Wer zahlt, wenn der Keller unter Wasser steht?

Was es beim Versichern von Wasserschäden am Hausrat zu beachten gilt.

Ob eine Überschwemmung vorliegt oder ein gewöhnlicher Wasserschaden, ist nicht immer auf Anhieb klar. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Ob eine Überschwemmung vorliegt oder ein gewöhnlicher Wasserschaden, ist nicht immer auf Anhieb klar. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Nach einem heftigen Gewitter im vergangenen Mai stand der Keller unter Wasser. Diverse Hausratsgegenstände, welche die Mieterin Erika Sutter (Name geändert) in ihrem persönlichen Abteil gelagert hatte, wurden beschädigt. Sutter machte Fotos und schickte sie ihrer Versicherung. Diese habe sehr unkompliziert reagiert. «Man sagte mir lediglich, ich solle den Schaden detailliert beziffern und die Angaben einreichen.» Sutter tat wie geheissen. Insgesamt errechnete sie einen Schaden von rund 4000 Franken.

Nur wenige Wochen später war der Kellerboden nach einem Gewitter erneut mit Wasser bedeckt. Jetzt meldete sich die Verwaltung der Liegenschaft und liess die Hausbewohner wissen, es handle sich um Grundwasser, dessen Pegel wegen des starken Regens angestiegen und in den Keller eingedrungen sei. Man kläre die Sache ab. Erika Sutter gab die Information an ihre Versicherung weiter. Und obwohl sie keinen weiteren Schaden erlitten hatte, stoppte die Versicherung die Schadenabwicklung. Man wolle zuerst die Bestätigung der Ursachen abwarten, hiess es nun. Eine solche liegt bis heute nicht vor.

Üblicher Marschhalt

Das Vorgehen der Versicherung sei üblich, sobald unklar sei, wie es zum Schaden gekommen sei, sagt Stefan Thurnherr, Versicherungsexperte beim VZ Vermögenszentrum. Denn im geschilderten Fall habe es nach dem ersten Wasserhochstand im Keller offenbar so ausgesehen, als ob es wegen des Gewitters zu einer Überschwemmung gekommen und das Wasser direkt in den Keller geflossen sei. Nach dem zweiten Gewitter stünden nun andere Ursachen zur Diskussion. «Um dies zu klären, hat die Versicherung einen Marschhalt eingelegt», so Thurnherr.

Dass die Ursache eine Rolle spielt, zeigt der Blick in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) diverser Hausratversicherungen. Diese unterscheiden durchwegs zwischen Wasserschäden und Schäden, die durch Hochwasser und Überschwemmungen entstehen. Letztere gelten versicherungstechnisch als Elementarereignisse und werden separat erfasst.

Die Feuerwehr pumpt Wasser ab, das nach einem Rohrbruch die umliegenden Keller überschwemmte. Bild: Keystone / Georgios Kefalas

Die eigentlichen Wasserschäden sind über die Wasserversicherung gedeckt. Dazu gehören zum Beispiel Schäden durch undichte oder geborstene Leitungen, durch einen Rückstau aus der Kanalisation oder eben auch durch Grundwasser im Innern des Gebäudes. Zwar kommen die Hausratversicherungen für beide Schadensarten auf. Die Differenzierung zwischen Elementar- und Wasserschaden sei rechtlich vorgeschrieben, sie habe aber auch Konsequenzen für die Kunden, teilt das Versicherungsunternehmen Axa mit. «Bei Schäden durch ein Elementarereignis gilt ein gesetzlich definierter Selbstbehalt von 500 Franken.» Bei den übrigen Hausratsschäden liege der Selbstbehalt meist tiefer.

Auf Kunden abstützen

Die Klärung der Ursache sei auch deshalb zentral, um zu wissen, wie man sich dagegen wappnen könne, sagt Enrico Briccola, Leiter Sachschaden bei der Mobiliar-Versicherung. «Denn wer einmal Wasser im Keller hatte, der riskiert, dass dies erneut auftritt, wenn man nichts unternimmt.»

Bei der Überprüfung der Schadensursache stützen sich die Versicherungen vorab auf die Schilderungen der Kundinnen und Kunden. Sind diese nachvollziehbar und plausibel und ist der Schaden von geringem Ausmass, verzichte man in der Regel auf einen Augenschein vor Ort, heisst es bei der Axa. Enrico Briccola von der Mobiliar ergänzt: «Bei Hochwasser oder Überschwemmungen sind in der Regel mehrere Häuser in derselben Gegend oder ganze Quartiere betroffen.» Da könne man bei einer Schadensmeldung aus dem entsprechenden Gebiet davon ausgehen, dass diese Ursache auch zutreffe.

«Bei Schäden durch ein Elementarereignis gilt ein gesetzlich definierter Selbstbehalt von 500 Franken.»Axa Versicherungen

Ist die Ursache unklar, schaue man sich allenfalls die Sache vor Ort genauer an. Dasselbe gelte auch bei grösseren Schadenfällen. Wo aber die Grenze liegt, ab der man genauer prüft, geben die beiden Versicherer nicht an. Der durchschnittliche Wasserschaden betrage zwischen 3000 und 4000 Franken. Am häufigsten seien kaputte oder überalterte Leitungen die Ursache; bei Kellern ist es oft ein Rückstau aus der Kanalisation.

Nun gibt es einzelne Hausratversicherungen, die nicht zahlen, wenn ein Dritter für die Ursache des Schadens verantwortlich ist. Ein solcher Ausschluss muss in den AVB erwähnt sein. Da steht dann zum Beispiel, dass Schäden infolge fehlerhafter baulicher Konstruktion, schlechten Baugrunds oder wegen mangelhaften Gebäudeunterhalts nicht versichert seien. Die Geschädigten müssten sich in diesem Fall an den Eigentümer der Liegenschaft wenden und Schadenersatz einfordern, sagt Versicherungs­experte Stefan Thurnherr. Der Nachteil: «Beim Schadenersatz wird nur der Zeitwert der beschädigten Ware erstattet, während die Hausratversicherungen den Neuwert vergüten, den Preis also, den man für das Produkt auf dem Markt zahlt.»

Um Einbussen bei der Schadensdeckung zu verhindern, rät Thurnherr deshalb, vor dem Abschluss einer Hausratversicherung darauf zu achten, dass diese eine möglichst umfassende Deckung bietet.

Begründung verlangen

Weiter weist der Experte darauf hin, sich nie mündlich von der Versicherung abwimmeln zu lassen, wenn diese für einen Schaden nicht aufkommen will. «Versicherte sollten immer eine schriftliche Erklärung verlangen, mit der die Versicherung auch begründet, warum sie nicht zahlt.» Ist man mit dem Entscheid nicht einverstanden, so Thurnherr, könne man sich auch an den Ombudsmann der Privatversicherer wenden.

Erstellt: 05.08.2018, 17:24 Uhr

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