Fahrerflucht: Wer bezahlt den Schaden am Auto?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Versicherung.

Kein schöner Anblick – und wer bezahlt den Schaden? Foto: schadenladen.de

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Als ich gestern zu meinem geparkten neuen Wagen zurückkehrte, bemerkte ich auf einer Seite über die halbe Länge tiefe Kratzspuren im Lack. Der Schaden muss passiert sein, als ein Auto aus dem benachbarten engen Parkfeld herausfuhr. Der Automobilist hat sich aber aus dem Staub gemacht, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Deshalb habe ich die Polizei gerufen; ein Rapport wurde erstellt. Da ich keine Kaskoversicherung habe, befürchte ich, dass der teure Schaden an mir hängen bleibt. Gibt es eine andere Lösung?

 Ja, es gibt sie: Sie können Ihren Schaden dem Nationalen Garantiefonds (NGF) melden. Allerdings haben Sie einen Selbstbehalt von 1000 Franken zu bezahlen. Die bekanntlich teuren Reparaturkosten für die Karosserie dürften den Selbstbehalt jedoch weit übersteigen.

Der NGF, ein Verein, dem gestützt auf das Strassenverkehrsgesetz alle Motorfahrzeughaftpflicht-Versicherer der Schweiz angehören, deckt alle Schäden, die entweder durch unbekannte oder durch nicht versicherte Fahrzeuge in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein verursacht worden sind.

Der oben erwähnte Selbstbehalt soll verhindern, dass der Garantiefonds sich mit Bagatellschäden zu befassen hat. Er ist nur bei Schäden mit Fahrerflucht anwendbar, entfällt jedoch, wenn ein nicht versichertes Fahrzeug den Schaden verursacht hat sowie in Fällen mit erheblichem Personenschaden.

Der Fonds bezahlt nur, sofern die Schäden nicht durch eine andere Versicherung (zum Beispiel Kasko) gedeckt sind, und auch dann nur, wenn ein an Ort und Stelle aufgenommener Polizeirapport vorliegt, Letzteres wegen der Gefahr von Versicherungsbetrug.

Jeder Fahrzeughalter trägt mit einem Zusatz zu seiner Versicherungsprämie von derzeit weniger als vier Franken pro Jahr, der Zwecksteuer, zur Finanzierung des Fonds bei. Zurzeit deckt der Garantiefonds jährlich Schäden (inklusive Bearbeitungskosten) von rund 12 Millionen Franken nach dem Motto «Kein Verkehrsopfer soll leer ausgehen». Dank europaweiter Abkommen können Schweizer und hier wohnsitzberechtigte Ausländer im jeweiligen Unfall-Land wie die dort wohnhaften Lenker ihre Ansprüche geltend machen. Allerdings werden in den meisten Ländern bei Schädigung durch unbekannt nur Personenschäden entschädigt.

Ein Schaden kann dem Garantiefonds über die Telefonnummer 0800 831 831 oder per E-Mail: info@nbi-ngf.ch gratis gemeldet werden zur Abklärung und Erledigung des Schadens. Beim Fonds erhalten Sie auch Auskünfte zu Unfällen im Ausland oder zu solchen mit ausländischen Fahrzeugen in der Schweiz (weitere Infos unter www.nbi-ngf.ch).

Erstellt: 15.11.2015, 17:41 Uhr

Ann Schwarz beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, zum Konsumrecht, zum Sozialversicherungsrecht und zum Familienrecht. Senden Sie uns Ihre Fragen an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch

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