So optimieren Sie die dritte Säule

Bank oder Versicherung? Die Vorsorgemodelle unterscheiden sich stark. Wie Sie die richtige Lösung finden.

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Wer mit der Säule 3a fürs Alter vorsorgt, sollte klug planen. Denn es geht um erhebliche Summen. Banken wie auch Versicherungen bieten dafür Produkte an. Gemäss Zahlen des Bundesamts für Sozialversicherung verwalteten im Jahr 2015 Versicherungen knapp 43 Prozent von total 97,5 Milliarden Franken Säule-3a-Guthaben in der Schweiz (ohne Wertschriften). Zwischen beiden Lösungen gibt es erhebliche Unterschiede. Die wichtigsten: Mit der Versicherung erhält der Kunde immer auch eine Versicherungsleistung, für die er auch einen Preis bezahlt. Zudem verpflichtet er sich mit einem langjährigen Vertrag, bei der Bank hingegen nicht.

Viele unabhängige Experten raten ohne Umschweife von einer Versicherungslösung ab. Sie empfehlen, das Sparen und das Versichern grundsätzlich zu trennen. Zu diesen Experten zählt Andreas Akermann vom VZ Vermögenszentrum. «Es ist ratsam, die gewünschten Versicherungsleistungen separat zu regeln, da sie in Paketlösungen wie zum Beispiel der Säule 3a oft nicht präzise auf das Kundenbedürfnis zugeschnitten werden.» Mit anderen Worten: Der Kunde bezahlt für Leistungen, die er nicht benötigt. Bei der langjährigen Versicherungslösung kommt erschwerend hinzu, dass sich Lebenssituation und Bedürfnisse im Lauf der Jahre ändern. Wer auswandert oder selbständig wird, hat auf einmal andere Ansprüche an eine Versicherung.

Kombination als Vorteil

Versicherungen verweisen auf die Vorteile ihrer Angebote. Christian Meyer von der SwissLife argumentiert mit der Sicherheit und Planbarkeit: «Bei einer Versicherung wird ein Alterskapital definiert, das der Kunde garantiert erhält.» Wenn der Kunde zum Beispiel wegen Invalidität nicht mehr erwerbsfähig ist und die vereinbarten jährlichen Prämien nicht mehr zahlen kann, übernimmt das die Versicherung. Die Planbarkeit sei für die Absicherung einer Hypothek sinnvoll. Lukas Kienast von der AXA sieht in der Kombination von Versicherung und Vorsorge einen weiteren entscheidenden Vorteil: «Viele Menschen sind froh, wenn sie Altersvorsorge sowie Absicherung dank einer Beratung langfristig und in einem Aufwisch regeln können.»

Das Durchschnittsalter jener, die einen Vertrag für eine Säule-3a-Versicherung abschliessen, liegt laut Kienast bei rund 30 Jahren. Versicherer argumentieren, dass ihre Lösung gerade für junge Leute attraktiv sei, die sich lieber mit anderem beschäftigen als mit der Vorsorge. Doch andere Fachleute erzählen auch Gegenteiliges: Jüngere Leute wollen sich oft nicht mit langjährigen Verträgen binden, das sie zum Beispiel einen Auslandaufenthalt oder eine Weiterbildung planen.

Die langfristige Verpflichtung, die manchen wie eine schwere Fussfessel vorkommen mag, relativieren die Versicherungen nur teilweise. Wer wegen einer Ausbildung, einem Auslandaufenthalt oder anderen Gründen vorübergehend wenig Einkommen hat, kann bei allen befragten Versicherern eine befristete Auszeit nehmen. Diese ist allerdings oft auf einige Jahre begrenzt. Der vorzeitige Ausstieg aus einem solchen Vertrag kostet meistens Geld — insbesondere bei einer frühen Kündigung kann die Versicherungslösung zum Verlustgeschäft werden. «Die Beratungsleistung müssen wir verrechnen — über die Jahre fällt das aber nicht mehr ins Gewicht», sagt Kienast von der AXA. Tarik Pulver, Vorsorgeexperte bei der Mobiliar, nennt auch einen Vorteil des Vertragszwangs: «Ein Alterssparkapital entsteht nicht mit Zinsen allein, sondern vor allem durch konsequente Einzahlungen.»

Roman Fäh kennt die Fragen der Leute zur Säule 3a. Der Vorsorgeexperte berät sie beim VZ Vermögenszentrum in Zürich. Es kommen auch Leute zu Fäh, die bereits eine Säule-3a-Versicherung haben. «Sie sind unzufrieden oder zweifeln an ihrer bisherigen Lösung», sagt er. Wer über den Arbeitgeber bereits gut versichert sei, benötige oft keine 3a-Versicherung. Es ist zwar oft kostspielig, aus einem langjährigen Vertrag mit einer Versicherung auszusteigen. «Aber in mehr als der Hälfte der Fälle lohnt es sich trotzdem», sagt Fäh.

«Der Kunde zahlt für die Versicherungsleistungen separat und weiss so genau, was das kostet.»Tarik Pulver, Vorsorgeexperte bei der Mobiliar

Er kann konkrete Beispiele nennen, welche die Kosten einer vorzeitigen Vertragsauflösung — eines sogenannten Rückkaufs — illustrieren. Fäh nennt unter anderem den Fall eines 35jährigen Kunden, der eine 3a-Police mit einer Laufzeit von 30 Jahren unterzeichnete. Er verpflichtete sich, jährlich eine Prämie von 2950 Franken einzuzahlen. In viereinhalb Jahren äufnete er so ein Vermögen von 13'250 Franken. Der Rückkaufswert lag zu diesem Zeitpunkt bei 9900 Franken. Der Kunde hätte also 3350 Franken verloren. Die Versicherung wies in diesem Fall nicht aus, wie viel davon Versicherungsleistungen und wie viel andere Gebühren waren. Dies ist ein Einzelfall — die Kosten können je nach Vertrag variieren.

Mehr Flexibilität bei der Bank

Mit der Banklösung erhalten Kunden mehr Flexibilität. Innerhalb der Säule 3a liegt die Obergrenze für die jährlichen Einzahlungen generell beim steuerlich abzugsberechtigten Betrag (2018: 6768 Franken). Innerhalb dieses Rahmens können Bankkunden so viel einzahlen, wie sie wollen und haben im Gegensatz zur Versicherung keinen vertraglichen Zahlzwang. Bei Unzufriedenheit können Bankkunden auch jederzeit den Anbieter wechseln (siehe Infografik). Und wer sich neu orientiert und das Konto vorzeitig auflöst, bezahlt bei der Versicherung meist deutlich mehr.

Auch wer auf Kostentransparenz wert legt, dürfte mit der Banklösung in der Regel zufriedener sein. Denn bei Versicherungen wissen die Kunden meist nicht, wie viel von ihren Prämienzahlungen ins Sparkapital fliesst und wie viel für andere Kosten wie Versicherung, Beratung oder Vermögensverwaltung verwendet wird. Bei Banken beschränken sich die Kosten in der Regel auf die Vermögensverwaltung, die auch bei einer Versicherung anfallen. Bei der Bank sind die Gebühren zwar auch nicht leicht durchschaubar, doch wer sich danach erkundigt, erhält die Konditionen und kann für ein bestimmtes Kapital und Laufzeit die Kosten berechnen. Die angefragten AXA und SwissLife geben über ihre Kosten hingegen keine Auskunft.


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Anders die Mobiliar: Sie geht seit einigen Jahren einen neuen Weg und bietet auch mit der Versicherungslösung volle Transparenz, wie Pulver betont. Sie sei mit einer Banklösung vergleichbar. «Der Kunde zahlt für die Versicherungsleistungen separat und weiss so genau, was das kostet», sagt er. Auf dem Sparkapital würden bei einem Ausstieg keine Kosten abgezogen. Auf der Rendite des eigenen Fonds verrechnet die Mobiliar aber ein Prozent. Damit finanziert sie die Verwaltungskosten und eine Garantie, dass die Verzinsung nicht ins Minus fällt.

Wer schon vor 2007 einen Vertrag bei einer Versicherung unterzeichnet hat, sollte diesen allerdings genau prüfen, bevor er einen Wechsel zu einer Bank erwägt: Wenn ein fixer technischer Zins vereinbart wurde, lohnt sich der Umstieg kaum. Denn damals gab es dafür noch Zinssätze von drei Prozent — eine derart hohe Rendite bietet heute auf einem garantierten Alterssparkapital niemand mehr an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.05.2018, 19:24 Uhr

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