Wie die Altersrente geteilt wird

Was auf scheidungswillige Rentnerinnen und Rentner nach den neuen Regeln zum Vorsorgeausgleich zukommt.

Rententeilung im Praxistest: Bei 10 Prozent aller Scheidungen ist einer der Partner bereits im Pensionsalter.(iStock)

Rententeilung im Praxistest: Bei 10 Prozent aller Scheidungen ist einer der Partner bereits im Pensionsalter.(iStock)

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Immer häufiger ist ein Ehepartner bereits pensioniert, wenn es zu einer Scheidung kommt. Im Jahr 2000 war dies bei rund 600 Scheidungen der Fall. Im Jahr 2015 waren es 1700 Scheidungen, bei denen entweder der Mann oder die Frau oder beide das Rentenalter schon erreicht hatten. Das entspricht rund 10 Prozent aller Scheidungen. Nach den neuen Regeln zum Vorsorgeausgleich wird künftig bei solchen Fällen die Altersrente geteilt (Auch Rentner müssen teilen). Wie die Teilung der Rente konkret funktioniert, zeigt das nachfolgende Rechenbeispiel. Der St. Galler Professor für Sozialversicherungsrecht, Ueli Kieser, hat dies unlängst an einer Fachtagung in Zürich präsentiert.

In besagtem Beispiel handelt es sich um ein Paar, das sehr früh geheiratet hat. Beide haben somit ihre gesamten Ersparnisse in der Pensionskasse während der Ehe angehäuft. Zum Zeitpunkt der Scheidung ist der Mann 66 Jahre alt, er bezieht von seiner Pensionskasse eine monatliche Rente von 3000 Franken. Die Frau ist erst 60, also noch nicht pensioniert. Sie kann mit einer Rente von 1300 Franken rechnen. Somit erhalten rechnerisch beide zusammen 4300 Franken. Davon steht jedem die Hälfte zu - macht 2150 Franken. Der Ehemann ist demzufolge ausgleichspflichtig.

Infografik: Ausgleich mit Teilung der RenteGrafik vergrössern

Von der Rente des Mannes gehen monatlich 850 Franken weg für den Vorsorgeausgleich. Dieser Betrag wird umgerechnet in eine lebenslange Rente für die Frau. Da die Frau bei der Scheidung jünger ist als der Mann und Frauen generell eine höhere Lebenserwartung haben, reduzieren sich die 850 Franken auf 740 Franken. So viel steht der Frau jeden Monat zu, ab dem Zeitpunkt der Scheidung bis zu ihrem Tod.

Wäre sie bei der Scheidung nicht bereits 60 Jahre alt, sondern wesentlich jünger, dann wäre die lebenslange Rente viel tiefer, da sie dann ja für einen längeren Zeitraum bezahlt werden müsste. Die Umrechnung erfolgt gemäss Ueli Kieser mit einem Tool, welches das Bundesamt für Sozialversicherungen den Pensionskassen zur Verfügung stellt.

Gerichte haben einen Ermessensspielraum

Wie kommt nun die ausgleichsberechtigte Person zu ihrem Rentenanteil? Das hängt davon ab, wie alt sie bei der Scheidung ist. Hat sie das Mindestalter für eine vorzeitige Pensionierung erreicht, so bekommt sie das Geld direkt aus der Pensionskasse des Ex-Gatten. Ist sie jünger, dann wird ihr der monatliche Betrag auf die eigene Pensionskasse übertragen. Dadurch erhöht sich ihre spätere Rente.

Nicht immer ist die Teilung der Altersrente so einfach, wie im aufgeführten Beispiel. In vielen Fällen werde es nicht möglich sein herauszufinden, welcher Teil der Altersrente aus dem Guthaben stammt, das während der Ehe angehäuft worden ist, sagt Ueli Kieser. Die Gerichte haben deshalb einen Ermessensspielraum. Dabei müssen sie die Vorsorgesituation beider Ehegatten oder eingetragenen Partnerinnen berücksichtigen. Das Gesetz erlaubt den Gerichten auch, in Einzelfällen von einer hälftigen Teilung abzusehen. Das gilt im Speziellen für Scheidungspaare, bei denen der ausgleichsberechtigte Partner viel jünger ist als der andere und somit genug Zeit hat, um seine Vorsorge selber durch entsprechende Erwerbstätigkeit aufzubessern.

Infografik: Die wichtigsten Änderungen Grafik vergrössern

Erstellt: 07.12.2016, 14:57 Uhr

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