Damit im Alter mehr als der halbe Lohn da ist

So optimiert man seine Altersvorsorge: Früh anfangen, regelmässig einzahlen, auf die Rendite achten und sich erst ab 50 in die Pensionskasse einkaufen.

Mit Pensionskasse oder Säule 3a ist freiwilliges Sparen für die Altersvorsorge möglich. Dies ist aber nicht immer sinnvoll. Foto: iStock

Mit Pensionskasse oder Säule 3a ist freiwilliges Sparen für die Altersvorsorge möglich. Dies ist aber nicht immer sinnvoll. Foto: iStock

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Mit den Renten sinkt auch das Vertrauen in die berufliche Vorsorge. Die Lebenserwartung steigt seit Jahren kontinuierlich, das Rentenalter bisher nicht. Das angesparte Vorsorgekapital reicht je länger, je weniger aus, um die bis ans Lebensende garantierte Renten zu finanzieren. Deshalb werden in der beruflichen Vorsorge jährlich gegen sieben Milliarden Franken an Menschen im Ruhestand umverteilt. Das sind Vermögenserträge aus Vorsorgekapital, die eigentlich Angestellten – also den aktiven Versicherten – zustehen würden. Reto Spring, Präsident des Finanzplaner-Verbands Schweiz und Partner der Beratungsfirma Academix, spricht unverhohlen von «Rentenklau».

Er empfiehlt vor allem jüngeren Menschen, den Fehlbetrag selber anzusparen: «Wer das nicht tut, wird im Alter eine spürbare Einbusse beim Lebensstandard hinnehmen müssen.» Spring hält es für möglich, dass Renten aus AHV und Pensionskasse auf die Hälfte des beruflichen Gehalts sinken. Wer sich nach der Pensionierung finanziell nicht derart stark einschränken möchte, kann mit einer klugen und vor allem konsequenten Vorsorge den Lebensstandard im Rentenalter spürbar erhöhen.

In einem ersten Schritt ist es sinnvoll, den Spielraum bei der Säule 3a auszuschöpfen. Zunächst ist der Steuerabzug interessant: Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, kann für das Jahr 2019 bis zu 6826 Franken vom steuerbaren Einkommen abziehen. Die Steuerersparnis variiert je nach Einkommen und dürfte rund ein Drittel des einbezahlten Betrags ausmachen. Grossverdiener sind aufgrund des höheren Grenzsteuersatzes im Vorteil.

Rendite fällt ins Gewicht

Mit dem Steuerabzug allein ist aber noch nicht viel erreicht. Wenn das Vermögen mehrere Jahrzehnte lang auf dem Säule-3a-Konto bleibt, ist die Rendite wichtiger. So ist es nicht empfehlenswert, Bargeld bei einem Zins nahe von null lange Zeit auf einem Konto zu halten. Längst gibt es eine Vielzahl von Säule-3a-Angeboten mit einem hohen Anteil an sogenannten Exchange Traded Funds (ETF). Diese Fonds haben den Vorteil, dass Kursverluste einzelner Titel aufgrund der breiten Diversifikation nicht stark ins Gewicht fallen. Zudem sind die Gebühren tief.

Die Erfahrung zeigt, dass die Rendite von Aktienfonds über mehrere Jahrzehnte selbst bei Börsenstürzen immer noch deutlich besser ist als auf dem Bankkonto. Wie stark sie ins Gewicht fällt, verdeutlicht eine Rechnung, die den Zinseszins berücksichtigt: Wer 30 Jahre 6826 Franken auf ein Bankkonto einzahlt, spart ohne Zins und Steuervorteil ein Vermögen von insgesamt 204780 Franken. Wer hingegen im Durchschnitt 3 Prozent Rendite erzielt, erhält nach 30 Jahren 334'492 Franken. Also fast 130'000 Franken mehr.

Früh beginnen

Wer fürs Alter vorsorgen will, beginnt idealerweise früh und spart regelmässig. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Berufseinsteiger und junge Leute haben noch ein tiefes Gehalt. Zudem ist das Rentenalter noch so weit entfernt, dass es sich für viele kaum lohnt, schon Gedanken darüber zu verschwenden.

Es sind aber keineswegs nur die 20-Jährigen, welche die Altersvorsorge vernachlässigen, wie der Finanzplaner Reto Spring feststellt. Denn in vielen Haushalten werde mit dem verfügbaren Geld ziemlich sorglos umgegangen. Er empfiehlt deshalb einen «selbst auferlegten Sparzwang». Das lässt sich mit einem automatischen Zahlungsauftrag einrichten, der dafür sorgt, dass nach der Überweisung des Gehalts ein bestimmter Sparbetrag zum Beispiel in einen ETF fliesst. Einzahlungen in die dritte Säule disziplinieren den Vorsorgesparer, weil dieses Geld nur in bestimmten Ausnahmen vor der Pensionierung bezogen werden kann. «Ähnlich wie beim AHV-Abzug bleibt so weniger Geld auf dem Lohnkonto verfügbar», sagt Spring. Mit einem Budget lässt sich ermitteln, wie viel monatlich zur Seite gelegt werden kann. Solche Sparpläne sind auch bei tieferen Einkommen mit geringeren Beträgen möglich. Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse haben ähnliche Vorteile wie die Säule 3a: Es gibt einen Steuerabzug und Restriktionen für einen vorzeitigen Bezug.

«Die Versicherten wissen nicht, wie viel Rendite sie in der Pensionskasse am Ende noch
erhalten.»
Reto Spring, Finanzplaner 

Anders als in der dritten Säule kann der Eigentümer jedoch weder die Vermögensverwaltung noch die Anlagestrategie selber bestimmen. Vor einer freiwilligen Einzahlung empfiehlt sich ein kritischer Blick auf die Pensionskasse. Ein erstes Merkmal ist der Deckungsgrad: Gut ist, wenn er bei privaten Einrichtungen bei 110 Prozent oder höher liegt. Geht es um öffentliche Kassen, bürgt in der Regel der Steuerzahler – hier sind auch tiefere Deckungsgrade möglich. Weitere Zahlen sind für Laien schwer interpretierbar. Eine Internetsuche ist manchmal aufschlussreicher: Kursieren zu einer Pensionskasse Negativschlagzeilen, ist Vorsicht geboten.

Der freiwillige Einkauf in die Pensionskasse lohnt sich aber nicht für alle. Reto Spring rät insbesondere Angestellten unter 50 Jahren davon ab. Denn der Steuervorteil fällt nur einmalig an, die Gelder bleiben drei Jahre gesperrt, und bis zum Bezug würden zwei Drittel der Rendite umverteilt: «Die Versicherten wissen nicht, wie viel Kapital oder Rente sie davon noch erhalten.»

Einkauf ab 50 interessant

Werner E. Rutsch, Leiter institutionelles Geschäft bei Axa Investment Managers Schweiz, sieht bei freiwilligen Einzahlungen in die berufliche Vorsorge aber durchaus auch Vorteile. Er nennt neben dem Steuervorteil die professionelle Vermögensverwaltung und die garantierte Rente. Doch auch Vorsorgeexperte Rutsch räumt ein, dass ein solcher Einkauf vor allem ab einem Alter von über 50 Jahren interessant ist. Denn die anstehende Rentenreform führt zu einer Senkung des Umwandlungssatzes und somit zu tieferen Renten. Die älteren Jahrgänge sollen das dank Kompensationen aber kaum zu spüren bekommen.

Erstellt: 30.12.2019, 09:22 Uhr

Verbreitete Irrtümer

Öfters wird für die Altersvorsorge eine Lebensversicherung angepriesen. Solche Produkte kombinieren Versicherung und Vermögensverwaltung. «Viele sind sich nicht bewusst, dass die Abschlusskosten rund fünf Prozent der gesamten Prämiensumme betragen», sagt der Finanzplaner Reto Spring von der Beratungsfirma Academix. Muss ein Kunde vor Vertragsende aussteigen, so kostet ihn das erheblich Geld. Dieser Spardruck kann für gewisse Leute auch ein Vorteil sein. Grundsätzlich sollten Versicherungen und Geldanlage aber getrennt werden, da dies mehr Kostentransparenz schafft.
Ebenfalls weniger ratsam ist es, nur der Altersvorsorge wegen in Wohneigentum zu investieren. Denn der Unterhalt und die Besteuerung des Eigenmietwerts können im Alter zu einer finanziellen Belastung werden. Ist die Rente knapp, kann eine Bank sogar die Tragbarkeit einer Hypothek infrage stellen. Und schliesslich kann es zu einem Wertzerfall kommen – zum Beispiel bei einer Krise im Immobilienmarkt oder bei Immissionen von einem Nachbargrundstück. (ki)

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