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Mango-Brausen ohne Mango

In der Schweiz dürfen Getränke mit dem Namen und der Abbildung von Früchten beworben werden – auch wenn sie keinen Tropfen Fruchtsaft enthalten. Fanta und Rivella machen sich dies zunutze.

Im Gegensatz zu anderen Limonaden enthält Fanta Orange tatsächlich Fruchtsaft (5,3 Prozent). Foto: Dominique Meienberg
Im Gegensatz zu anderen Limonaden enthält Fanta Orange tatsächlich Fruchtsaft (5,3 Prozent). Foto: Dominique Meienberg

Jetzt rühren sie wieder die Werbetrommel für ihre fruchtigen Süssgetränke. Auf die Konsumentinnen und Konsumenten warte ein «prickelndes Erlebnis», ein «noch fruchtigerer Geschmack» und sogar «Sommergefühle», schwärmen die Hersteller auf Plakaten, in TV-Spots und im Internet. Doch gerade mit Früchten ist es so eine Sache: Oft kommen sie im Getränk gar nicht vor oder nur in kleinsten Mengen.

Ein Beispiel dafür ist Fanta Mango. Werbespruch gemäss Website des Herstellers Coca-Cola: «Das wunderbar fruchtige Erlebnis». Auf der Flaschenetikette prangt zwar eine Mango, aber von Mangosaft findet sich im Getränk keine Spur. Lediglich «natürliches Mangoaroma» ist laut der Zutatenliste darin enthalten – und 3 Prozent Orangensaft aus Konzentrat. Daneben besteht die Limonade, wie die meisten ihrer Gattung, vor allem aus Wasser und Zucker (100 Gramm pro Liter).

Der Hersteller Coca-Cola sieht darin kein Problem: «In der Schweizer Gesetzgebung gibt es keine spezifischen Regelungen betreffend Fruchtabbildungen auf aromatisierten Produkten. Die Präsenz eines natürlichen Aromastoffes aus der entsprechenden Frucht ist ausreichend, um eine Frucht abzubilden», schreibt Produktmanager Matthias Schneider an Redaktion Tamedia. Weiter hält er fest, «dass das natürliche Mangoaroma aus Mango gewonnen wird». Dies ist nicht selbstverständlich, denn «natürlich» sind zum Beispiel auch aus Holzspänen extrahierte Aromen.

«Nicht künstlich hergestellt»

Auch das Schwesterprodukt Fanta Shokata, das der Hersteller mit einem «erstaunlich erfrischenden Holunderblütengeschmack» anpreist, kommt ohne Holunderblüten aus. Diese finden sich zwar auf der Etikette, nicht aber in der Flasche: Das Getränk enthält nur Holunderblütenaroma, und dieses wird synthetisch hergestellt.

Bei Konkurrentin Rivella versichert eine Sprecherin auf Anfrage, die Aromen in den Softdrinks Rivella Mango und Rivella Rhabarber würden «aus ­natürlichen Rohstoffen gewonnen und nicht künstlich hergestellt». Um was für Naturprodukte es sich handelt, will sie nicht verraten, dies sei «Produktions­geheimnis». Auf den Flaschen ist unter dem Rivella-Schriftzug eine Mango respektive eine Rhabarber abgebildet, obwohl auch in diesen Getränken nichts davon zu finden ist. Laut einem Entscheid der Schweizeischen Lauterkeitskommission zu Rivella Pfirsich, dem Vorgängerprodukt von Rivella Mango, ist das zulässig.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hatte 2016 ein Verfahren angestrengt, weil Rivella mit der Abbildung eines Pfirsichs auf der Etikette und einem überdimensionalen Pfirsich im TV-Spot den falschen Eindruck erwecke, das Getränk enthalte Pfirsich. Doch das Kontrollorgan der Werbebranche kam zum Schluss, die Werbung sei nicht täuschend. Begründung: «Der Pfirsich wird durch die Abbildung auf der Getränkeetikette und die Darstellung im Werbespot zwar in den Mittelpunkt gestellt und es wird beim Adressaten auch eine Erwartung ausgelöst, welche jedoch durch die gleichzeitige Nennung von ‹natürlichen Aromen› respektive ‹Geschmack von Pfirsich› relativiert bzw. aufgehoben wird.» Somit erwarte der Durchschnittskonsument nicht, dass das Getränk tatsächlich natürlichen Pfirsichsaft oder Pfirsichkonzentrat enthält.

Demnach dürfen Getränkeproduzenten auch dann mit Namen und Bildern von Früchten werben, wenn deren Anteil am Getränk gleich null ist. Es genügt, wenn sie in der Zutatenliste «Aromen» aufführen und in der Werbung vom «Geschmack» der Frucht sprechen. SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder kritisiert dies: «Damit werden die Konsumenten in die Irre geführt.» Ihr Rat: Wer wissen will, was er trinkt, sollte sich nicht von schönen Bildern blenden lassen, sondern die Inhaltsdeklaration auf der Rückseite der Flasche beachten.

Ein Tausendstel Fruchtanteil

Dort stösst man zuweilen auf Fruchtanteile in eher homöopathischen Dosen. Der Nestea Peach von Nestlé etwa enthält laut Zutatenliste gerade mal 0,1 Prozent Pfirsichsaft aus Konzentrat, obwohl auf der Etikette grosse Pfirsichschnitze locken. Der Nahrungsmittelmulti sieht das gelassen: «Alle Zutaten sowie deren Mengen werden auf der Verpackung gelistet und geben dem Verbraucher Auskunft über die Zusammensetzung des Produkts. Es ist gängige Praxis, bei dieser Art von Produkten den Fruchtgeschmack durch Darstellung der jeweiligen Frucht zu kennzeichnen», hält Nestlé-Sprecherin Nina Kruchten fest. Ihr Fazit: «In der Gesamtaufmachung gibt die Etikette zu keiner Täuschung der Konsumenten Anlass.»

Mit der Deklaration der Inhaltsstoffe auf der Flaschenrückseite argumentiert auch die Sprecherin von Feldschlösschen, Brauerei des überwiegend aus Bier bestehenden In-Drinks Eve Hugo. Auf der Etikette des «idealen Frauengetränks» (Eigenwerbung) sind Holunderblüten, Limetten und Pfefferminzblätter abgebildet. Doch wie hoch ihr Prozentanteil ist, geht aus der Zutatenliste nicht hervor. Mediensprecherin Gaby Gerber will nur den Limettensaft-Anteil verraten: «1 Prozent.» Der Anteil an Holunderblüten- und Pfefferminzextrakten dürfte deutlich tiefer liegen, denn diese Bestandteile erscheinen erst ganz am Ende der Zutatenliste. Bis vor gut einem Jahr fehlten sie dort noch ganz.

Dafür wird das Trinkerlebnis des «speziell von Frauen für Frauen entwickelten» Gebräus auf der Feldschlösschen-Website umso ausführlicher umschrieben: «Dem angenehm säuerlichen Antrunk folgt ein weicher, süsser, vollmundiger Eindruck, welcher in dezente Minznoten im Abgang übergeht.» Wer will da noch über zu wenig Holunderblüten klagen?

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