Spesenentschädigung reicht nicht: Kann ich mehr verlangen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Rechtsanspruch bei Spesenabrechnungen.

Was muss die Firma vergüten, wenn das Privatauto geschäftlich genutzt wird? Foto: iStock

Was muss die Firma vergüten, wenn das Privatauto geschäftlich genutzt wird? Foto: iStock

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Seit mehreren Jahren bin ich im Aussendienst tätig. Meine Arbeit muss ich mit meinem eigenen Auto ausführen, da mir die Firma keines zur Verfügung stellt. So wurde es bei meiner Einstellung vereinbart. Der Betrieb zahlt mir dafür eine pauschale Entschädigung von 70 Rappen pro Kilometer; damit sind alle Auslagen abgegolten. Die Kosten für die Hin- und Rückfahrt zu den täglich wechselnden Einsatzorten werden mir jedoch abgezogen, und auch die Parkplatzgebühren bekomme ich nicht vergütet. Mehrmals habe ich meine Arbeitgeberin darauf hingewiesen, dass die Pauschale nicht ausreiche. Auch würde ich mein Auto gern verkaufen, da ich es privat nicht mehr brauche. Doch hat mir die Firma zu verstehen gegeben, dass ich dann auch meinen Job los wäre. Habe ich wenigstens eine Chance, eine höhere Entschädigung zu bekommen?

Ja, die haben Sie, sofern Sie belegen können, dass die Pauschale nicht reicht. Laut Gesetz muss der Arbeitgeber für sämtliche Auslagen aufkommen, die zur Ausführung der Arbeit notwendig sind. Dazu gehören selbstverständlich auch die Kosten für die Hin- und Rückfahrt vom vertraglichen Arbeitsort zum Einsatzort. Als Arbeitsort gilt in der Regel der Sitz der Firma, bei der man angestellt ist. Ihr Arbeitgeber kann die wechselnden Einsatzorte nicht kurzerhand zum Arbeitsort erklären, um sich so um die Wegkosten zu drücken. Die nicht entschädigten Wegspesen können Sie auch rückwirkend einfordern.

Grundsätzlich ist es zulässig, den Einsatz des Privatautos für die Arbeit pauschal abzugelten. Auch sind die 70 Rappen, die Sie pro Kilometer bekommen, ein verbreiteter Standard. In den meisten Fällen seien damit sämtliche direkten und indirekten Kosten gedeckt, wie der TCS auf Anfrage mitteilt. Bei teureren Fahrzeugmodellen könne es jedoch sein, dass dieser Betrag nicht ausreiche. Nähere Informationen dazu finden Sie online unter TCS.ch.

Hingegen dürfte es schwierig werden, von der Arbeitgeberin eine höhere Entschädigung zu bekommen mit dem Argument, sie brauchten privat kein Auto mehr. Ihre Chefin kann sich darauf berufen, dass während Jahren etwas anderes abgemacht war. Das gilt erst recht für den Fall, dass Sie Ihren Wagen verkaufen sollten. Der Einsatz Ihres Privatautos ist Teil der vertraglichen Vereinbarung zwischen Ihnen und dem Betrieb. Ihre Arbeitgeberin müsste deshalb mit einer Änderung einverstanden sein. Ist sie es nicht und führt dies zur Kündigung, so könnten Sie dagegen kaum etwas unternehmen.


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Erstellt: 20.06.2016, 13:39 Uhr

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