschied. Wo Verträge mit Krankenversicherungen für Vermittlungsgebühren bestehen, ist das durch farbig markierte Buttons wie zum Beispiel «Gratis-Offerte» gekennzeichnet. Das führt direkt zur Offertanfrage, während bei den nicht markierten Angeboten der Konsument selber die Internetadresse suchen muss. Das ist bei Moneyland, Verivox und Dschungelkompass der Fall.

Swupp geht noch einen Schritt weiter: Die Offertbestellung, die den Vergleichsportalen eine Gebühr von rund 40 Franken bringt, entfällt komplett. Stattdessen können sich Konsumenten gleich direkt bei allen Krankenkassen für die Grundversicherung anmelden. Die Adresse muss nur einmal eingetippt werden – das Kündigungsschreiben kann damit auch gleich ausgedruckt werden.

Handytarife

Neben Prämien von Krankenversicherungen vergleichen Konsumenten oft auch Telecomtarife. Hier hat das Portal Dschungelkompass die Nase vorn. Es startete im Jahr 2012. Oliver Zadori legte mit einer Abschlussarbeit den Grundstein für seinen Einmannbetrieb. Bei Dschungelkompass können Konsumenten am meisten Kriterien definieren. Bei einem Abo lässt sich zum Beispiel auch die Nutzung im Ausland mit Anzahl Anrufen, Datenvolumen und Länderauswahl berücksichtigen. Ebenso sind die Tarife in Kombination mit Internetabo oder Digital-TV zu Hause erfasst. Trotz vielschichtigem Kriterienkatalog ist eine einfache und intuitive Suche möglich. Bonus und Verivox gehen ähnlich vor wie Dschungelkompass und bietet Nutzern Möglichkeiten, um ein passendes und günstiges Angebot zu finden.

Comparis wählt ein gröberes Raster: Wer Tarife vergleichen will, kann zwischen einigen Kategorien wie «Mittelnutzer» und einigen weiteren auswählen. Nicht berücksichtigt werden SMS. Diese sind manchmal wichtig, da SMS vor allem in Prepaid-Paketen öfters nicht enthalten sind und bei der Rechnung für unangenehme Überraschungen sorgen können.

Im Vergleich dazu fallen die restlichen Anbieter ab. Bei Moneyland können Interessierte immerhin eine PDF-Datei mit einer Vergleichsübersicht gratis herunterladen. Bald wird hier aber auch ein Rechner für Handytarife aufgeschaltet, verspricht Geschäftsführer Benjamin Manz. Bereits heute können Nutzer Roamingtarife vergleichen.

Hypotheken

Wer Wohneigentum kauft, möchte wissen, welche Zinssätze für Hypotheken die Banken anbieten. Diesen Service bietet allerdings fast kein Vergleichsportal. Comparis verlangt nur Kontaktangaben, die sie an ihre Schwestergesellschaft Hypoplus weiterleitet. Wer sich anmeldet, wird zu einem persönlichen Beratungsgespräch aufgefordert, bei dem es darum geht, eine Hypothek zu vermitteln. Hypoplus verdient daran mit einer Provision. ­Verivox und Bonus handhaben dies ähnlich.

Einzig Moneyland nimmt von den hier erwähnten Anbietern die Aufgabe eines Vergleichs­portals wahr. Nach wenigen ­Ein­gaben zur Finanzierung ­listet es rasch und unkompliziert eine Auswahl in einer Rangliste auf. Moneyland vergleicht 120 Produkte von rund 50 Banken oder Versicherungen. Zu sehen sind Richtzinssätze und der Spar­vorteil in absoluten Zahlen. ­Diese Zahlen sind natürlich nicht in ­jedem Fall verbindlich. Be­sonders bei höheren Richtzinssätzen können Kunden je nach Bank und finanzieller Ausgangslage bessere Bedingungen aushandeln.

Autoversicherung

Bei den Autoversicherungen schneidet Comparis am besten ab. Die Abfrage ist zwar etwas aufwendig. Aber das ist notwendig, da viele Detailangaben zum Fahrzeug erforderlich sind, um die Prämien seriös kalkulieren zu können. Verivox, Bonus und ­Anivo bieten einen ähnlichen Vergleich. Comparis punktet mit Zusatzleistungen: So gibt es auf der Internetseite hilfreiche Hinweise zu administrativen Belangen, ebenso weiterführende Informationen zur Finanzierung, einen Kündigungs-Musterbrief, Kundenzufriedenheits-Bewertungen der Versicherer oder ein Tool, das einen daran erinnert, die Versicherung rechtzeitig zu kündigen. Comparis thematisiert auch das neuere Versicherungsmodell «Pay How You Drive». ­Dabei wird die Prämienhöhe anhand des Fahrstils berechnet. Grundlage dafür ist ein Gerät, das die Fahrdaten ermittelt.

Moneyland, Dschungelkompass und Swupp haben keinen Vergleich für Autoversicherungen. Moneyland schaltet aber schon bald ein entsprechendes Angebot auf, wie Geschäftsführer Benjamin Manz sagt.

Fazit

Die Auswahl der Fragen widerspiegelt nur einen begrenzten Ausschnitt des Angebots der Schweizer Vergleichsportale. Doch das reicht für folgendes Fazit: Comparis ist längst nicht in allen Belangen besser als die Konkurrenz. Wobei diese bewusst auch die Schwächen des Branchenleaders nutzt, um den Konsumenten dort ein attraktiveres Angebot zu offerieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.07.2018, 18:09 Uhr

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