Noch ein neues Vergleichsportal für Spitäler

Die neueste Onlineplattform verspricht erstmals einen umfassenden Qualitätsvergleich von Eingriffen in allen Spitälern. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat es getestet.

Onlineportale helfen bei der Suche nach dem richtigen Spital. Aber wie gut sind diese Angebote? (Im Bild: Spital Surselva in Ilanz). Foto: Gaëtan Bally/Keystone

Onlineportale helfen bei der Suche nach dem richtigen Spital. Aber wie gut sind diese Angebote? (Im Bild: Spital Surselva in Ilanz). Foto: Gaëtan Bally/Keystone

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Die Suche nach einem geeigneten Krankenhaus soll nun einfacher sein als bisher. Mit Spitalfinder.ch gibt es seit einer Woche ein weiteres Vergleichsportal, das die Patientinnen und Patienten bei der freien Spitalwahl unterstützen will. Entwickelt wurde es vom Krankenkassenverband Santésuisse und dem Konsumentenforum. Der Spitalfinder basiert auf den offiziellen Daten des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und dem Verein zur Qualitätsentwicklung in Spitälern (ANQ). Erstmals jedoch seien die Qualitätsindikatoren gebündelt und so aufbereitet, dass ein umfassender und leicht verständlicher Vergleich über die Behandlungsqualität in den Schweizer Akutspitälern möglich sei, sagen die Initianten.

Doch hält das Instrument auch, was die Autoren versprechen? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat anhand der Operation «Entfernung Gallenblase» die Probe aufs Exempel durchgeführt. Ruft man die Website Spitalfinder.ch auf, gelangt man auf der Einstiegsseite direkt zu den Suchmasken, in die man die gewünschten Kriterien eingeben kann. Man wählt aus einem Katalog von Krankheitsbildern den gewünschten Eingriff aus und trägt in der entsprechenden Suchmaske ein, wie weit das Spital vom Wohnort entfernt sein darf. Wer will, kann sich zusätzlich auf einen bestimmten Spitaltypus (zum Beispiel: Spezialklinik) beschränken. Anschliessend klickt man auf «finden» und erhält schliesslich eine Liste von Spitälern, die den eingegebenen Kriterien entsprechen.

Interaktive Zufriedenheitsskala

Im Fall der Operation «Entfernung Gallenblase» haben wir die Spitalsuche geografisch nicht definiert und so listet der Spitalfinder an erster Stelle die Namen mehrerer Tessiner Regionalspitäler auf. Diese stehen zuoberst, weil sie den Eingriff am häufigsten durchführen. Es gilt als erwiesen, dass eine hohe Fallzahl die besseren Operationsergebnisse liefert. Neben der Fallzahl erfährt man auch, wie gross die Sterblichkeit bei der Gallenblasenoperation im jeweiligen Spital ist und wie häufig es zu Wundinfektionen kommt. Auch die Zufriedenheit der Patienten mit dem Spital wird mittels farbiger Punkte angegeben. Fährt man mit dem Cursor über die einzelnen Angaben, so öffnet sich jeweils ein kleines Fenster, das die Resultate erklärt.

Anhand dieser Angaben lassen sich die Spitäler miteinander vergleichen. Man muss aber schon etwas genauer schauen, um festzustellen, dass manche Krankenhäuser, die erst viel weiter hinten auf der Liste aufgeführt sind, insgesamt bessere Qualitätsresultate vorweisen können. So zeigt sich, dass etwa das St. Claraspital in Basel ebenfalls sehr viele Gallenblasen entfernt, aber eine deutlich tiefere Sterblichkeitsrate hat als die Tessiner Regionalspitäler. Auch die Patientenzufriedenheit ist im St. Claraspital höher.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Spitalfinder.ch einen guten Überblick über die Qualitätsresultate der Spitäler bietet. Weil der Vergleich nach klaren Regeln erfolgt (Fallzahl entscheidet), ist auch die Liste der Resultate leicht verständlich. Positiv fällt die einfache Handhabung auf: Es braucht keine Anleitung, um das Instrument zu nutzen, was es für breite Bevölkerungsschichten zugänglich macht. Doch wie bei den andern Spital-Vergleichsportalen, besteht auch bei Spitalfinder.ch das Risiko, dass die Konsumentinnen und Konsumenten die Resultate für bare Münze nehmen. Mit Ausnahme der Fallzahlen sind nämlich die Angaben zur Qualität nur beschränkt aussagekräftig, da nicht ersichtlich ist, in welchem Kontext sie erhoben worden sind. Die Onlineplattform kann deshalb die Spitalsuche lediglich unterstützen, nicht aber die Suche nach wichtigen Informationen ersetzen.

Spitalfinder.ch ist bereits das dritte Vergleichsportal, das in diesem Jahr aufgeschaltet worden ist. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat bereits Anfang November alle übrigen Plattformen getestet und bewertet. Die Resultate seien hier nochmals aufgelistet.

Welches-spital.ch

Nur wenige Wochen älter als Spitalfinder.ch ist das Portal Welches-spital.ch. Dahinter steht der kleine, gemeinnützige Verein Spitalvergleich Schweiz, dessen Mitglieder das Angebot laut eigenen Angaben in Gratisarbeit aufgebaut haben. Welches-Spital.ch stützt sich ebenfalls auf die offiziellen Daten des BAG und des Vereins ANQ und will diese auf attraktive Art der Bevölkerung zugänglich machen.

Den Interessentinnen stehen für die Spitalsuche fünf Kriterien zur Verfügung: die Distanz zum eingegebenen Ort, die Fallzahl, die Art des Eingriffs/Krankheit, die Patientenzufriedenheit sowie die Personaldichte (Ärzte und Pflege). Bei jedem einzelnen Kriterium kann man angeben, wie wichtig es einem ist und bekommt als Resultat eine Liste von Spitälern, welche die gesuchte Operation durchführen. Neben jeder Klinik steht dann, wie gut sie in einer Skala von 1 bis 5 die ausgefüllten Kriterien erfüllt.

Allerdings erfährt man nicht, wie die von ihnen angegebenen Kriterien vom System gewichtet werden und so lassen sich auch die Resultate des Vergleichs nicht nachvollziehen. Deutlich wird dies, wenn man Welches-spital.ch mit dem Angebot von Spitalfinder.ch direkt vergleicht. Gibt man bei beiden Vergleichsportalen die gleichen Suchkriterien ein, erhält man völlig unterschiedliche Resultate. Während die Ergebnisse von Spitalfinder.ch klaren Kriterien gehorchen, sind die Resultate von Welches-spital.ch nicht erklärt und allenfalls für Experten nachvollziehbar.

Bewertung: Das Portal ist zwar sehr benutzerfreundlich und erfüllt den Wunsch vieler nach einer Rangliste von Spitälern. Es fehlt jedoch an Transparenz bei der Gewichtung der Kriterien. So kommt es etwa vor, dass das Resultat auch dann genau gleich bleibt, wenn man ein Kriterium (zum Beispiel: Distanz von Wohnort zur Klinik) massgeblich verändert. Das schmälert die Aussagekraft der Ergebnisse erheblich. Da müssen die Betreiber nachbessern. Für erste Hinweise bei der Wahl eines Spitals eignet sich das Portal aber gut.

Comparis.ch

Der Internetvergleichsdienst hat das Bedürfnis nach Transparenz und verständlichen Informationen als Erster erkannt und bietet seit dem vergangenen Sommer selber einen Spitalvergleich an. Dieser beschränkt sich vorerst auf Geburten, soll später aber auch für andere Eingriffe möglich sein. Der Spitalvergleich von Comparis.ch wird als Ranking präsentiert, es basiert auf den BAG-Fallzahlen und der Patientenzufriedenheit: Je grösser die Fallzahl und die Patientenzufriedenheit, desto besser steht die Klinik im Comparis-Ranking da. Anzufügen ist, dass Daten zur Patientenzufriedenheit teilweise von Comparis selber erhoben und ausgewertet werden.

Bewertung: Der Spitalvergleich ist sehr leserinnenfreundlich gestaltet, einfach zu handhaben und gut erklärt. Da die Daten über die Zufriedenheit der Mütter teilweise von Comparis selber erhoben werden, sollte man bei der Nutzung des Portals unbedingt darauf achten, wie aktuell diese sind. Das Ranking bietet jedoch einen guten Einstieg für die gezielte Suche nach einer Klinik. Zu beachten ist auch, dass es sich bei Comparis um ein gewinnorientiertes privates Unternehmen handelt.

Spitalinformation.ch

Hierbei handelt es sich um ein Portal des Spitalverbands H+. Mithilfe einer Suchmaschine können Interessierte nach Spitälern suchen, die bestimmte Leistungsbereiche abdecken. Der Name des Portals ist Programm: Es bietet umfassende Informationen, so etwa auch die detaillierten Fallzahlen zu den einzelnen Spitälern; dabei stützt es sich auf die offiziellen Angaben des BAG sowie auf die Qualitätsberichte der einzelnen Kliniken.

Bewertung: Ein direkter Vergleich einzelner Spitäler untereinander ist mit diesem Portal nicht möglich. Es eignet sich eher für Patientinnen und Patienten, die bereits ein bestimmtes Spital ins Auge gefasst haben und die sich gerne gründlich darüber informieren wollen und auch bereit sind, die nötige Zeit dafür einzusetzen.

BAG.admin.ch

Das Vergleichsportal des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ist das älteste unter den hiesigen Angeboten für einen Spitalvergleich. Es existiert seit 2012, dem Jahr als die Schweizer Spitäler auf Fallpauschalen umstellen mussten. Vom BAG stammen auch die Angaben zu den Fallzahlen, auf denen alle übrigen Vergleichsportale basieren. Die Fallzahl gibt an, wie viele Operationen ein Spital in einem bestimmten Bereich vornimmt. Auch die Sterblichkeitsraten aller Schweizer Akutspitäler sind auf dem BAG-Portal zu finden. Beide, Fallzahlen und Sterblichkeitsraten, gelten als wichtige Qualitätsindikatoren.

Wer jedoch die Website des BAG aufruft, wird Mühe haben, die Statistiken zu finden. Am einfachsten gelangt man über eine Google-Suche mit den Stichworten «Spitalvergleich BAG» zu den Daten. Ist man einmal dort angelangt und will das Angebot möglichst umfassend nutzen, muss man sich in einer ziemlich komplizierten Wegleitung erklären lassen, wie das funktioniert. Das wirkt eher abschreckend. Den meisten Patientinnen dürften indes die Angaben zu den Fallzahlen genügen. Diese sind auf dem Portal unter dem Stichwort «Fallzahlen» zu finden. Man klickt die gesuchte Operation an, bekommt dann die gewünschten Angaben aller Akutspitäler und kann die Fallzahlen der einzelnen Kliniken direkt miteinander vergleichen.

Bewertung: Man merkt dem BAG-Spitalportal an, dass es nicht in erster Linie für die Patientinnen und Patienten erstellt worden ist, sondern sich auch an Fachleute richtet; es ist nicht gerade benutzerfreundlich. Das BAG teilt mit, dass man gerne Anregungen entgegennehme, wie die Daten einfacher dargestellt und zugänglicher gemacht werden können.

ANQ.ch

Nur wenige Laien dürften wissen, dass auf dieser Website die Ergebnisse von Umfragen zur Patientenzufriedenheit abgerufen werden können. Das Kürzel ANQ steht für den Nationalen Verein zur Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken, in welchem unter anderem auch die Kantone Mitglied sind. Es bürgt also für Seriosität. Wer sich die Website nicht merken kann, findet sie am ehesten mit einer Suche unter dem Stichwort «Patientenzufriedenheit Schweiz».

Auf dem Portal wird einem auf mehr oder weniger verständliche Art erklärt, wie die Resultate zur Patientenzufriedenheit zustande kommen und wie sie zu lesen sind. Die Ergebnisse sind jedoch grafisch so aufbereitet, dass man gut erkennen kann, wo ein bestimmtes Spital im Vergleich zu den andern steht. Weiter sind auf der ANQ-Site auch die Resultate zu den Untersuchungen über Wundinfektionen nach einer Operation zu finden. Der Spitalvergleich des ANQ versteht sich jedoch explizit nicht als Ranking.

Bewertung: Nach dem Aufrufen der Website, sind die Messergebnisse relativ leicht und mit wenigen Klicks zu finden. Wer im Umgang mit Grafiken nicht so geübt ist, braucht allenfalls etwas Zeit, um sich zurechtzufinden. Umfragen zur Patientenzufriedenheit sind unter Fachleuten jedoch etwas umstritten, da die Antworten von der individuellen Erfahrung geprägt und nicht überprüfbar sind.

Erstellt: 25.11.2015, 16:38 Uhr

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