Wenn die Arztgehilfin im Ausland sitzt

Die Verantwortung für den Datenschutz bleibt beim Arzt, auch wenn er die Datenbearbeitung ins Ausland verlagert.

Der FMH und der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte sind grundsätzlich skeptisch gegenüber einem Outsourcing der Datenbearbeitung ins Ausland. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Der FMH und der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte sind grundsätzlich skeptisch gegenüber einem Outsourcing der Datenbearbeitung ins Ausland. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Trotz Schweigepflicht müssen Ärztinnen und Ärzte die Krankenberichte nicht zwingend durch eigenes Personal schreiben lassen. Sie dürfen dafür externe Hilfspersonen, wie etwa ein auf medizinische Schreibarbeiten spezialisiertes Büro einsetzen (siehe Artikel zum Thema). Auf diese Weise können Ärzte ihre Personal-Engpässe überbrücken, ohne Aushilfen einstellen zu müssen. Das spart Aufwand und Kosten.

Noch grösser sind die Einsparungen, wenn die Schreibarbeiten durch einen Dienstleister im Ausland erfolgen, da dort das Lohnniveau durchwegs tiefer ist als in der Schweiz. Bereits sind einzelne Fälle bekannt, wo Schweizer Ärzte ihre Diktate an medizinische Schreibbüros im Ausland geschickt haben, um sie von diesen transkribieren zu lassen.

Der Auftraggeber ist verantwortlich

Einem solchen grenzüberschreitenden Outsourcing der Datenbearbeitung steht grundsätzlich nichts im Weg, vorausgesetzt, der Datenschutz ist gewährleistet. Die Verantwortung dafür liegt – genau wie auch bei der Datenbearbeitung im Inland – beim Auftraggeber, also beim Arzt oder bei der Klinik. Der Arzt oder die Klinik muss vorab abklären, wie es um den gesetzlichen Datenschutz steht in dem Land, in welches die Daten übermittelt werden. Dabei dürfen sich Ärzte auf die Länderliste abstützen, die der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte auf seiner Website führt; sie wird laufend aktualisiert (siehe PDF «Staatenliste»). Aus dieser Liste geht etwa hervor, dass in allen EU-Mitgliedsstaaten eine angemessener Schutz für natürliche Personen besteht.

Gewährt das Land, in welchem die Datenbearbeitung stattfinden soll, keinen angemessenen Vertraulichkeitsschutz, muss der Arzt selber entsprechende Vorkehren treffen. Er kann sich zum Beispiel vertraglich vom ausländischen Schreibbüro die Geheimhaltung garantieren lassen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass der Arzt für die Datenbearbeitung im Ausland explizit die Einwilligung der betroffenen Patientinnen einholt.

Das spricht gegen das Outsourcing

Sowohl der Ärzteverband FMH wie auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte sind jedoch grundsätzlich skeptisch gegenüber einem Outsourcing der Datenbearbeitung ins Ausland. «Wir gehen davon aus, dass Ärztinnen und Ärzte in der Regel ihrer Pflicht zur Geheimhaltung nicht nachkommen können, wenn sich der Anbieter im Ausland befindet», sagt Francis Meier vom Büro des Datenschutzbeauftragten.

Dass auch die hiesige Schreibbüro-Branche nichts davon hält, ausländische Dienstleister zu nutzen, versteht sich von selbst. Laut Daniele Menozzi, Inhaber eines medizinisches Schreibservice in Oberwil BL, gibt es aber auch praktische Argumente gegen das Outsourcing ins Ausland. Sobald es zu Problemen oder Unklarheiten bei der Datenbearbeitung komme, sei es viel schwieriger, über eine Landesgrenze hinweg diese zu beheben oder gewisse Grundsätze durchzusetzen. Das gelte selbst dann, wenn der ausländische Staat einen angemessenen gesetzlichen Datenschutz gewährleiste.

Erstellt: 13.01.2016, 15:38 Uhr

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