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Nicht mehr als 45 Stunden pro Woche gilt auch im Homeoffice

Die Arbeit in den eigenen vier Wänden wirft rechtliche Fragen auf. Nicht auf alle gibt es klare Antworten.

Homeoffice bietet Arbeitnehmenden viel Freiheit, jedoch müssen auch einige Regeln eingehalten werden. Foto: Portra (Getty Images)
Homeoffice bietet Arbeitnehmenden viel Freiheit, jedoch müssen auch einige Regeln eingehalten werden. Foto: Portra (Getty Images)

In den eigenen vier Wänden zu arbeiten statt im Büro des Arbeitgebers, hat für die Arbeitnehmenden unbestrittene Vorteile. Man spart sich den Arbeitsweg, kann die Arbeit autonom organisieren und so Beruf und Familie besser vereinbaren. Auch die Arbeitgeberinnen profitieren von Homeoffice. Sie können Kosten senken dank des geringeren Raumbedarfs und die Motivation ihrer Mitarbeitenden steigern, wenn sie ihnen das Arbeiten zu Hause erlauben. Seit der Jahrtausendwende hat sich Homeoffice stark verbreitet. Gemäss einer Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz aus dem Jahr 2014 arbeitet inzwischen jeder Vierte gelegentlich in den eigenen vier Wänden.

Für das Homeoffice gibt es keine speziellen rechtlichen Regelungen. Es gälten die gleichen Bestimmungen wie für die Arbeit im Betrieb, schreibt der Bundesrat in einem unlängst veröffentlichten Bericht zur Telearbeit (siehe Box). Nicht alle rechtlichen Fragen, die sich bei Homeoffice stellen, lassen sich aber mit dem bestehenden Recht abschliessend klären, wie der nachfolgende Überblick über die wichtigsten Aspekte zeigt.

Freiwillig, stillschweigend oder abgemacht: Einen rechtlichen Anspruch auf Homeoffice gibt es nicht. Es ist Sache der Arbeitgeberin, zu entscheiden, ob sie das Arbeiten von zu Hause erlauben will und in welchem Umfang. Viele Betriebe stellen es den Mitarbeitenden frei oder dulden Homeoffice stillschweigend. Will ein Arbeitgeber aber Heimarbeit anordnen, braucht er die Zustimmung der betroffenen Angestellten. De facto ist dies jederzeit mit einer Änderungskündigung möglich. Dabei wird der bisherige Arbeitsvertrag aufgehoben und durch einen neuen ersetzt, der die entsprechenden Vorgaben enthält. Die Mitarbeitenden haben dann die Wahl, ob sie sich zu Homeoffice verpflichten wollen oder nicht. Lehnen sie ab, ist das Arbeitsverhältnis gekündigt.

Eine einseitige Anordnung von Homeoffice durch die Arbeitgeberin sei nur in Ausnahmefällen zulässig, sagt Bassem Zein vom Bundesamt für Justiz. Etwa wenn eine Arbeit dringend von einem Tag auf den andern zu erledigen sei, die betreffende Mitarbeiterin aber nicht ins Büro kommen könne oder die nötigen Unterlagen bei sich habe. Da könne der Arbeitgeber, gestützt auf sein Weisungsrecht, verlangen, dass die Arbeit von zu Hause aus erledigt werde.

Voraussetzung eines geeigneten Arbeitsplatzes: Das Gesetz verpflichtet die Arbeitgeberinnen, die Gesundheit ihrer Angestellten zu schützen. Dazu gehört, dass sie für eine einwandfreie Arbeitsumgebung sorgen (Räumlichkeiten, Lüftung, Beleuchtung, Lärmschutz) und die Arbeitsplätze nach ergonomischen Gesichtspunkten gestalten. Diese Vorschriften lassen sich allerdings nur beschränkt umsetzen, wenn die Arbeitnehmenden ausserhalb des Betriebs arbeiten. «Bei Homeoffice übernehmen die Angestellten deshalb mehr Eigenverantwortung für den Schutz ihrer Gesundheit», sagt der Rechtsanwalt und Arbeitsrechtsexperte Roger Rudolph. Die Arbeitgeberinnen müssten ihre Mitarbeitenden aber entsprechend instruieren und sich erkundigen, ob diese in ihrer Wohnung über die nötige Infrastruktur verfügten. «Sobald es Hinweise gibt, dass die Voraussetzungen für den Gesundheitsschutz nicht erfüllt sind, muss die Arbeitgeberin Abhilfe schaffen oder Homeoffice allenfalls unterbinden», sagt Rudolph.

Grenzen des Arbeitnehmerschutzes im Homeoffice: Wer zu Hause arbeitet, kann zwar seine Arbeitszeit frei einteilen. Die Vorschriften über die wöchentlichen Höchstarbeitszeiten – 45 Stunden für das Büropersonal – sind aber trotzdem einzuhalten. Sie sind Teil des Arbeitnehmerschutzes und somit zwingend. Einzuhalten sind auch die vorgeschriebenen Pausen und Ruhezeiten und das Sonntags- und Nachtarbeitsverbot, sofern der Betrieb nicht über eine entsprechende Bewilligung verfügt. Die Arbeitszeit ist deshalb auch im privaten Büro zu erfassen.

Allerdings kann die Arbeitgeberin kaum kontrollieren, ob der Mitarbeiter zu Hause tatsächlich so arbeitet, wie er angibt, und ob die Schutzvorschriften eingehalten sind. Zudem gebe es bei Homeoffice, wie bei allen flexiblen Arbeitszeitmodellen, die Tendenz, ständig erreichbar und verfügbar zu sein, was den Gesundheitsschutz unterlaufe, heisst es im Bericht des Bundesrats zur Telearbeit. Inwiefern die Zeit, in der ein Arbeitnehmer erreichbar sein müsse, als Arbeitszeit gelte, sei bis heute nicht geklärt, sagt Bassem Zein vom Bundesamt für Justiz. «Arbeitgeberin und Arbeitnehmer sollten deshalb die Zeiten für die Erreichbarkeit klar festlegen.»

Wer für Arbeitsmaterial- und Geräte aufkommen muss: Grundsätzlich muss die Arbeitgeberin dem Arbeitnehmer das Material und die Geräte zur Verfügung zu stellen, die er für seine Arbeit braucht. Das Gesetz erlaubt es aber, die Verantwortung dafür dem Arbeitnehmer aufzubürden. Da heute praktisch jeder und jede einen Computer und ein Mobiltelefon besitzt und dies in der Regel fürs Homeoffice genügt, entstehen den Arbeitnehmenden meist keine zusätzlichen Kosten für die Beschaffung der Arbeitsgeräte.

Welche Kosten die Arbeitgeberin übernehmen muss: Die Auslagen, die für die Ausführung der Arbeit anfallen, wie etwa die Kosten für Strom oder fürs Telefonieren, gehen zulasten der Arbeitgeberin. Sie muss allerdings nur die Kosten übernehmen, die tatsächlich notwendig sind. Das ist der Fall, wenn Homeoffice angeordnet ist. Aber auch wenn Arbeitnehmende keine Möglichkeit haben, die Arbeit im Betrieb zu erledigen, weil an ihren Homeoffice-Tagen kein geeigneter Arbeitsplatz zur Verfügung steht, gehen die Auslagen aufs Konto des Arbeitgebers.

Wie aber sieht es aus, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer freiwillig Homeoffice betreiben, obwohl sie die Arbeit genauso gut im Betrieb erledigen könnten? Dazu gebe es unterschiedliche Ansichten, schreibt der Bundesrat in seinem Bericht. Die Mehrheit der juristischen Fachleute findet jedoch, die Arbeitnehmenden müssten bei freiwilligem Homeoffice auch die Auslagen für die Ausführung der Arbeit selber tragen.

Bei der Frage der Kostenübernahme, aber auch bei der Abgrenzung zwischen Material und Auslagen zeigten sich Lücken im geltenden Recht, räumt der Bundesrat ein. Es stamme aus einer Zeit, in der es die neueren Arbeitszeitmodelle noch nicht gab und die Entwicklung auch nicht vorhersehbar war.

Vertraglich regeln

Arbeitsrechtsexperte Roger Rudolph ist jedoch überzeugt, dass sich die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Gesundheitsschutzes wie auch die Fragen zur Kostenübernahme lösen lassen. Mit vertraglichen Vereinbarungen können Arbeitgeberin und Arbeitnehmer untereinander festlegen, wie sie dies im Alltag umsetzen wollen.

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