Für ein perfektes Kindergebiss scheuen Eltern keine Kosten

Versicherungen bieten verschiedene Finanzierungslösungen für Zahnkorrekturen an. Lohnt sich das?

Teuer, aber stark nachgefragt: Korrekturen von Zahnfehlstellungen bei Kindern. Foto: David Cayless (Getty Images)

Teuer, aber stark nachgefragt: Korrekturen von Zahnfehlstellungen bei Kindern. Foto: David Cayless (Getty Images)

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Wenn Kinder eine Zahnspange benötigen, fallen schnell Kosten von mehreren Tausend Franken an. Für komplexe Korrekturen von Zahnfehlstellungen sind es bis zu 10'000 Franken oder mehr. Da die Grundversicherung dafür nicht aufkommt, können solche Ausgaben ohne zusätzliche Absicherung das Familienbudget stark belasten. Die meisten Krankenversicherungen bieten in ihren Zusatzversicherungen für die ambulante Krankenpflege auch Leistungen für Zahnkorrekturen an.

Diese variieren stark, wie ein Vergleich der Angebote einiger der grössten Krankenkassen zeigt. Keine bietet eine volle Abdeckung für die Kosten von Zahnkorrekturen. Die Beiträge an die Kosten sind meist pro Jahr beschränkt – in jedem Fall aber übernehmen die Kassen höchstens einen Anteil; dieser liegt zwischen 50 und 80 Prozent.

Grafik: Was Versicherungen für Zahnbehandlungen von Kindern und Jugendlichen zahlen Zum Vergrössern klicken

Kommt dazu, dass viele Zusatzversicherungen die zahnärztlichen Leistungen nur zu dem Tarif vergüten, wie er auch im Krankenversicherungsgesetz vorgesehen ist. Stellt ein Zahnarzt einen höheren Tarif in Rechnung, müssen Eltern die Differenz selber bezahlen. Das kann im schlechtesten Fall heissen, dass sie trotz Versicherung am Ende auf mehr als der Hälfte der Kosten sitzen bleiben.

Wer dies verhindern will, kann zusätzlich eine separate Zahnversicherung abschliessen. Eine solche haben alle Versicherer im Angebot, meist mehrere Modelle mit unterschiedlichen Kostenbeiträgen. Bei einigen, wie etwa der Groupe Mutuel, ist eine separate Zahnversicherung gar die einzige Möglichkeit, um Leistungen für Zahnstellungskorrekturen von Kindern zu bekommen.

Bis zu 50 Franken im Monat

Die Zahnversicherungen sind nach Angaben der Krankenkassen sehr beliebt und werden rege genutzt. Sie haben den Vorteil, dass sie nicht nur für Korrekturen aufkommen, sondern auch für andere Zahnbehandlungen sowie für Kontrollen oder die Dentalhygiene. Je nach Modell der Zahnversicherung, lassen sich die verbleibenden Kosten einer Korrektur abdecken. Für einen zusätzlichen Beitrag von 2000 bis 5000 Franken pro Jahr können indes Prämien bis zu 50 Franken im Monat oder mehr anfallen. Bei einzelnen Produkten steigen sie mit zunehmendem Alter.

Auch lässt sich eine Zahnversicherung nicht erst abschliessen, wenn eine Korrektur bereits absehbar ist, man muss dies frühzeitig tun. Bis zu dem Zeitpunkt, in welchem die Behandlungen in der Regel durchgeführt werden, vergehen meist mehrere Jahre, in denen man ohne weiteres ein paar Tausend Franken an Prämien entrichtet.

«Da muss man sich schon fragen, ob sich das lohnt, um im besten Fall einen zusätzliche Kostenbeitrag zu erzielen, der nur ein paar Tausend Franken ausmacht», sagt Tatjana Merz-Kursawe, Versicherungsexpertin beim Vermögenszentrum (VZ). Oft wäre es besser, das Geld auf die Seite zu legen. Nicht alle bringen die ­nötige Disziplin dafür auf, weshalb eine Zahnzusatzversicherung in manchen Fällen die bessere Lösung sein könne, meint Merz-Kursawe.

Nachfolgend ein paar Tipps, worauf Eltern beim Versicherungsschutz achten sollten:

Zeitpunkt: Schliessen Sie eine Zusatzversicherung für ambulante Leistungen ab, bevor ihr Kind ein ärztliches Attest benötigt. Ein solches verlangen alle Versicherer ab einem bestimmten Alter, manche bereits nach dem 3. Geburtstag. Verpassen Sie den richtigen Zeitpunkt und ergibt eine spätere ärztliche Untersuchung bereits Auffälligkeiten bei der Zahnstellung des Kindes, ist eine Aufnahme in die Zusatzversicherung nicht mehr möglich, oder man riskiert, dass diese später die gewünschten Leistungen verweigert.

Kostendeckung: Achten Sie bei der Wahl der Kasse darauf, dass diese einen möglichst hohen Anteil der Kosten von Zahnkorrekturen übernimmt. «Er sollte mindestens 75 Prozent betragen», sagt Versicherungsexpertin Tatjana Merz-Kursawe. Erkundigen Sie sich, welchen Tarif die Versicherung für zahnärztliche Leistungen anwendet. Ist dieser begrenzt, sind Sie bei der Wahl der Zahnärzte eingeschränkt, sofern Sie nicht auf hohen Kosten sitzen bleiben wollen. Hat Ihr Kind bereits eine Versicherung und stellen Sie fest, dass die Leistungen zu gering sind, sollten Sie sich zuerst den Wechsel zu einer Kasse mit besserer Kostendeckung überlegen. Das ist günstiger, als die Lücke mit einer zusätzlichen Zahnversicherung zu decken.

Behandlung: Bedenken Sie, dass Zahnkorrekturen sich in der Regel über mehrere Jahre hinziehen und allfällige ungedeckte Kosten somit nicht aufs Mal anfallen. Da die Beiträge der Versicherungen meist pro Kalenderjahr beschränkt sind, ist es sinnvoll, die Behandlungstermine ebenfalls auf verschiedene Kalenderjahre aufzuteilen, um so die höchstmögliche Kosten­deckung zu erzielen.

Erstellt: 26.06.2016, 18:53 Uhr

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