So spenden Sie richtig

Sich für ein Hilfswerk zu entscheiden, ist wirkungsvoller als jedes Jahr eine andere Organisation zu berücksichtigen. Was man sonst beachten sollte.

Über die Weihnachtszeit werden besonders viele Spendenaufrufe verschickt. Foto: Urs Jaudas

Über die Weihnachtszeit werden besonders viele Spendenaufrufe verschickt. Foto: Urs Jaudas

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Über die Weihnachtszeit sind Schweizerinnen und Schweizer in Spendierlaune: Sowohl an Freunde und Verwandte wie auch an Hilfswerke werden mehr Geschenke verteilt als in anderen Monaten. Die in der Entwicklungshilfe engagierte Helvetas nimmt beispielsweise während diesen Wochen rund 15 Prozent aller Spenden eines Jahres ein.

Gemeinnützige Organisationen nutzen die Gelegenheit und decken zum Jahresende die Haushalte mit einer Flut an Spendenaufrufen ein. Wer nur gelegentlich einer solchen Einladung folgt, setzt seinen gemeinnützigen Beitrag nicht optimal ein.

«Es ist klüger, mehrere Organisationen sorgfältig zu prüfen, danach eine Auswahl zu treffen und jährlich wiederkehrend zu spenden», sagt Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Zewo.

Die Zewo vergibt ein Gütesiegel an gemeinnützige Organisationen, die gewisse Kriterien bei Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit erfüllt. Regelmässige Spenden senken die Kosten von Hilfswerken, da diese weniger Geld für Neuanwerbungen ausgeben müssen und besser planen können, als wenn Jahr für Jahr wieder finanzielle Lücken gestopft werden müssen.

Unnötige Werbeflut vermeiden

Und wer je nach Werbung spontan einmal da und das andere Mal dort spendet, wird in verschiedenen Adresslisten erfasst und erhält zunehmend Spendenaufrufe sowie Werbung. Eine sorgfältige Auswahl einzelner Hilfswerke und langjährige Treue verschont also auch vor unnötigem Papier.

Die Spendenaufrufe stapeln sich auch bei jenen, die ihr Spendenbudget auf viele Organisationen verteilen. Auch das ist nicht ideal. «Es ist besser, jedes Jahr 50 Franken an zwei Hilfswerke zu überweisen, als je 10 Franken an zehn verschiedene Organisationen», sagt Roger Tinner, Geschäftsführer von Swissfundraising. Denn bei Kleinstbeträgen betreibe eine Wohltätigkeitsorganisation verhältnismässig viel Aufwand für jede einzelne Spende. Mit anderen Worten: Es wird mehr Geld für Administration ausgegeben und weniger für den gemeinnützigen Zweck.

Es gibt weitere Möglichkeiten zum Spenden. Doch folgende Beispiele zeigen, dass manchmal der Verwendungszweck gut abgeklärt werden muss und dass nicht alle Spenden sinnvoll sind.

«Eine persönliche Patenschaft vermittelt ein unzutreffendes Bild.»Martina Ziegerer, Zewo

Die Idee einer persönlichen Patenschaft ist, dass ein Spender oder eine Spenderin ein Kind in einem Schwellen- oder Entwicklungsland über längere Zeit finanziell unterstützt. Im Gegenzug erhalten die Spender die Möglichkeit, mit dem Kind einen Briefwechsel zu führen und es persönlich zu treffen.

Fachleute melden aber Skepsis an: «Eine solche Patenschaft ist ein Marketingtrick», sagt Martina Ziegerer von der Zewo. Sie wecke Erwartungen und vermittle ein unzutreffendes Bild. So vermittle die Besuchsmöglichkeit den trügerischen Eindruck, der Spender könne selber überprüfen, was er mit seinem Geld bewirkt.

Die Erfahrung zeige, dass für die Entwicklung von Kindern Projekte sinnvoller seien, die einer Gemeinschaft zu Gute kommen. Als Beispiele nennt sie Wasseraufbereitung, Bildung oder Gesundheit. Zudem sei ein Patenkind in seinem Umfeld zusätzlichen Spannungen ausgesetzt, wenn es mehr Aufmerksamkeit erhalte als andere Kinder. Es gebe auch Patenschaft ohne persönlichen Kontakt zu einem Kind, bei denen das Geld in ein Projekt fliesse, erläutert Martina Ziegerer.

Bei einem Legat geht es öfters um eine grössere Summe. Für Hilfswerke sind das wichtige Beitrage, da sie damit teilweise grössere Projekte finanzieren können. Wer auf diese Weise Geld spenden will, nennt im Testament erstens Name und Adresse der Organisation, für die das Legat bestimmt ist. Zweitens kann wahlweise ein absoluter Betrag oder ein Anteil im Prozent eingetragen werden, so weit nahe Verwandte nicht Anspruch auf Pflichtteile haben. Im Internet gibt es Pflichtteil- oder Testament-Rechner, mit denen sich der frei verfügbare Betrag bestimmen lässt.

Und schliesslich hat der Spender die Möglichkeit zu definieren, wofür das Legat verwendet werden soll. Es ist empfehlenswert, vor einer Berücksichtigung im Testament mit der gemeinnützigen Organisation Kontakt aufzunehmen. Denn manchmal gibt es spezifische Wünsche, die ein Hilfswerk kaum umsetzen kann. Mit vorzeitiger Abklärung lassen sich solche Hürden verhindern und der Erblasser weiss genau, wohin sein Geld fliesst.

Gut gemeint, aber wenig zielgerichtet

Es finden Anlässe statt, an denen zum Beispiel mit einem Konzert oder einer Tombola für einen wohltätigen Zweck Geld gesammelt wird. «Die manchmal halbprofessionell organisierten Veranstaltungen sind gut gemeint», sagt Martina Ziegerer von der Zewo. Doch leider bleibe bei solchen Anlässen am Ende oft verhältnismässig wenig Geld für den eigentlichen Spendezweck übrig. Das Problem sei, dass Kosten für die Miete der Infrastruktur oder für die Entschädigung von Künstlern anfallen würden.

Ähnlich ist es bei Produkten, die für einen wohltätigen Zweck verkauft werden. «Es kommt vor, dass gemeinnützige Zwecke erwähnt werden, um ein Produkt besser verkaufen zu können», sagt sie. In solchen Fällen bleibt vergleichsweise wenig Geld für den eigentlichen Spendezweck übrig, da andere Leute mit dem gleichen Produkt auch noch Geld verdienen wollen.

Ziegerer übt nicht grundsätzliche Kritik an solchen Spendeaktionen. Gewiss gebe es beispielsweise ehrenamtlich durchgeführte Spendenbasare, bei denen ein grosser Teil der Einnahmen bedürftigen Menschen zugute komme. Doch sie rät, darauf zu achten oder nachzufragen, wie viel vom Verkaufspreis für einen gemeinnützigen Zweck verwendet wird.

Nicht immer ist ein Steuerabzug möglich

Erfreulich ist, wenn Spenden auch noch bei den Steuern abgezogen werden dürfen. Das erlauben die Steuerbehörden nicht bei allen Hilfswerken. Generell akzeptiert wird der Steuerabzug bei den rund 500 gemeinnützigen Organisationen, die das Zewo-Gütesiegel haben, wie Martina Ziegerer bestätigt. Bei anderen Organisationen ist es empfehlenswert, sich vor der Spende bei der zuständigen Steuerverwaltung zu erkundigen. Es kann auch kantonale Unterschiede geben.

Erstellt: 22.12.2019, 20:59 Uhr

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