Richtig versichert ins Ausland

Gesundheitliche Probleme können einen langen Auslandaufenthalt vermiesen. Es lohnt sich deshalb, rechtzeitig eine passende Versicherungslösung zu finden.

Fehlt eine gute Krankenversicherung, kann die ärztliche Behandlung im Ausland teuer werden. Foto: iStock

Fehlt eine gute Krankenversicherung, kann die ärztliche Behandlung im Ausland teuer werden. Foto: iStock

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Rund 760'000 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland. Manche ärgern sich darüber, dass sie in einem anderen Land hohe Prämien für eine Schweizer Krankenkasse bezahlen müssen, obwohl sie lieber auf das ­günstigere Angebot ihres neuen Wohnorts wechseln möchten. ­Handkehrum gibt es aber auch viele, die jenseits der Landesgrenze keine ­Schweizer Grundversicherung mehr haben ­dürfen, obwohl sie eine solche gerne hätten.

Der scheinbare Widerspruch zeigt, dass die Krankenversicherung im Ausland eine knifflige Angelegenheit sein kann. Die nachfolgende Übersicht gibt einige Anhaltspunkte, um sich im Wirrwarr zurechtzufinden und die Krankenversicherung für einen Aufenthalt im Ausland richtig zu planen.

Rentner sollten Vor- und Nachteile abwägen

Eine grössere Zahl von Pensionierten lebt heute im Ausland, da dort mit der Schweizer Rente oft ein luxuriöseres Leben möglich ist als hierzulande. Leute, die ihre Renten aus der Schweiz beziehen (auch Invalidenrenten) behalten grundsätzlich ihre Krankenkasse in der Schweiz. Die Auslandschweizer-Organisation erhält gelegentlich Rückmeldungen von Rentnern, die sich darüber beklagen, dass sie ­weiterhin die hohen Schweizer Krankenkassenprämien bezahlen ­müssen, obwohl sie sich im Ausland deutlich günstiger versichern und vor Ort die gleichen Gesundheitsleistungen beziehen könnten.

Doch die Pflicht, sich bei einer Schweizer Krankenkasse zu versichern, besteht nicht überall. In Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Portugal und Spanien können Rentner frei entscheiden, ob sie sich von der Versicherungspflicht in der Schweiz befreien wollen. Dafür müssen sie bei der Gemeinsamen Einrichtung KVG in Olten ein Gesuch stellen. Die dreimonatige Frist dafür läuft ab dem offiziellen Wohnsitzwechsel.

Rentnerinnen und Rentner sollten die Vor- und Nachteile eines solchen Versicherungswechsels abwägen. Wer zum Beispiel zu einer spanischen Krankenversicherung wechselt, bezahlt zwar weniger hohe Prämien. Der Versicherte kann sich danach aber nur noch in Spanien behandeln lassen, wo das ­Gesundheitssystem möglicherweise nicht überall dem Schweizer Standard entspricht, wie Kristina Klose, Leiterin Kundenservice International bei der Helsana, erläutert. Mit einer Schweizer Versicherung können die Rentner hingegen wählen, ob sie sich im Wohn- oder Herkunftsland behandeln lassen wollen. Wobei die Reisekosten in die Schweiz natürlich der Patient trägt.

«In EU- und Efta-Staaten können Rentner mit tiefen Einkommen von verbilligten Prämien profitieren.»Stefanie Mathis,
Leiterin des Rechtsdiensts bei der
Auslandschweizer-Organisation

Mit EU- und Efta-Staaten hat die Schweiz zudem Abkommen abgeschlossen, die auch für Krankenversicherungen Folgen haben. So profitieren Ausgewanderte mit tiefen Einkommen von den gleichen Prämienverbilligungen, die es auch in der Schweiz gibt, wie ­Stefanie Mathis, Leiterin Rechtsdienst bei der Auslandschweizer-Organisation, erläutert. Anspruch darauf haben aber nur jene, die auch in der Schweiz versichert sind.

Befindet sich der neue Wohnsitz ausserhalb des EU- und Efta-Raums, sind Rentner nicht in der Schweiz, sondern in ihrem Wohnsitzstaat krankenversicherungspflichtig. Dort sollten die Regelungen genau geprüft werden, weil staatliche Krankenversicherungen in manchen Ländern nur wenige Leistungen ­abdecken.

Eine Aufnahme in eine Privatversicherung kann je nach Alter oder Gesundheitszustand schwierig werden. In solchen Situationen empfiehlt Stephan Wirz den Abschluss einer Auslandversicherung. Diese kann aber insbesondere für ältere Menschen kostspielig sein. Und auch hier gibt es keine Garantie für eine Aufnahme. Wirz rät, zu prüfen, ob die aktuelle Krankenkasse eine Partnerschaft mit einem Auslandversicherer hat.

Angestellte im Ausland müssen wechseln

Für Schweizerinnen und Schweizer, die sich im Ausland von einem Arbeitgeber anstellen lassen, ist der Fall ziemlich klar: Sie ­können ihre bisherige Schweizer Krankenversicherung nicht mehr behalten und müssen sich am neuen Wohnort zu landesüblichen Konditionen versichern.

Wem diese Deckung nicht genügt, kann dies mit einer privaten Versicherung von verschiedenen Schweizer Anbietern ergänzen – unter diesen hat es auch einige Krankenkassen. Die Auslandschweizer-Organisation ­listet auf ihrer Internetseite Adressen auf. Solche Produkte beinhalten in der Regel neben einer Grundversicherung auch einen Privatzusatz.

Oft sind Kosten in der Höhe von 50'000 Franken oder mehr pro Jahr gedeckt, wie Stephan Wirz von der Vermittlerin Maklerzentrum Schweiz AG erläutert. Eine Privatversicherung hat auf der einen Seite den Vorteil,dass Behandlungskosten ­weltweit gut gedeckt werden können. Auf der anderen Seite kann sie je nach Deckungsumfang sehr kostspielig sein.

Entsandte behalten ihre bisherige Krankenkasse

Wer in der Schweiz privat versichert ist, sollte Vorkehrungen treffen, damit es bei einer Rückkehr nach dem Auslandaufenthalt nicht zu einer ­unangenehmen Überraschung kommt. Denn es besteht das Risiko, dass eine Schweizer Krankenkasse eine Wiederaufnahme in die Privatversicherung verweigert. Mit der Wahl des passenden Produkts fürs Ausland lässt sich das vermeiden. Aber nicht alle Versicherer bieten ein solches Übertrittsrecht an. Interessierte müssen das vor ihrer Abreise abklären.

Anders ist es, wenn ein Schweizer Unternehmen Angestellte für längere Zeit ins Ausland entsendet. Rechtlich sind dies immer noch Schweizer Angestellte.

Während mindestens zwei Jahren sind sie verpflichtet, sich weiterhin bei einer Schweizer Krankenkasse zu versichern. Die Frist ist bis auf maximal sechs Jahre verlängerbar, wie Kristina Klose erläutert.

Bei Grenzgängern entscheidet der Erwerbsort

Grenzgänger müssen sich eigentlich im Land ihrer Erwerbstätigkeit krankenversichern. Kommen sie aber aus den Nachbarländern Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich für Arbeit in die Schweiz, können sie innerhalb von drei Monaten entscheiden, ob sie die Krankenversicherung ihres Herkunftslands behalten wollen. Dafür müssen sie sich bei der kantonalen Stelle melden, die für die Kontrolle der Versicherungspflicht zuständig ist.

Umgekehrt haben Grenzgänger aus der Schweiz nirgendwo ein Wahlrecht. Anders als in der Schweiz wird die Krankenversicherung in vielen europäischen Ländern jedoch über Lohnab­züge finanziert.

Verschiedene Variantenbei befristetem Aufenthalt

Es gibt auch Leute, die regelmässig mehrere Monate lang in einem Ferienhaus im Ausland verweilen. Liegt die Liegenschaft ausserhalb des EU- und Efta-Raums, ist bei der Wahl der Krankenversicherung der Lebensmittelpunkt entscheidend. Dabei gibt es einen gewissen Interpretationsspielraum.

Wichtige Indizien sind die Dauer des Aufenthalts, das familiäre Umfeld wie zum Beispiel Kinder, die an einem bestimmten Ort zur Schule gehen, oder diverse Verpflichtungen. Dort, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet, muss grundsätzlich auch die Krankenversicherung abgeschlossen werden. Rentner behalten innerhalb des EU-/Efta-Raums ihre Krankenkasse im Grundsatz in der Schweiz.

Bei Studenten oder Weltreisenden, die in absehbarer Zeit eine Rückkehr in die Schweiz planen, ändert aus Sicht der Krankenversicherung auch nichts an ihrem Lebensmittelpunkt. Sie behalten also ihre bisherige Krankenkasse in der Schweiz.

Erstellt: 13.10.2019, 17:30 Uhr

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