Betreibungsregisterauszug

Der Deal «Geld gegen Rückzug» soll sich weniger lohnen

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Jede fünfte Betreibung wird zurückgezogen, schätzen Fachleute. Meist geschieht dies, nachdem der Schuldner den geforderten Betrag ganz oder teilweise bezahlt hat. Dem Rückzug geht oft ein Deal «Geld gegen Rückzug» voraus. Beiden Parteien ist damit gedient: Der Gläubiger erhält sein Geld, der Schuldner verbessert seinen Zahlungsleumund, denn zurückgezogene Betreibungen werden im Register gelöscht.

Schuldner können somit über einen makellosen Betreibungsregisterauszug verfügen, obwohl sie viele Rechnungen erst zahlen, wenn sie betrieben werden. Experten kritisieren dies: «Bezahlt eine Person wiederholt erst im Kontext einer begründeten Betreibung, liegt der Schluss nahe, dass es mit ihrer Zahlungswilligkeit nicht zum Besten steht», sagt Rechtsanwalt Jean-Daniel Schmid, Verfasser von Fachartikeln zum Thema. «Die Aussagekraft des Betreibungsregisters ist in solchen Fällen herabgesetzt, weil der Auszug eine Zahlungswilligkeit vorgaukelt, die gar nicht besteht.»

David Rüetschi vom Bundesamt für Justiz sieht das ähnlich: «Durch Rückzüge werden Betreibungen gelöscht, obwohl sie für künftige Gläubiger interessant wären. An bezahlten und zurückgezogenen Betreibungen haben Gläubiger sogar am meisten Interesse, weil sie zeigen, ob jemand nur unter Druck zahlt.»

Dass solche Betreibungen aus dem Register verschwinden, findet Anwalt Schmid «umso stossender, als sie mehr aussagen über das Zahlungsverhalten eines Schuldners als etwa Betreibungen, die mittels Rechtsvorschlag gestoppt und vom Gläubiger nicht weiterverfolgt werden». Trotzdem blieben Letztere im Register stehen. Schmid schlägt daher vor, Rückzüge infolge Zahlung künftig im Register anders zu behandeln als Rückzüge aus einem Grund, der keine Rückschlüsse auf die Bonität des Betriebenen erlaubt – etwa nach einer irrtümlichen Betreibung. Dazu müssten Gläubiger einen Rückzug aber begründen, was heute nicht der Fall ist. (thm)

Erstellt: 19.06.2017, 10:02 Uhr

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