Wem gehören die Flugmeilen bei Geschäftsreisen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Vielfliegerei.

«Vielfliegerprogramme weisen teilweise Züge von Lotterien auf»: Lufthansa-Maschinen in München.

«Vielfliegerprogramme weisen teilweise Züge von Lotterien auf»: Lufthansa-Maschinen in München. Bild: Peter Kneffel/Keystone

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Seit ich vor kurzem befördert wurde, fliege ich viel geschäftlich, vor allem mit Swiss und Lufthansa. Deshalb habe ich mich beim Vielfliegerprogramm «Miles & More» angemeldet. Das Konto lautet auf mich privat, weil nur natür­liche Personen Flugmeilen sammeln können. Mein Arbeitgeber verlangt nun, dass ich die gesammelten Meilen ausschliesslich für Geschäftsflüge einsetze und zu diesem Zweck eine Art Buchhaltung führe. Stehen die Meilen tatsächlich der Firma zu?

Ein weiteres Problem: Beim Buchen von Flügen über «Miles & More» ist mir aufgefallen, dass meist nur Umsteigeflüge erhältlich sind, etwa via Genf oder Frankfurt. Auch kann man sich nur auf die Warteliste für ein Upgrade in die Businessclass setzen lassen, wenn man nicht den günstigsten Eco-Tarif bucht. Man kauft also die Katze im Sack. Ist das zulässig?

Zuerst zur Frage, wem die Meilen gehören. Laut Gesetz müssen Angestellte alles herausgeben, was sie bei ihrer Tätigkeit von Dritten für den Arbeitgeber erhalten. Dazu gehören nach verbreiteter Ansicht auch Flugmeilen. «Meilen haben einen Geldwert, der demjenigen zusteht, der für die Geschäftsreise bezahlt, also dem Arbeitgeber», sagt Rechtsanwalt Rolf Metz. Darüber hinaus müssen Arbeitnehmer ihrem Chef Rechenschaft ablegen. Die Forderungen Ihres Arbeitgebers sind somit rechtens: Er darf verlangen, dass Sie die gesammelten Meilen für Geschäftsflüge einsetzen und auch, dass Sie eine Schattenrechnung führen, aus der hervorgeht, wie viele Meilen Sie auf solchen Flügen gesammelt respektive für solche Flüge eingelöst haben. In einem Merkblatt für Bundesangestellte steht explizit: «Auf dienstlichen Reisen erworbene Meilenguthaben gelten als Eigentum der Eidgenossenschaft.»

Ihre Frage zum Thema Warteliste ist rechtlich heikel. Dass man ein teureres Ticket kaufen muss, um auf die Warteliste zu kommen, aber keine Garantie hat, das Upgrade am Ende auch zu erhalten, erinnert an ein Glücksspiel. Denn die Airlines erstatten den Aufpreis ja nicht zurück, wenn es mit dem Upgrade nicht klappt. Die Lotterie- und Wettkommission (Comlot) schreibt dazu auf ­Anfrage: «Vielfliegerprogramme weisen teilweise Züge von Lotterien auf.» Ob ein Verstoss gegen die Lotteriebestimmungen vorliege, hänge in erster Linie davon ab, «ob der Aufpreis/Einsatz primär im Hinblick auf das erhoffte Upgrade» geleistet werde. Falls der Aufpreis mit weiteren Vorteilen verbunden sei wie etwa der Möglichkeit, den Flug umzubuchen, sei es «schwierig», von einem Einsatz im lotterierechtlichen Sinne zu sprechen. Genau mit diesen anderen Vorteilen argumentieren aber Airlines wie die Swiss. Sie werden also wohl oder übel die Katze im Sack kaufen müssen.

Erstellt: 11.04.2016, 11:24 Uhr

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