Was Banken bei Hypotheken oft unterschlagen

Wer den Kauf von Wohneigentum erwägt, sollte sich nicht durch schöne Zahlen täuschen lassen.

Wenn es um den Hauskauf geht, darf man sich nicht von den Zahlen der Banken blenden lassen. Foto: Marc Dahinden

Wenn es um den Hauskauf geht, darf man sich nicht von den Zahlen der Banken blenden lassen. Foto: Marc Dahinden

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Dank tiefer Hypothekarzinsen lässt sich Wohneigentum derzeit mit wenig Geld finanzieren. Das führt zu einer grösseren Nachfrage. Etliche Banken und Hypothekarvermittler nutzen die Gunst der Stunde und ködern auf ihren Internetsites Konsumenten mit einfachen Vergleichsrechnungen. Interessierte können in wenigen Feldern eingeben, wie viel Miete sie derzeit bezahlen, den Preis des Wohneigentums, das sie kaufen möchten, und die Eigenmittel, die sie einbringen können. In Sekundenschnelle zeigt der Rechner den Vergleich zwischen bisheriger Miete und einer Hausfinanzierung.

Praktisch in jedem Fall ist das Ergebnis eine verlockend hohe Einsparung beim Hauskauf, die noch eindrücklicher wirkt, wenn sie auf das ganze Jahr hochgerechnet wird. Doch das Ergebnis ist trügerisch. Mehr noch: Die eingesparte Miete ist schlicht das falsche Argument für den Kauf von Wohneigentum.

Mieter sind finanziell besser unterwegs als Eigenheimbesitzer, wenn sie ihre Ersparnisse diszipliniert anlegen.

Das Problem solcher Marketing-Rechnungen ist, dass erhebliche finanzielle Nachteile und Risiken ausgeblendet werden. So zum Beispiel, dass Eigenheimbesitzer jahrzehntelang Geld verlieren, weil sie das ins Wohneigentum investierte Geld nicht mehr gewinnbringend anlegen können. Langfristige historische Vergleiche zeigen sogar, dass Mieter finanziell besser unterwegs sind als Eigenheimbesitzer, wenn sie ihre Ersparnisse diszipliniert anlegen. Banken unterschlagen dies und weitere Risiken regelmässig, da sie ein finanzielles Interesse daran haben, Wohneigentumskredite zu verkaufen.

Beim Kauf von Wohneigentum ist es ratsam, den Entscheid nicht aus finanziellen Überlegungen zu fällen. Wichtiger sind letztlich andere Argumente wie zum Beispiel die Freiheit, den Wohnraum beliebig umgestalten zu können, oder dass einem niemand die Wohnung kündigen kann. Handkehrum gibt es allerdings auch gute Gründe für die Miete, die vor allem mehr Flexibilität bietet. So muss sich ein Mieter nicht um den Unterhalt kümmern und kann die Wohnung leichter wechseln, wenn er eine neue Stelle annimmt, wenn die Kinder ausziehen oder wenn es zu Schicksalsschlägen wie einer Scheidung kommt.

Erstellt: 14.07.2019, 21:24 Uhr

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