Grosse Autos, wenig Platz

Während die Fahrzeuge zunehmend breiter wurden, blieben die Parkfelder praktisch gleich. Warum sich dies nur schwer ändern lässt.

Vor allem in Parkhäusern kann es manchmal eng werden. Foto: Alamy Stock

Vor allem in Parkhäusern kann es manchmal eng werden. Foto: Alamy Stock

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Die Liegenschaft, in der Ueli Krause (Name geändert) mit ­seiner Frau wohnt, ist schon ein paar Jahrzehnte alt. In der dazugehörigen Tiefgarage hat das Ehepaar seit jeher einen Parkplatz gemietet. Bis vor kurzem gab es dort genügend Platz, doch nun ist die Garage voll aus­gebucht. «Das Parkfeld neben unserem ist belegt mit einem sehr breiten Wagen. Jedes Parkieren wird damit zu einem nervenaufreibenden Manöver», sagt Krause. Er fürchtet, es könne ­wegen der engen Platzverhältnisse zu Schäden kommen.

Mit seinen Parkierungssorgen ist Krause nicht allein. Der Grund: Die Grösse der Parkfelder hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert, während gleichzeitig viele Automodelle breiter geworden sind. So sei etwa der VW Golf 18 Zentimeter breiter als vor rund 40 Jahren, sagt Daniel Graf vom TCS. Wie gross aber muss ein Parkplatz sein?

Gesetzliche Vorschriften gibt es dazu nicht. Doch hat der ­Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) Normen ­erlassen. Dabei handelt es sich um Mindestmasse, die abhängig davon sind, wie die Parkflächen angeordnet sind und wie breit die Strasse oder die Fahrgasse entlang der Parkplätze ist. Je breiter die Fahrgasse, desto schmaler dürfen die Parkflächen sein.

«Private Parkflächen können kleiner sein als öffentliche.»Rolf Niederhauser, Delegierter für Forschung und Normierung beim VSS

Für senkrecht zur Strasse angelegte Parkplätze in Wohn- oder Geschäftsliegenschaften sieht die VSS-Norm eine Mindestbreite von 2,35 Meter vor. In einem öffentlichen Parkhaus sollten es nicht weniger als 2,50 Meter sein. «Der Unterschied zwischen öffentlich und privat erklärt sich damit, dass ein privater Parkplatz immer von der gleichen Person benutzt wird und sie sich an die Platzverhältnisse gewöhnen kann», sagt Rolf Nieder­hauser, Delegierter für Forschung und Normierung beim VSS. «Deshalb können private Parkflächen kleiner sein als öffentlich zugängliche, bei denen es nicht möglich ist, zuerst lange zu üben.»

Je nach Kanton oder Gemeinde sind die Parkplatznormen mehr oder weniger verbindlich. So verlangt etwa die Stadt Zürich auch von privaten Bauherren, die VSS-Normen anzuwenden. Hingegen gelten sie in den Kantonen Basel-Stadt oder Bern bloss als Empfehlung. «Ein Bauherr braucht allerdings gute Gründe, wenn er die VSS-Norm nicht anwenden will», sagt der stellvertretende Verkehrsplaner der Stadt Bern, Hannes Meuli.

Nachbessern nicht Pflicht

Die aktuellen Normen wurden 2006 eingeführt. Sie sind somit nur anwendbar für Bauten, die danach entstanden sind. Besitzer von älteren Liegenschaften müssen die Parkflächen nicht anpassen: «Da gilt die Besitzstandsgarantie», sagt Nina Berner, Sprecherin des Hochbau­departements der Stadt Zürich. Das Ehepaar Krause kann daher nicht erwarten, dass ihre Vermieterin die Platzverhältnisse den grösseren Fahrzeugen anpasst, etwa indem sie nicht alle Plätze in der Tiefgarage vermietet. Es muss mit dem vorhandenen Platz auskommen.

Private Bauherren dürfen zwar freiwillig grössere Parkflächen erstellen. Doch sei dies nur möglich, wenn gleichzeitig die Vorgaben über die Anzahl an Parkplätzen eingehalten sind, sagt Nina Berner vom Hochbaudepartement Zürich. Solche Vorschriften, wonach je nach Grösse und Zweck einer Baute eine bestimmte minimale Anzahl an Parkplätzen zu errichten ist, gibt es in den meisten Kantonen. Zu den Ausnahmen zählt Basel-Stadt: Da sind Parkplätze bei einer privaten Baute kein Erfordernis, sagt Martina Hilker, Sprecherin des Bau- und Verkehrsdepartements.

Die immer engeren Platzverhältnisse sind insbesondere auch bei öffentlich zugänglichen Parkplätzen ein Dauerthema. Etliche Parkhäuser sind bereits Jahrzehnte alt und erfüllen die Normen nicht mehr. In manchen Städten hat man darauf reagiert.

Etliche Parkhäuser sind bereits Jahrzehnte alt und erfüllen die Normen nicht mehr.

So hat Zürich eines der städtischen Parkhäuser bereits vor ein paar Jahren gänzlich auf übergrosse, sogenannte XXL-Parkplätze umgestellt. Demnächst werde ein weiteres XXL-Parkhaus dazukommen, sagt Georg Spycher, Geschäftsführer von Parking Zürich AG.

In Bern bietet erst das private Bahnhof Parking ein paar XXL-Parkflächen an. Auch müssen die Autolenkerinnen dafür höhere Gebühren zahlen – im Unterschied zu Zürich, wo sie gleich viel kosten wie normale.

Auf öffentlichem Grund seien XXL-Parkplätze in Bern aber derzeit kein Thema, sagt Verkehrsplaner Hannes Meuli. Die Verkehrspolitik von Stadtrat und Gemeinderat setze andere Prioritäten als die Anpassung von Parkfeldern an die SUVs.

Auch Basel verzichtet bislang darauf, übergrosse Parkfelder in städtischen Parkhäusern anzubieten. Dies wäre nur möglich, wenn im Gegenzug die Gesamtzahl der Parkplätze verringert würde. Das wolle man aber nicht, sagt eine Sprecherin von Immobilien Basel-Stadt.

Bauliche Hindernisse

Nebst politischen sind es vor allem bauliche Gründe, die einer Anpassung der Parkflächen entgegenstehen. Die tragenden Strukturen wie Parkhaussäulen seien vorgegeben und liessen sich nicht verschieben, um Parkflächen anders anzuordnen oder sie zu vergrössern, sagt Georg Spycher von Parking Zürich. Zudem gebe es nebst dem Trend zu immer grösseren SUVs auch eine ganze Reihe von neueren Kleinfahrzeugmodellen, was die Nachfrage nach mehr Parkier­fläche relativiere.

Und was ist mit den VSS-Parkplatznormen? Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob diese den neuen Gegebenheiten anzupassen sind. Nun gebe es einen Vorschlag, sagt Rolf Niederhauser vom VSS. Der gehe im Herbst bei Verkehrsorganisationen in die Vernehmlassung. Zum Inhalt des Vorschlags will er sich derzeit aber noch nicht äussern.

Erstellt: 25.08.2019, 18:15 Uhr

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