So optimieren Sie Ihre AHV

Beitragslücken und ein zu geringer Lohn: Nicht einmal jeder Zweite erreicht die maximale Altersrente.

Mit einer höheren Rente lässt es sich im Alter sorgloser leben. Foto: Raisa Durandi

Mit einer höheren Rente lässt es sich im Alter sorgloser leben. Foto: Raisa Durandi

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Sein ganzes Arbeitsleben lang hat Lothar Keller lückenlos Beiträge in die AHV bezahlt. Deshalb nahm er an, er werde nach der Pensionierung die maximale Rente erhalten. Die Ernüchterung kam, als er unlängst seine Rente vorausberechnen liess. Da erfuhr der 63-jährige Angestellte einer kantonalen Verwaltung, dass er nicht wie erwartet mit 2350 Franken, sondern lediglich mit 2140 Franken pro Monat rechnen kann. «Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die AHV-Rente auch einkommensabhängig ist», schreibt er in einem Leserbrief.

Damit ist Lothar Keller, der in Wirklichkeit anders heisst, keine Ausnahme. Die Ansicht, man bekomme automatisch die Maximalrente, wenn man regelmässig Beiträge zahle, sei verbreitet, sagt Rolf Lindenmann, Direktor der Ausgleichskasse Zug. Auch die Ausgleichskasse des Kantons Zürich stellt immer wieder fest, dass Versicherte nicht wissen, wie die AHV-Rente berechnet wird, und erstaunt sind, wenn die Rente tiefer ausfällt als erwartet.

Infografik: Ehepaare erhalten häufiger das AHV-Maximum Grafik vergrössern

Sich rechtzeitig kundig zu machen, sei in erster Linie Sache der Versicherten selbst, zumal es sich bei der AHV um eine obligatorische Sozialversicherung handle. Dies sagt Hans Jürg Herren, Vizepräsident der Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen. Das Angebot an Informationen sei leicht zugänglich über Merkblätter oder auf den Websites der Ausgleichskassen. Auch informiere man die Bevölkerung regelmässig in Vorträgen und an Publikumsmessen.

«Voll» ist nicht gleich «maximal»

Laut den AHV-Experten hat das Interesse an Fragen rund um die Altersvorsorge in jüngster Zeit zugenommen. Das Bewusstsein, sich rechtzeitig auch um die eigene Vorsorge zu kümmern, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, ist gestiegen.

Was aber braucht es denn nun konkret, um die Maximalrente der AHV zu erreichen? Zentraler Faktor ist die vollständige Beitragszeit. Damit ist der Zeitraum zwischen dem 21. Lebensjahr bis zum AHV-Alter gemeint: Da gilt die Beitragspflicht. Auch wer dazwischen mal ein Jahr aussetzt, etwa um sich weiterzubilden, bleibt AHV-pflichtig. Nur wer keine Lücken aufweist, hat im Alter Anspruch auf eine volle Rente.

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Der Begriff ist allerdings etwas irreführend, denn «voll» ist nicht gleichzusetzen mit «maximal». Eine volle Rente gibt es schon, wenn man jedes Jahr nur den Mindestbeitrag entrichtet. Die minimale Vollrente beläuft sich auf 1175 Franken. Um auf das Maximum zu kommen, braucht es nebst der lückenlosen Beitragszeit auch den entsprechenden Durchschnittslohn. Dieser ist ebenfalls definiert und liegt bei 84'600 Franken brutto pro Jahr. So viel muss eine Einzelperson durchschnittlich über alle Beitragsjahre hinweg mindestens verdienen, um im Alter den Betrag von 2350 Franken zu bekommen.

Nur eine Minderheit erreicht das Maximum

Diese Lohnvorgabe ist happig, wenn man bedenkt, dass das mittlere Einkommen für eine Vollzeitstelle hierzulande bei 74'000 Franken liegt. Wer Kinder hat, dem rechnet die AHV zusätzlich Gutschriften für die Erziehungszeit an. Damit lassen sich Lohneinbussen wegen eines reduzierten Pensums zumindest teilweise auffangen.

Der Blick in die Statistik zeigt indes: Nur eine Minderheit der Einzelpersonen erreicht das Maximum der Altersrente. Bei den Männern ist es ein knappes Drittel, bei den Frauen liegt der Anteil gar unter der 30-Prozent-Marke. Die Durchschnittsrente liegt bei beiden knapp über 2000 Franken. Als Einzelpersonen zählen auch Verheiratete, deren Ehegatten noch keine AHV-Rente beziehen. Ob es vor allem an den Beitragslücken liegt oder am zu geringen Lohn, weshalb die meisten keine Maximalrente bekommen, geht aus der AHV-Statistik nicht hervor.

Auffällig ist, dass verwitwete Personen viel häufiger die höchste Altersrente von 2350 Franken erreichen als alle andern. Zu verdanken ist dies dem Verwitwetenzuschlag der AHV. Stirbt ein Ehegatte, wird die Rente des hinterbliebenen um 20 Prozent erhöht, höchstens bis zum Maximalbetrag. Auch Ehepaare kommen zusammen häufig auf den Maximalbetrag. Insgesamt sind es fast 60 Prozent aller Rentnerehepaare; damit ist ihr Anteil doppelt so hoch wie bei den Einzelrentnern. Allerdings erhalten Ehegatten wegen der Plafonierung zusammen höchstens 3525 Franken. Das entspricht lediglich dem Eineinhalbfachen der maximalen Einzelrente. Daher erreichen Ehepaare bereits mit einem Durchschnittseinkommen von je rund 45'000 Franken den Maximalbetrag.

Dass trotzdem 40 Prozent der Ehepaare nicht auf das Maximum kommen, ist laut dem Bundesamt für Sozialversicherungen häufig auf Beitragslücken zurückzuführen. Erfüllt ein Ehegatte nicht die volle Beitragszeit, schmälert das den gesamten Rentenbetrag. Das ist etwa der Fall, wenn einer oder gar beide Ehegatten aus dem Ausland stammen und erst verspätet mit der Beitragszahlung beginnen können.

Risiko Auslandaufenthalt

Da Frauen auch nach der Geburt von Kindern heute häufiger erwerbstätig sind, geht Rolf Lindenmann von der Ausgleichskasse Zug davon aus, dass sie künftig öfter das Maxium erzielen. Hans Jürg Herren von der Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen glaubt indes, dass sich insgesamt der Anteil der Personen mit einer Maximalrente auch in Zukunft kaum erhöhen werde. Dies vor allem deshalb, weil die Teilzeitarbeit allgemein zunehme.

Angesichts der Tatsache, dass zahlreiche Pensionskassen in jüngster Zeit ihre Leistungen gesenkt haben und in Zukunft mit weiteren Kürzungen zu rechnen ist, sind die Versicherten gut beraten, auch ihre AHV-Rente im Auge zu behalten. Um diese günstig zu beeinflussen, gilt es Folgendes zu beachten:

  • Beitragslücken vermeiden: Ein fehlendes Beitragsjahr führt zu einer Rentenkürzung von rund 2,3 Prozent. Bereits wenige Jahre bewirken empfindliche Einbussen. Beitragslücken wirken sich oft stärker auf die Rente aus als das Einkommen. Daher ist es wichtig, sie möglichst zu vermeiden. Wer dies versäumt, kann Beitragslücken rückwirkend für maximal fünf Jahre nachzahlen. Ist die Frist abgelaufen, oder realisiert jemand die Lücken gar erst bei der Rentenberechnung, lässt sich dies nicht mehr korrigieren. Freiwillige Nachzahlungen sind ausgeschlossen.
  • Meist kommt es wegen Auslandaufenthalten zu Beitragsunterbrüchen. Dabei ist es in vielen Fällen möglich, sich auch aus dem Ausland der AHV anzuschliessen. Am besten erkundigt man sich rechtzeitig bei der Ausgleichskasse über die Bedingungen.
  • Arbeitspensum hoch halten: Der Lohn als zweiter massgebender Faktor für die AHV-Rente lässt sich in der Regel nur indirekt beeinflussen. Fachleute raten insbesondere Frauen, sich nach der Geburt von Kindern nicht ganz aus dem Arbeitsprozess zurückzuziehen und das Arbeitspensum auch nicht jahrelang zu tief zu halten.
  • Rente aufschieben: Wer will, kann den Bezug der Rente nach Erreichen des AHV-Alters für maximal fünf Jahre aufschieben. Für jedes aufgeschobene Jahr erhöht sich die Rente, höchstens um 31,5 Prozent. Das gilt auch, wenn man ohne Aufschub bereits das Maximum bekäme. Vom Aufschub machen aber nach wie vor nur wenige Gebrauch. Gemäss Statistik sind es pro Jahrgang etwas mehr als ein Prozent.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2018, 23:20 Uhr

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